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Gute Ideen muss man festhalten!

Manchmal sind Ideen so schwer zu bändigen wie Flöhe: Sie kitzeln mich nachts im Schlaf, kichern beim Aufwachen in meinem Ohr und kullern beim Spazierengehen über meinen Weg. Haben sie den Weg zu mir gefunden, die Ideen, dann kreuzen sie immer wieder meine Gedanken, egal ob ich gerade arbeite, lese oder koche.

Gute Ideen muss man festehalten – so schnell wie möglich! (Foto: ©fotomek / fotolia.de)

Damit keine Zweifel aufkommen: Natürlich sind sie mir nicht lästig, diese Ideen. Was ich von Flöhen wohl eher nicht behaupten würde. Doch Ideen und Flöhe haben zwei Dinge gemeinsam: Sie kommen und gehen wie sie gerade wollen. Natürlich konzentriere ich mich gern auf das, was ich gerade tue. Meist gelingt mir das auch. Aber manchmal, da schwirrt dann so eine Idee in meinem Unterbewusstsein herum, die mich doch etwas ablenkt.
Irgendwann gebe ich dann nach: Ich setze mich hin und schreibe sie auf. Und dann kann ich mich wieder auf das konzentrieren, was ich gerade tue.

Was für ein Schwachsinn

Gehe ich dann Wochen oder Monate später meine Aufzeichnungen durch, bin ich echt geplättet: Wow, super Idee. Okay, das kommt eher selten vor. Doch es kann auch mal passieren, dass ich denke: Was für ein Schwachsinn! Habe ich mir wirklich die Mühe gemacht, DAS aufzuschreiben?
Ideen hüpfen mir manchmal genau dann zu, wenn ich gerade keine brauche. Na ja gut, wenn man Bücher schreibt, braucht man eigentlich immer Ideen: für die nächste spannende Wendung, das überraschende Ende, den nächsten Plot. Es kommt immer der Moment, da ist die nächste Idee fällig. Deshalb schreibe ich alles auf, was so durch meine Gedanken schwirrt. Fast alles. Nicht, weil mein Gedächtnis so mies ist. Sondern viel schlimmer: Auch die beste Idee hat man schon ein oder zwei Tage später wieder vergessen!!
Und das geht nicht nur mir so. Das höre ich auch von anderen. Deshalb mein wichtigster Tipp für angehende AutorInnen: Schreibt auf, was euch einfällt. Manchmal reichen schon ein paar Worte oder ein paar Sätze, um die beste Idee des Universums festzuhalten.

Wenn ich sie brauche, sind sie weg

Schwierig wird es, wenn ich dringend eine Idee brauche. Eine gute natürlich, logo. Wenn ich anfange, in meinem Hirn danach zu kramen, ist meist schon vorher klar: Das geht schief. Bewusst nach einer Idee zu suchen, damit habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Meist kommt dabei nur Halbgares heraus: Wendungen in meiner Geschichte, die unglaubwürdig sind; Motive, die lächerlich wirken; oder Höhepunkte, die keine Spannung bringen.
Deshalb versuche ich immer, mit dem Zeitplan nicht in Verzug zu geraten. Sobald ich alle Zeit der Welt habe, funktioniert mein Hirn wunderbar – und vor allem mein Unterbewusstsein, die beste Ideen-Findungsmaschine der Welt!
Trotzdem kommt es manchmal vor, dass ich dringend eine Idee brauche, die sich dann partout nicht blicken lässt. Dann hilft mir joggen. Wird der Körper allmählich müde, klären sich meine Gedanken und ich kann mein Hirn und mein Unterbewusstsein nach alten Schätzen durchforsten, die sich dort im Laufe der Jahre angesammelt haben. Auch das klappt nicht immer. Aber immer wieder.

Ein Floh ist kein Schmetterling

Woher die Ideen jetzt eigentlich kommen? Auch da fällt mir wieder der Vergleich mit den Flöhen ein: Sie kommen überall her und überall hin. Eine Szene in einem Film kann mir eine Idee bringen, ein Satz aus der Zeitung, ein Wort der Nachbarin, eine Wolke am Himmel oder ein Plakat an der Straße. Kaum schwirrt die Idee durch meine Gedanken, beginnt sie auch schon, sich festzusetzen, sich einzuspinnen und zu einem Schmetterling zu werden. Okay, falsches Bild, aus einem Floh wird kein Schmetterling. Aber die Idee kann das :-) Erst schleicht sie sich in meine Gedanken, kitzelt mich eine Weile und dann wird aus ihr eine wundervolle Geschichte! Manchmal.
Irgendwie bin ich ja immer am Basteln, Tüfteln, Geschichten bauen. Deshalb wird jede neue Idee sorgfältig von allen Seiten betrachtet, gedreht und gewendet, ob sie zu einem meiner laufenden Projekte passt oder vielleicht eines meiner nächsten Großprojekte werden könnte. Sobald ich sie aufgeschrieben habe, weiß ich, sie geht mir nicht verloren. Und dann kann ich in aller Seelenruhe mit dem weiter machen, mit dem ich gerade beschäftigt bin. So geht es mir, seit ich Bücher schreibe. Und ich finde es toll.

Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.
  1. Birgit Plößner Antworten

    Sehr hilfreich Ihre Aufstellung für wen – welches Alter – eine Geschichte gedacht ist und was für Themen interessieren.
    Es hilft über die Anfangsschwierigkeiten hinweg, auch wenn das Grosse „Wie gestalte ich die Bilderbuchgeschichte?“ noch bleibt.

    Danke und herzliche Grüße aus Spanien (wo ich seit einiger Zeit lebe)
    Birgit Plößner

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