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Sebastian Fitzek: Leserkritik ernst nehmen

Auf der Frankfurter Buchmesse gab Bestsellerautor Sebastian Fitzek angehenden AutorInnen Tipps im Umgang mit Leserkritik – welche man ernst nehmen sollte und welche besser nicht.

In diesem Jahr fand zum ersten Mal auf der Frankfurter Buchmesse die VIP-Autorenkonferenz statt. Der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen (BVjA) organisierte die Konferenz mit dem Titel „Vom Schreiben leben“ in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse.

VIP-Autorenkonferenz

Ich bin nicht so richtig gut im Schätzen, aber ich vermute mal, es waren so rund 100 Personen, die sich am 12. Oktober 2018 im Konferenzraum der Frankfurter Buchmesse einfanden. Spannende Themen und interessante Vortragende stießen auf mehr Interesse, als von den VeranstalterInnen erwartet. Sie mussten kurz vor der Messe einen größeren Raum organisieren und dort erwartete nun die TeilnehmerInnen ein abwechslungsreiches Programm:

  • Pia Cailleau (Carlsen Impress): „Welches Verlagsmodell taugt für welchen Autor?“
  • Natalja Schmidt (Droemer Knaur): „Informationen über den aktuellen Stand auf dem Buchmarkt aus Sicht eines Großverlages“
  • Melanie Müller (Bonnies Buchemotion): „Tipps für den Umgang mit Buchbloggern“
  • Sebastian Fitzek (Droemer HC): „Tipps vom Bestsellerautor für junge Autoren und dem Umgang mit Kritik“
  • Kristina Langenbuch (Weiß & Langenbuch Literaturagentur): „Manuskriptvermittlung über Agenten“
  • Regina Vogel (RV Verlagsvertretung): „Wie kommen die Bücher in den Buchhandel?“
  • Cally Stronk, Autorin: „Autoren- und Buchmarketing: Die Zielgruppe im Visier“

 

Der Buchmarkt ist schnelllebig

Die Verlagsfrauen Pia Cailleau von Carlsen Impress und Natalja Schmidt von Droemer Knaur gaben den Anwesenden ein realistisches Bild von der Zusammenarbeit zwischen AutorInnen und Verlagen. Sie berichteten von der heutigen Situation auf dem Buchmarkt, von der Flut unverlangt eingesandter Manuskripte in den Verlagen und von der Schnelllebigkeit aktueller Trends. Auch der Vergleich mit dem Selfpublishing kam nicht zu kurz. Es wurde viel diskutiert über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Arten des Publizierens: Verlagsbücher und selbst publizierte Bücher. Seit einigen Jahren nimmt außerdem die Zahl der Hybrid-AutorInnen zu, die sowohl über einen Verlag Bücher herausbringen als auch auf eigene Faust veröffentlichen.

Einen Einblick in die Arbeit der LiteraturagentInnen gab Kristina Langenbuch von der Agentur Weiß & Langenbuch. Sie erläuterte die Vorteile, die eine Zusammenarbeit mit einer Agentur mit sich bringt und warum Agenturen bessere Chancen haben, für die Manuskripte einen passenden Verlag zu finden. Ihr wichtigster Tipp, um seriöse von unseriösen Agenturen zu unterscheiden: Die Agentur bekommt erst dann Geld, wenn das Manuskript an einen Verlag vermittelt wurde, der Vertrag zwischen AutorIn und Verlag unterschrieben ist und der Verlag das erste Geld ausbezahlt. Seriöse Agenturen erhalten bei erfolgreicher Vermittlung des Manuskripts zwischen 15 und 20 % vom Honorar der AutorInnen.

Vom Umgang mit der Leserkritik

Mein besonderes Highlight an diesem Tag war der Vortrag von Thrillerautor Sebastian Fitzek. Nicht nur, dass er ein humorvoller Redner ist – sein Vortrag hatte echten Unterhaltungswert. Aber vor allem erzählte er von seinen Anfängen als Autor und ermutigte die Anwesenden, ihr Ziel konsequent zu verfolgen, auch wenn man Rückschläge einstecken muss. Fitzek erinnerte an Stephen King und Joanne K. Rowling, die anfangs zahlreiche Absagen für Ihre Manuskripte hinnehmen mussten. Und natürlich hatte er Ähnliches erlebt. „Mein erstes Manuskript habe ich an 15 Verlage geschickt, 13 haben abgesagt und zwei haben sich bis heute nicht gemeldet“, so Fitzek. Hat man es geschafft und in den Buchhandlungen steht endlich das erste eigene Buch, so wartet bereits die nächste Herausforderung: die Kritik der LeserInnen. Fitzek erzählte, dass er zu Beginn alle Kritiken gelesen hat, die zu seinen Büchern erschienen. Viele hat er sich zu Herzen genommen und natürlich gab es auch abwertende Kommentare, die schwer einzustecken waren. Er berichtete, wie er im Laufe der Jahre gelernt hat zu unterscheiden zwischen Kritik, die man ernst nehmen sollte, und Kritik, die man besser ignoriert. Kritik ist für Fitzek eine wertvolle Rückmeldung, mit der er sich gern auseinandersetzt – unter zwei Voraussetzungen: Die Kritik ist nicht anonym verfasst und bringt dem Autor Wohlwollen entgegen, auch wenn das Werk kritisiert wird. Aus seinem engagierten Vortrag, in dem Sebastian Fitzek sehr offen über Tiefpunkte und Lernprozesse sprach, bleiben mir vor allem zwei seiner Empfehlungen im Gedächtnis: Von Absagen nicht entmutigen lassen und Kritik nur ernst nehmen, wenn sie mit Klarnamen und Wohlwollen gegenüber der Person geäußert wird.

Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.

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