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Spannung aufbauen im Roman – die 10 besten Tipps für spannende Romane

Die meisten Menschen lesen Bücher, weil sie spannende Geschichten mögen. Doch als Autorin ist es nicht so einfach, in der eigenen Geschichte möglichst viel Spannung aufzubauen. Hier sind meine 10 besten Tipps, wie man in einem Roman Spannung aufbauen und über mehrere hundert Seiten aufrecht halten kann.

1. Ungewöhnliche Idee

Die wichtigste Basis für Spannung ist eine interessante, überraschende und/oder ungewöhnliche Grundidee. Je näher eine Geschichte an der Realität dran ist und je durchschnittlicher die Figuren, die Handlung und/oder der Schauplatz, desto schwieriger wird es, beim Erzählen Spannung aufzubauen.

2. Kausalität

Eine spannende Geschichte braucht einen spannenden Plot. Die beste Voraussetzung für einen spannenden Plot ist Kausalität. Das heißt, alle Ereignisse im Plot müssen kausal zusammenhängen: Das erste Ereignis löst das zweite Ereignis aus, dieses wiederum das dritte Ereignis usw. So gibt es immer einen Grund, warum etwas geschieht. Denn jedes Ereignis ist die Folge des vorhergehenden Ereignisses. Und jedes Ereignis sorgt für ein nachfolgendes. Das erste Ereignis in der Geschichte, das sogenannte auslösende Ereignis, bringt auf diese Weise eine Ereigniskette in Gang, die sich nicht mehr aufhalten lässt.

Hier ist noch mehr zu erfahren über Kausalität im Plot:
 

 
 

3. Spannungsbogen

Doch Kausalität allein reicht nicht. Der Handlungsverlauf muss außerdem dramatisiert werden, um die Spannung immer weiter auszubauen und aufrecht zu erhalten. Für die Dramatisierung einer Geschichte kann man Dramenmodelle nutzen. Die derzeit beliebtesten sind der Dreiakter und die Heldenreise.
Der Dreiakter sorgt dafür, dass die Geschichte immer wieder überraschende Wendungen enthält. Auf diese Weise entwickelt sich die Geschichte immer wieder anders, als von den Leser*innen erwartet.

Mehr über den Dreiakter gibt es hier:
 

 
 
Die Heldenreise bezieht sich vor allem auf die Hauptfigur. Diese wird immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt, die das Geschehen weiter vorantreiben.

Mehr über die Heldenreise gibt es hier:
 

 
 
Die beiden Dramenmodelle schließen sich nicht gegenseitig aus. Um die Spannungskurve einer Geschichte zu beurteilen und zu dramatisieren, arbeite ich abwechselnd mal mit dem Dreiakter und mal mit der Heldenreise.

4. Zielgerichtetes Handeln

Je eindeutiger die Absicht der Figuren und je klarer ihre Motive, desto mehr Spannung lässt sich aus der Handlung herausholen. Berücksichtigt man den Grundsatz der Kausalität, dann wird ein erstes, auslösendes Ereignis in einer Geschichte dafür sorgen, dass die Hauptfigur handeln muss – um nicht getötet zu werden oder um eine Partnerin zu finden oder um einen Krieg zu verhindern. Durch das Handeln der Figur kommt es zu einem nachfolgenden Ereignis, das die Hauptfigur erneut zum Handeln zwingt. Und so weiter.

Jedes zufällig stattfindende Ereignis wirkt sich negativ auf die Spannung aus. Klingelt die Helferin zufällig im richtigen Moment an der Tür, um die Hauptfigur zum Handeln zu überreden – dann sieht es mau aus mit der Spannung. Auch die Tatenlosigkeit der Hauptfigur nimmt Spannung heraus. Eiert die Hauptfigur herum oder stellt sich unter die Dusche, anstatt den Schatz zu suchen – dann bleibt die Spannung auf der Strecke.

Doch man kann einen Moment des Zögerns nutzen, um mehr Spannung herauszuholen – die berühmte Ruhe vor dem Sturm. Die Hauptfigur kann zögern, muss nicht sofort losrennen. Dauert die tatenlose Phase jedoch zu lange, wird es schwer, die Spannung im Anschluss wieder nach oben zu treiben.

5. Konflikt-Konflikt-Konflikt

Natürlich darf man es den Figuren nicht zu einfach machen. Das alte Rezept für spannende Plots gilt noch immer: Konflikt – Konflikt – Konflikt. Das heißt, die Hauptfigur kann ihr Ziel nicht so ohne weiteres erreichen, sie hat mit Problemen zu kämpfen.

“Konflikt” kann bedeuten, dass andere Figuren für Ärger sorgen. Der pampige Verkäufer, der die dringend benötigte Straßenkarte nicht rausrückt. Oder die übermotivierte Ärztin, die partout die lebensnotwendige Impfung erst nach einer gründlichen Untersuchung durchführen will.

“Konflikt” bezieht sich aber auch ganz allgemein auf alles, was schwierig ist: das Auto versagt, die Straßenbahn kommt zu spät, der Flieger bleibt auf der Strecke.

6. Antagonistische Kräfte

Die Konflikte sollte man als Autorin nicht einfach aus dem Hut zaubern. Damit verärgert man die Leser*innen, spätestens nach dem zweiten oder dritten zufälligen Ereignis, das es der Hauptfigur schwer macht, ans Ziel zu kommen. Doch wenn eine fiese Gegenspielerin die Bremsleitung durchschneidet, die Weichen der Straßenbahn verstellt und den Flieger sabotiert – dann schraubt sich die Spannung immer weiter nach oben.

Noch fieser und spannender wird es, wenn die Hauptfigur die Quelle ihrer Probleme nicht so einfach ausfindig machen kann. Hat sich beispielsweise eine Gruppe verschworen, die neue Kollegin rauszuekeln (weil sie jemand anderen wollen), dann wird die Figur es schwer haben. Denn sie hat keine Ahnung, gegen wen sie eigentlich kämpft und was dahinter steckt: die IT-lerin sabotiert die wichtigsten Dateien auf ihrem Rechner, der Kollege kippt Kaffee über ihre Tastatur und ganz kurz vor der wichtigen Präsentation verkeilt der Pförtner die Eingangstür! Je länger die Schwierigkeiten dauern, desto klarer sollte es für die Leser*innen und die Hauptfigur werden, dass die Probleme eben keine Zufälle sind. Doch es wird eine Weile dauern, bis die neue Kollegin die Verschwörung hinter den (scheinbar) freundlichen Mienen wittert und sich wehrt.

7. Zeitdruck

Zeitdruck ist der Klassiker für Thriller und Krimis: Der Serienmörder würde weiter morden, wenn man ihn nicht nicht aufhält. Das entführte Kind leidet an Diabetes und wird sterben, wenn es nicht in den kommenden fünf Stunden Insulin erhält. Doch Zeitdruck funktioniert nicht nur gut für Krimis und Thriller. Man kann es als Spannungselement auch für andere Geschichten einsetzen z.B. für Liebesgeschichten: Das Objekt der Begierde wird in Kürze eine Fernreise antreten und drei Jahre unterwegs sein. Also wird es Zeit, dem heimlich geliebten Menschen einen Grund zu geben, nicht zu fahren – oder in bester Gesellschaft zu verreisen.

8. Geheimnisse und Rätsel

Zu den bewährtesten Spannungselementen gehören Geheimnisse und Rätsel. Die meisten Menschen lieben Rätsel und viele Krimiplots arbeiten damit, dass die Leser*innen genau wie die ermittelnden Hauptfiguren versuchen, anhand der Hinweise zu erraten, wer die Mörderin oder der Mörder ist. Doch auch viele andere Plots schöpfen die Spannung aus Rätseln und Geheimnissen: Wo ist der Schatz vergraben, wer ist der heimliche Geliebte und wie lassen sich die Waffen der Aliens ausschalten?

Die Kunst ist, es den Leser*innen und den eigenen Figuren nicht zu leicht und nicht zu schwer zu machen. Ist es zu leicht, funktioniert es nicht als Spannungselement und die Leser*innen reagieren genervt. Ist es zu schwer, wirkt der Sieg der Hauptfigur zu gewollt und die Leser*innen reagieren verärgert – weil sie keine Chance hatten, das Rätsel selber zu knacken. Am besten funktioniert es, wenn die Hauptfigur richtig knobeln muss und die LeserInnen am Ende denken: Wenn ich mir mehr Mühe gegeben hätte, dann hätte ich draufkommen können.

Eine Spielart von Geheimnissen und Rätseln sind unterschiedliche Wissensstände von Figuren und Leser*innen. Ich als Leserin habe längst mitbekommen, dass der Nachbar weiß, wer gestern um 10 Uhr an der Haustür des Opfers geklingelt hat. Doch der Nachbar weiß nicht, wie wichtig diese Beobachtung ist. Und mir ist klar, wenn die Kommissarin davon erfährt, ist sie dem Mörder einen großen Schritt näher. Doch das wissen weder der Nachbar noch die Kommisarin. Dann warten die Leser*innen Seite um Seite darauf, dass der Nachbar endlich der Kommissarin von seiner Beobachtung erzählt!

9. Erzählrhythmus

Auch die Art des Erzählens trägt viel zur Spannung bei:

  • Zielgerichtete Handlung von Figuren baut Spannung auf: Eine Figur flieht durch eine Einkaufspassage und will Verfolgern entkommen. Nicht zielgerichtete Handlung lässt Ruhe aufkommen: Eine Figur geht spazieren und hängt den Gedanken nach. Das Tempo der Figur verstärkt das Tempo des Erzählens.
  • Beschreibungen ohne Handlung nehmen das Tempo raus: Landschaftsbeschreibungen oder Innenraumschilderungen.
  • Möchte ich eine Landschaft beschreiben, ohne Tempo zu verlieren, schildere ich das zielgerichtete Handeln der Figur in einer Landschaft. Dann steht nicht die Landschaftsschilderung im Vordergrund, sondern die Frage, ob die Landschaft der Figur hilft oder sie daran hindert, ihr Ziel zu erreichen.

 
Diese Gegensätze kann man bewusst einsetzen, um nach einer actionreichen Passage wieder etwas Ruhe aufkommen zu lassen, damit die Spannung im Anschluss umso wirkungsvoller ist. Durch die vorausgehende Ruhe kommt der sich anschließende Sturm umso besser zur Geltung. Auf diese Weise entsteht ein Rhythmus: temporeiche Passagen wechseln sich mit ruhigeren Passagen ab.

Hier ist mehr zu lesen über Spannung, die man durch das Tempo der Handlung aufbaut: Wie das richtige Tempo einen Roman zum Pageturner macht – Teil I.

10. Schreibstil

Auch der Schreibstil trägt wesentlich dazu bei, die Spannung einer Szene zu gestalten. Wortreiche Schilderungen, umfangreiche Dialoge und lange Sätze drosseln das Tempo. Knappe Dialoge, knappe Schilderungen und kurze Sätze erhöhen noch die Spannung. Temporeiche Passagen arbeiten deshalb eher mit kurzen, stakkatoartigen Sätzen und wenig Worten. Langsame, ruhige Passagen enthalten oft wortreiche Beschreibungen und lange, gemächliche Sätze.

Hier ist mehr zu lesen über Spannung, die man durch den Schreibstil aufbaut: Wie das richtige Tempo einen Roman zum Pageturner macht – Teil II.


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Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.

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