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Mit Gefühl bitte!

Romane müssen eine emotionale Reaktion auslösen.

Geschichten müssen die LeserInnen berühren, sonst sind sie das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen.

Ein Buch muss eine emotionale Reaktion auslösen, um erfolgreich zu sein. Denn emotional aufwühlende Bücher bleiben den LeserInnen im Gedächtnis. Über diese Bücher wird noch lange gesprochen, sie werden empfohlen oder in der Luft zerrissen. Grund dafür ist die Art und Weise, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet. Alles, was wir erleben, wird von der Amygdala emotional bewertet. Diese Region unseres Gehirns ist für die Verknüpfung von Ereignissen mit Emotionen zuständig. Sind wir emotional aufgewühlt, so leistet sie Schwerstarbeit. Die Amygdala steht in Verbindung mit dem Hippocampus, der auch als „Wächter der Erinnerung“ bezeichnet wird. Dieser Teil unseres Gehirns ist entscheidend daran beteiligt, dass Erlebnisse aus dem Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis wandern. Je stärker die Amygdala durch ein Erlebnis angeregt wird, desto tiefer brennt sich die Erinnerung in das Langzeitgedächtnis ein. Die Voraussetzung für tief gehende und lang erinnerte Erlebnisse sind also die Emotionen: Je mehr Emotion, desto besser die Erinnerung.

Emotional schreiben

Aber wie schafft es nun ein Buch, eine emotionale Reaktion auszulösen? “Sex and Crime” ist natürlich eine altbekannte Formel, um Emotionen zu wecken. Weitaus effektiver sind jedoch echte Gefühle: Ich rufe beim Schreiben meine eigenen Gefühle ab und lasse sie in die Geschichte einfließen. Lege ich viel Gefühl in den Text hinein, so steigt die Chance, dass diese Gefühle auch bei den LeserInnen ankommen und eine emotionale Reaktion auslösen.
Das gelingt zum Beispiel, wenn ich mich in die beschriebene Situation einfühle und mit meinen Figuren alle Höhen und Tiefen durchlebe. Fällt mir das bei einer Szene schwer, so sind oft eigene Erlebnisse hilfreich: Ich versuche mich an eine Situation zu erinnern, in der ich ähnliche Gefühle erlebt habe, die ich gerade schildern möchte. Ich versetze mich emotional in diese Situation zurück und lasse die alten Gefühle wieder aufleben. Und aus diesen eigenen echten Gefühlen heraus beginne ich nun zu schreiben. Ähnlich machen es SchauspielerInnen: Wenn sie in einer Szene vor der Kamera starke Trauer spielen müssen, so versetzen sie sich in eine Situation, in der sie selber starke Trauer empfunden haben.

Musik hilft

Auch Musik kann beim emotionalen Schreiben sehr hilfreich sein, da sie sehr schnell tiefe Emotionen weckt. Es gibt AutorInnen, die für jedes Gefühl ein bestimmtes Musikstück verwenden. Spielen sie diese Musik ab, so können sie sich sehr schnell in die damit verbundenen Gefühle versetzen, um diese beim Schreiben einer Szene nachzuempfinden.

Je stärker ich beim Schreiben in die Gefühle meiner Geschichte eintauche, je emotionaler ich die Ereignisse schildere, desto stärker wird die emotionale Reaktion der LeserInnen sein.

© Die Schreibtrainerin

Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.
  1. Kim Jasmin Antworten

    Hallo Frau Huesmann!
    Vielen Dank für die Artikel hier, das hilft mir sehr weiter.

    Ich möchte schon lange schreiben – und tue dies auch seit ein paar Wochen auf meinem Blog. Allerdings eher in Richtung “Kolumne”
    Heute Nacht hatte ich jedoch einen Traum, indem ich selbst eine Geshcichte erlebt habe – die für mich so berührend war, dass ich unter Tränen wach wurde und sofort wusste, das wird mein erster Roman. ich muss einen Roman schreiben, der genau diesen Traum behandelt. Intuitiv weiss ich, dass ich meine Protagonistin aus der 1. Person erzählen lassen muss, es ist einfach näher dran.
    Aber ich merke bereits, wenn ich nur einige Sätze schreibe, um den Plot und Szenenideen festzuhalten, dass mich die erste Perspektive extrem emotional berührt. Etwas zu sehr, vielleicht – ich fühle hundertprozentig ihre Gefühle (die der Protagonistin). Vielleicht, weil ich im Traum die Erlebnisse selbst durchlaufen habe. Ich glaube, dass ich durch einen personalen Erzähler etwas mehr Abstand für mich selbst gewinnen kann, habe aber auch Angst, dass dadurch einiges an Emotionalität verloren geht.
    Was kann man tun, um sich emotional etwas abzugrenzen? Haben Sie Tipps und Methoden dazu?

    Tausend Dank für eine Antwort.
    Kim

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Kim,

      ich finde nicht, dass Emotionalität verloren geht, wenn man in der dritten Person erzählt. Erste und dritte Person der personalen Perspektive sind beide ganz nah dran an der Hauptfigur und können beide sehr emotional erzählen. Um als Autorin die Geschichte gestalten zu können, braucht man ein wenig Abstand zur Figur und zur Geschichte. Deshalb würde ich da eher die dritte Person wählen.

      Viel Erfolg!
      Anette Huesmann

  2. Lumina Antworten

    Hallo,
    Ich schreibe seit kurzem an eine Geschichte, in dem Fandom »Kingdom Hearts«.
    Allerdings stirbt da jemand, der meinem OC (Alaxy bzw. Laxy) am wichtigsten ist. Doch ist sie ein Niemand, eine Person ohne ein Herz. Genau so wie der, der gestorben ist.
    Nun ist jetzt die Frage, wie ich es schreiben kann? Kann man es so schreiben, dass ungewollt die Tränen hoch kommen – oder nicht?
    Mit freundlichen Grüßen,
    Lumina

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Liebe Lumina,
      ich denke schon, dass es möglich ist. Wenn die LeserInnen den Tod der Figur aus Sicht des OC erleben, wenn sie seine grenzenlose Trauer zu spüren bekommen und seinen Schmerz … dann werden sie mit ihm mitfühlen, auch wenn ihnen selber der Tod der Figur nicht nahe ging.

  3. Mirjam Braun Antworten

    Hallo,

    ich möchte gerne ein Buch schreiben, bin aber noch Anfängerin. Ich habe ein Thema gefunden, über das ich gerne schreiben möchte, weiß aber nicht, wie ich es am besten anfangen soll. Und zwar hab ich das Thema paranormale Aktivitäten bzw. Geister hervorrufen usw. Jetzt ist die Frage: Denken Sie, die Menschen würden sich dafür interessieren ?

    LG

    Mirjam Braun

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Frau Braun,
      ja, es gibt viele Menschen, die sich für dieses Thema interessieren. Aber das Buch muss gut geschrieben sein, das ist noch wichtiger als ein gutes Thema.
      Liebe Grüße, Anette Huesmann

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