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Textklau wirkungsvoll verhindern

„Wie bekomme ich das Urheberrecht an meinem Buch-Manuskript? Und wie kann ich mich vor Textklau oder Ideenklau schützen?“ – Das sind zwei der häufigsten Fragen, die mir gestellt werden. Ich bin keine Juristin und meine Aussagen sind nicht rechtsverbindlich, aber mein Artikel gibt einen ersten Einblick in die Rechtslage in Deutschland.

Urheberrecht an eigenen Texten

Wer einen Text schreibt – egal ob dieser eine Seite oder 300 Seiten lang ist – hat das Urheberrecht daran. Das heißt, ich muss mir das Urheberrecht an meinem Manuskript nicht erteilen oder schützen lassen. An meinen eigenen Texten habe ich ganz automatisch alle Rechte. Das Urheberrecht kann mir niemand nehmen, ich kann es auch nicht verkaufen oder verschenken. Unterschreibe ich einen Verlagsvertrag, dann gebe ich nur Teile des Urheberrechts ab, wie zum Beispiel das Veröffentlichungsrecht (mehr dazu auf Wikipedia).

Laut deutschem Urheberrecht besteht das Recht am eigenen Werk ein Leben lang und auch darüber hinaus. Bis 70 Jahre nach dem Tod der Urheberin / des Urhebers ist ein Werk weiterhin durch das Urheberrecht geschützt, das von den Rechtsnachfolgern wahrgenommen werden kann.

Der Textklau

Wer einen fremden Text ohne die ausdrückliche Zustimmung der Urheberin /des Urhebers veröffentlicht, macht sich strafbar. Gelegentlich kommt es vor, dass AutorInnen von Blogartikeln ihren Text auf fremden Internetseiten wiederfinden. Hat die Autorin dafür keine Zustimmung gegeben, dann kann sie Schadensersatz verlangen und fordern, dass der Text sofort gelöscht wird. Das gilt auch dann, wenn jemand den Artikel übernommen hat, ohne zu wissen, dass dieses strafbar ist.

So gut wie nie werden ganze Buchmanuskripte ohne Wissen und ohne Zustimmung der AutorInnen veröffentlicht. Bewerbe ich mich mit meinem Manuskript bei einem Verlag oder einer Agentur, dann sende ich ein Exposee und eine Leseprobe, nicht den kompletten Text (mehr dazu in meinem Blogartikel „Ein Buch veröffentlichen“). Fordert beispielsweise eine Agentur das vollständige Manuskript an, so könnte ich im Zweifelsfall nachweisen, dass die Agentur mein Manuskript angefordert hat. Die Wahrscheinlichkeit ist also sehr gering, dass in solchen Fällen mein Buchmanuskript ohne mein Wissen veröffentlicht wird.

Nachweis für den eigenen Text

Möchte ich trotzdem im Falle eines Falles nachweisen können, dass es sich bei einem Manuskript um meinen eigenen Text handelt, dann sollte ich es bei einem Notar hinterlegen oder bei einem Dienstleister wie www.priormart.com. Für 50 bis 150 Euro erhalte ich eine notarielle Beglaubigung, dass ich zum Zeitpunkt der Hinterlegung im Besitz dieses Textes war. Im Zweifelsfall gehen Gerichte davon aus, dass eine Person, die den Text zuerst besaß, das Urheberrecht daran hat. Eine notarielle Beglaubigung gilt vor deutschen Gerichten als Beweis und ist auch international anerkannt.

Manchmal ist zu lesen, dass es auch eine einfachere Möglichkeit gibt: Ich schicke mein Manuskript als Einschreiben an mich selber und bewahre den ungeöffneten (!) Brief auf. Im Zweifelsfall kann vielleicht der Poststempel beweisen, dass ich zu dem Zeitpunkt das Manuskript schon hatte. Doch bei dieser Methode ist das Risiko hoch, dass der ungeöffnete Umschlag vor Gericht nicht als Beweis akzeptiert wird.

Der Ideenklau

Schwieriger ist es mit dem Urheberrecht von Ideen. Auch an einer Idee habe ich automatisch das Urheberrecht – wenn sie eine gewisse Schöpfungshöhe erreicht hat. Der Begriff „Schöpfungshöhe“ ist Teil des deutschen Urheberrechts und bedeutet, dass meine Idee konkret und individuell genug ist, dass ich wirklich etwas Neues geschaffen habe. Und natürlich lässt sich vor Gericht darüber streiten, wann diese Schöpfungshöhe erreicht ist (mehr dazu bei Wikipedia).

Auch bekannte AutorInnen werden manchmal mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert, das heißt, sie sollen Ideen anderer übernommen haben. Beispielsweise soll es für die Harry-Potter-Reihe von Joanne K. Rowling ein Vorbild gegeben haben. Die Trilogie von Suzanne Collins „Die Tribute von Panem“ wiederum soll viele Ähnlichkeiten mit einem japanischem Roman aufweisen.

Im Einzelfall ist der Nachweis, dass eine Idee geklaut wurde, sehr schwierig. Landet ein solcher Fall vor Gericht, sind die Prozesse meist langwierig.

Der Figurenklau

Nicht nur an meinen Texten, auch an meinem Plot und an meinen Figuren habe ich das Urheberrecht. Andere Menschen dürfen also meine Romane nicht weiterschreiben oder sich für meine Figuren neue Geschichten ausdenken. Einzige Ausnahme: Die Autorin oder der Autor ist schon länger als 70 Jahre tot.
Das gilt auch für die sogenannte „Fan-Fiction“, also Texte, die bekannte Geschichten weitererzählen (auf Wikipedia mehr dazu).

Fan-Fiction ist nur dann zulässig, wenn die UrheberInnen zustimmen. Manche AutorInnen wie Joanne K. Rowling freuen sich über Fan-Ficition und neue Geschichten über Harry Potter lässt sie zu, wenn die AutorInnen keine wirtschaftlichen Interessen verfolgen. Andere wiederum wie Anne McCaffrey wollen Fan-Fiction auf keinen Fall und neue Geschichten, in denen ihre Figuren auftreten, sind somit nicht zulässig.

Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.
  1. Friederike

    Dass Fanfiction in Deutschland rechtlich statthaft ist, wenn keine kommerziellen Interessen verfolgt werden, wäre mir neu. Im US-amerikanischen Rechtsraum gibt es mit „fair use“ eine Regel, unter die es fallen könnte.

    Fanfiction wird gerne geduldet und bleibt ohne Sanktionen, weil es die Bindung des besonders begeisterten Publikums an seine Serie (Buch, TV, wasauchimmer) stärkt. Und solange eben niemand das offiziell publiziert im Rahmen von Büchern (BoD, Verlag) o.ä.

    Übrigens hat die Fanfiction-Autorin Melissa Good in den 1990ern sogar in der letzten Staffel Drehbücher für „Xena : Warrior Princess“ geschrieben, weil ihr FFs populär und womöglich auch gut waren (die Serie selbst war ja durchaus qualitativ ambivalent, gerade in den ersten Staffeln) und es gibt Verlage der Produktionsfirmen (oder mit deren Einverstöndnis, so genau bin ich da jetzt nicht informiert), die guten FF-Autor.inn.en Buchverträge anbieten.

    Beim Figurenklau sind sogenannte „Uber“-Fanfictions nochmal besonders spannend, denn da werden die Personen in eine andere Zeit, Umgebung und mit anderen Namen beschrieben und tragen oft nur noch rudimentär Wesenszüge ihrer Ursprungs-Charaktere. Oder (wie in X:WP bei der dortigen Uber-Folge in der TV-Serie) tauschen ihre Charaktereigenschaften oder verkehren sie ins Gegenteil.

    Hach, darüber könnte ein eigener Blogartikel entstehen…. ;-) Danke für diesen hier. Fanfictions bleiben geduldete Grauzone, jedenfalls in Deutschland und imho.

  2. Die Schreibtrainerin

    Liebe Friederike,
    vielen Dank für diese Anmerkung und die ausführliche Darstellung, das macht die Sache noch klarer. Denn genau das will ich mit meinem Artikel sagen: Fan-Fiction ist nicht zulässig – es sei denn, die RechteinhaberInnen (also die AutorInnen) lassen es zu. Das ist auch keine Grauzone, sondern rechtlich eindeutig: Wenn die Autorin etwas nicht will, kann sie dagegen vorgehen. Eine Veröffentlichung als Buch (egal ob BoD oder ein anderer Verlag) fällt unter „kommerzielle Interessen“, ist also nicht zulässig.

    Und danke auch für die Hinweise zur Fan-Fiction, das ist echt spannend :-)

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