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Ideen finden für Bücher

So findet man Ideen fürs Bücher schreiben

Mein Unterbewusstsein ist die beste Ideen-Findungsmaschine der Welt! (Foto: ©fotomek / fotolia.de)

Bei der Vorbereitung für ein Schreibseminar, das ich neulich an der Uni Mannheim geleitet habe, beschäftigte mich mal wieder die Frage: Wie kommt man eigentlich auf neue Ideen? Denn Bücher, Artikel und wissenschaftliche Hausarbeiten haben eines gemeinsam: Ohne eine gute Idee brauche ich gar nicht erst anzufangen.
Bleibt der zündende Einfall mal aus, so gibt es eine Menge Kreativitätstechniken, die uns auf die Sprünge helfen können. Gute Erfahrungen habe ich mit dem Perspektivenwechsel gemacht, nicht nur als Autorin, sondern auch als Journalistin.

Der Perspektivenwechsel

Denn JournalistInnen sind pausenlos auf der Suche nach neuen Ideen. Beispiel Bundestagswahl: Wochenlang berichten unzählige Medien darüber. Tageszeitungen, Wochenzeitungen, Radiosender und Fernsehstationen bringen Interviews, Hintergrundartikel, Kommentare und vieles mehr. Natürlich wird von den Medien erwartet, dass sie sich nicht endlos wiederholen. Also was tun, wenn eine Journalistin den Auftrag hat, ebenfalls „was zur Wahl“ zu machen? Sie kann es mit einem Perspektivenwechsel versuchen. Das heißt, sie betrachtet das Thema aus einer anderen Perspektive, damit eine neue Facette in ihr Blickfeld rückt.

Sie befragt zum Beispiel eine Politikwissenschaftlerin und beleuchtet die Wahl aus wissenschaftlicher Sicht. Als nächstes kommt vielleicht ein Elektromeister zu Wort, der bestimmte Erwartungen mit der Wahl verbindet. Auch junge Erwachsene haben was zu sagen, die zum ersten Mal wählen gehen. Doch es gibt noch mehr Möglichkeiten, eine Sache aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Zum Beispiel der historische Kontext: Die Wahlen heute im Vergleich zur ersten Wahl nach der Wende oder zur Wahl vor genau einem Jahrhundert. Oder die Wahl aus der Vogelperspektive: Welches Wahlsystem haben eigentlich andere europäische Länder? Oder die Ameisenperspektive: In welchem Wahlkreis gab es bei der letzten Wahl die geringste Wahlbeteiligung? Und warum eigentlich?

Neuen Blickwinkel finden

Bleibt die Frage: Wie schaffe ich einen Perspektivenwechsel? Auch dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Beispiel Wissenschaft: Unzählige Arbeiten sind bereits über das erzählerische Werk von Thomas Mann entstanden – Diplomarbeiten, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten und Hausarbeiten. Wahrscheinlich gibt es kaum etwas, das in seinen Werken noch nicht untersucht wurde. Wie findet eine Germanistikstudentin gute Ideen für ein neues Thema? Sie kann natürlich zunächst den üblichen Weg gehen: Die Betreuerin fragen, Literatur sichten, im Seminar darüber diskutieren. Wenn sie dann immer noch keine zündende Idee hat, könnte sie es mit einem Perspektivenwechsel versuchen – und zwar ganz konkret: Sie schreibt den Namen von Thomas Mann auf einen Zettel, legt das Papier auf den Boden und stellt sich vor, dass dort Thomas Mann steht. Dann nähert sie sich diesem Zettel auf unterschiedliche Weise und fragt sich, was Thomas Mann sagen würde. Zum Beispiel, wenn sie seitlich an ihn heran tritt. Was würde er ihr über seine Schulter zuflüstern? Wie er zu seinen Themen kommt? Was er denkt, wenn er nachts wach liegt? Was ihm durch den Kopf geht, wenn er sich morgens die Zähne putzt? Was raunt er ihr zu, wenn sie sich auf einen Stuhl stellt und ihn von oben betrachtet? Oder wenn sie sich auf den Boden legt mit Blick auf seine blank polierten braunen Kalbslederschuhe?

Neue Ideen für Bücher

Bei manchen Menschen entsteht auf diese Weise was ganz Neues und Spannendes. Für andere wiederum funktioniert das nicht, weil sie das mit dem Zettel und dem Drumherumlaufen für ausgemachten Blödsinn halten. Das ist auch in Ordnung. Denn jeder Mensch hat seine ganz eigene Art, die Kreativität in Schwung zu bringen.

Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten, die Perspektive zu wechseln. Beispiel Bücher schreiben: Geht es mit der Ideen-Findung für einen neuen Roman nicht so recht voran, dann ist auch hier der Perspektivenwechsel einen Versuch wert. Zum Beispiel für mich als Krimiautorin. Um die Perspektive zu wechseln, schlüpfe ich in ganz neue Rollen: Ein Mord aus Sicht der Mörderin – ein Mord aus Sicht des Opfers – ein Mord aus Sicht des Kommissars – ein Mord aus Sicht der Katze. Doch das ist alles schon da gewesen. Okay, versuche ich es eben mit einer ganz anderen Perspektive – diesmal nicht durch einen Wechsel der Rollen, sondern durch einen Wechsel dessen, was ich in Augenschein nehme. Nicht der Mord steht im Mittelpunkt des Krimis, sondern das Motiv. Oder das Tatwerkzeug. Oder der Schauplatz. Was wäre, wenn der gesamte Krimi nur an einem einzigen Schauplatz spielen würde? Dort findet der Mord statt, dort werden die Ermittlungen eingeleitet und auch der Mörder hält sich dort auf. In einem Flugzeug zum Beispiel auf einem Langstreckenflug. Mh, erinnert ein bisschen an den „Mord im Orient-Express“ von Agatha Christie. Aber was wäre, wenn dieser Mord in aller Öffentlichkeit stattfindet, am hellichten Tag, und das Opfer sitzt zwischen vielen anderen mitten in einer voll besetzten Maschine?

Kreativität als Ressource

Die wichtigste Botschaft, die ich den TeilnehmerInnen meiner Kurse mitgebe: Finde deinen eigenen Weg! Finde heraus, was für dich am besten funktioniert. Nimm dir die Zeit auszuprobieren, wie du deine Kreativität am besten zum Sprudeln bringst – dann wird sie ein Leben lang eine wertvolle Quelle für neue Ideen sein. Forscher haben herausgefunden, dass Kreativität eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, um als UnternehmerIn erfolgreich zu sein. Das gilt natürlich für alle Berufe – egal, ob man sein Geld in einer Bank verdient und interessante Grafiken braucht, ob man neuen Blumenschmuck für Hochzeitstafeln entwickeln will oder ob man Bücher schreibt.

Ach ja, was haben denn nun braune Kalbslederschuhe mit einer Hausarbeit zum Werk Thomas Manns zu tun? Hat eigentlich schon jemand was darüber geschrieben, welche Rolle die Landwirtschaft in Thomas Manns Romanen spielt? ;-)


Mehr davon? Die Lektorin Julia Dombrowski hat einen Gastbeitrag für meinen Blog geschrieben – den gibt es gleich hier zu lesen: „Kreativitätstechniken„.

Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.
  1. Jan Schillinger Antworten

    Hallo Frau Dr. Huesmann,
    ich wollte nachfragen, in wie weit es für sie in Ordnung gehen würde,
    dass ich zu meiner Firmenbezeichnung ihre Bild mit dem Männchen,
    welches das Puzzle unterm Teppich findet, verwenden darf.

    Ich bedanke mich für eine kurze Rückmeldung
    recht herzlich im Voraus

    MfG
    Jan Schillinger
    JS Consulting

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Herr Schillinger,

      das Bild gehört mir nicht, deshalb ist das nicht möglich. Aber ich habe für meine Internetseite die Nutzungsrechte für das Foto bei Fotolia erworben und Sie könnte das ebenfalls tun. Der Name des Urhebers steht ja unter dem Foto, ihn und seine Bilder können Sie auf fotolia.de finden und dort das Recht zur Veröffentlichung auf Ihrer Website erwerben.

      Viel Erfolg
      Anette Huesmann

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