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Kreatives Schreiben: Die wichtigsten Begriffe schnell erklärt

Was versteht man eigentlich unter Prequel? Und was ist eine erlebte Rede? In Autorenforen und Schreibratgebern begegnet man einigen Begriffen des Kreativen Schreibens, die nicht auf Anhieb verständlich sind. Ich habe sie gesammelt und hier in aller Kürze erklärt. Fehlt noch was? Ich freue mich über Anregungen – am besten gleich hier auf der Seite als Kommentar.

Antagonist*in
Auch: Anta
Die (böse) Gegenspieler*in der Hauptfigur, oft auch Bösewicht genannt.

Anti-Held*in
Hauptfigur oder Nebenfigur einer Geschichte, die im Gegensatz zur Held*in erfolglos bleibt oder den Kampf gar nicht erst aufnimmt oder kaum für einen Kampf geeignet zu sein scheint.

Auktoriale Erzählperspektive

Eine Geschichte wird geschildert aus der Sicht einer allwissenden Erzähler*in, die in der Handlung selber nicht vorkommt. Die allwissende Erzähler*in kennt die Innensicht aller Figuren und kann diese beschreiben, sie kennt zugleich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Oft hat die Erzähler*in eine innere Haltung zum Geschehen, wertet und kommentiert die Handlung oder die Figuren. Im Gegensatz zur personalen Erzählperspektive wirkt das Geschehen weniger unmittelbar erlebt, die auktoriale Erzähler*in lässt eine innere Distanz zu den Figuren und zur Handlung spüren. Ein bekanntes Beispiel für eine auktoriale Erzählperspektive ist “Das Parfum” von Patrick Süskind.

Bewusstseinsstrom

Auch: Gedankenstrom, stream of consciousness
Erzähltechnik, bei der scheinbar ungeordnet das Bewusstsein, die Gedanken oder Überlegungen von einer oder mehreren Figuren wiedergegeben wird. Beispielsweise “Die Wellen” von Virginia Woolf oder “Ulysses” von James Joyce. Anders dagegen das Show don’t tell.

Dialog

Eine Figur spricht mit einer anderen Figur.

Beispiel
„Was ist mit den Bremsen?“, fragte er entsetzt.
„Nichts“, erwiderte sie ruhig. „Alles in Ordnung.“

Direkte Rede

Die Äußerungen einer Figur, die mit Anführungszeichen gekennzeichnet sind und den unmittelbaren Wortlaut einer Äußerung wiedergeben (sollen).

Beispiel
„Was ist mit den Bremsen?“, fragte er entsetzt.

Spricht die Figur mit einer anderen Figur, so handelt es sich um einen Dialog. Spricht die Figur mit sich selber, so handelt es sich um einen Monolog.

Dreiakter

Dramenmodell, mit dem der Handlungsstrang einer Geschichte dramatisiert werden kann. Geht in seiner ursprünglichen Form auf Aristoteles zurück, der den Aufbau guter Geschichten in seinem Buch „Poetik“ beschreibt (etwa 4. Jahrhundert v. Chr.). Demnach bestehen diese aus Anfang (1. Akt), Mitte (2. Akt) und Schluss (3. Akt). In der Mitte des zweiten Aktes und damit in der Mitte der Geschichte sorgt eine überraschende Wende dafür, dass sich die Geschichte anders entwickelt als erwartet. Hier ist mehr nachzulesen über den Dreiakter.

Erlebte Rede

Gibt die Innensicht einer Figur wieder. Die Sätze sind nicht auf Anhieb als Gedanken einer Figur zu erkennen, da ein „dachte sie“ oder Ähnliches fehlt. Steht als Stilmittel zwischen direkter Rede und indirekter Rede.

Beispiel
Er rief entsetzt: „Was ist mit den Bremsen nicht in Ordnung?“ (Direkte Rede)
Was war mit den Bremsen nicht in Ordnung? (Erlebte Rede)
Er fragte entsetzt, was mit den Bremsen nicht in Ordnung sei. (Indirekte Rede)

Erweiterer Dreiakter

Dramenmodell, mit dem der Handlungsstrang einer Geschichte dramatisiert werden kann. Der erweiterte Dreiakter wird dem Drehbuchautor und Dozent Syd Field zugeschrieben. Dabei ist der ursprüngliche Dreiakter um mehrere Wendepunkte erweitert, englisch auch Plot Points genannt. Am Ende des ersten Aktes sorgt eine überraschende Wende (Plot Point I) dafür, dass sich die Geschichte anders entwickelt als erwartet. Auch am Ende des zweiten Aktes sorgt eine überraschende Wende (Plot Point II) dafür, dass sich die Geschichte anders entwickelt als erwartet. In der Mitte des zweiten Aktes und damit in der Mitte der Geschichte bringt der zentrale Punkt (Midpoint) eine weitere Wende, die meist keine Wende der Handlung ist, sondern die Veränderung der Figur einleitet. Hier ist mehr nachzulesen über den Dreiakter.

Erzählperspektive
Die Sicht, aus der eine Geschichte erzählt wird. Bei belletristischen Werken meist entweder die auktoriale Perspektive oder die personale Perspektive. In Schreibratgebern wird üblicherweise empfohlen, entweder auktorial oder personal zu erzählen. Ein Wechsel zwischen auktorialer und personaler Erzählperspektive innerhalb eines Romans ist schwieriger in den Griff zu bekommen und kann je nach Standpunkt als handwerklicher Fehler gewertet werden.

Hauptfigur

Die Figur, die im Mittelpunkt steht und deren Geschichte vorrangig erzählt wird.

Held*in

Hauptfigur einer Geschichte, die für sich und/oder andere kämpft und versucht, Schlimmes abzuwenden.

Heldenreise
Auch: Monomythos, Quest
Dramenmodell, mit dem der Handlungsstrang einer Geschichte dramatisiert werden kann. Wurde im 20. Jahrhundert entwickelt nach dem Vorbild jahrhundertealter internationaler Märchen, Sagen und Dichtungen. Hier ist mehr nachzulesen über die Heldenreise.

Ich-Erzählung

Eine Geschichte wird aus der Sicht einer Ich-Erzähler*in geschildert. Die Ich-Erzählung wird meist als eine Form der personalen Erzählperspektive gesehen.

Indirekte Rede

Die Kommunikation zwischen zwei Figuren wird nicht als direkte Rede wiedergegeben, sondern indirekt, üblicherweise im Konjunktiv.

Beispiel
Er fragte sie entsetzt, was mit den Bremsen los sei.
Sie erklärte ihm ganz entspannt, dass die Bremsen in Ordnung seien.

Monolog

Eine Figur spricht mit sich selber. Das kann in direkter Rede (Monolog) oder indirekter Rede (innerer Monolog) wiedergegeben werden.

Beispiel
Obwohl ich wusste, dass mich niemand hören konnte, rief ich entsetzt: „Was ist verdammt nochmal mit den Bremsen los?“ (Monolog)
Ich hielt entsetzt inne und nur eine Frage beschäftige mich. Was ist mit den Bremsen los? (Innerer Monolog)

Im Monolog sind die Grenzen zwischen innerem Monolog und erlebter Rede nicht immer klar. Wird jedoch mit auktorialer Erzählperspektive im Präteritum erzählt, ist der Wechsel zwischen innerem Monolog und erlebter Rede am Wechsel des Personalpronomens und der Zeitstufe zu erkennen.

Beispiel
Entsetzt bemerkte Henry, dass die Bremsen nicht mehr reagierten. Bilde ich mir das nur ein? (Innerer Monolog)
Entsetzt bemerkte Henry, dass die Bremsen nicht mehr reagierten. Bildete er sich das nur ein? (Erlebte Rede)

Nebenfigur

Eine Figur, die nicht im Mittelpunkt der Geschichte steht.

Personale Erzählperspektive

Eine Geschichte wird aus der Sicht einer Figur (Perspektivfigur) geschildert, die ein Teil der Geschichte ist. Die Perspektivfigur kennt nur ihre eigene Innensicht und kann nur schildern, was sie selber erlebt. Sie kennt ihre eigene Gegenwart und die Vergangenheit, weiß aber nichts über die Zukunft. Im Gegensatz zur auktorialen Erzählperspektive wirkt die Handlung unmittelbarer, da die Perspektivfigur Teil der Handlung ist und keine innere Distanz zum Geschehen hat.

Meist wird zwischen personaler Erzählperspektive der 3. Person und der 1. Person unterschieden.

Beispiel
Ich wusste genau, was er vorhatte. (personale Erzählperspektive, 1. Person)
Sie wusste genau, was er vorhatte. (personale Erzählperspektive, 3. Person)

Gelegentlich wird die personale Erzählperspektive der 1. Person (die Ich-Erzählung) als eigenständige Erzählperspektive gesehen.

Bei einer personalen Erzählperspektive der 1. Person ist es nicht üblich, dass die Perspektivfigur wechselt. Meist wird die Geschichte durchgängig aus der Sicht einer Figur als Ich-Erzähler*in geschildert.

Bei einer personalen Erzählperspektive der 3. Person kann sich die Perspektivfigur ändern: Beispielsweise wird das erste Kapitel aus der Sicht der einen Figur geschildert, im zweiten Kapitel übernimmt eine andere Figur das Erzählen und das dritte Kapitel kehrt wieder zurück zur Perspektivfigur des ersten Kapitels.

Die personale Erzählperspektive der 3. Person und die auktoriale Erzählperspektive unterscheiden sich zum einen in der Distanz zum Geschilderten. Bei der personalen Erzählperspektive der 3. Person wird aus Sicht einer Figur erzählt, die unmittelbar am Geschehen beteiligt ist und keine innere Distanz zur Handlung hat. Eine auktoriale Erzähler*in ist nicht Teil des Geschehens und hat eine größere Distanz zur Handlung. Über diesen mal mehr oder weniger spürbaren Unterschied hinaus kann die auktoriale Erzähler*in berichten, was in der Zukunft geschehen wird. Außerdem kennt sie die Innensicht aller Figuren.

Perspektivfigur

Bei der personalen Erzählperspektive die Figur, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird.

Plot
Der Handlungsverlauf (auch: Handlungsstrang) einer Geschichte.

Plot Point

Auch: Twist
Wendepunkt, der für die Handlung eine überraschende Wende bringt. Der Begriff “Plot Point” soll auf den Drehbuchautoren und Dozenten Syd Field zurückgehen, der den Dreiakter zum erweiterten Dreiakter weiterentwickelt hat.

Prequel

Auch: Vorgänger, Vorläufer, Vorgeschichte
Erzählt die Vorgeschichte eines bereits publizierten Romans, oft ebenfalls in Romanform. Ein Prequel erscheint zwar später als der zuerst veröffentlichte Roman, erzählt aber von der Zeit davor. Gegenstück zum Sequel.

Prolepse
Auch: Antizipation, Flash-forward, Vorausblende
Innerhalb einer Erzählung wird etwas geschildert, das erst später stattfindet und vom Standpunkt der aktuellen Handlung aus in der Zukunft liegt.

Protagonist*in
Auch: Prota
Die Hauptfigur einer Geschichte.

Rückblende
Auch: Analepse, Flashback
Innerhalb einer Erzählung wird etwas geschildert, das vor der aktuellen Handlung stattgefunden hat. Kann als Teil einer Szene mit wenigen Sätzen erzählt werden oder als Nebenhandlungsstrang im Wechsel mit der Haupthandlung. Im Gegensatz dazu ist das Prequel eine eigenständige Veröffentlichung. Die Rückblende gilt als eine Form des anachronischen Erzählens.

Save the cat
Oft gibt es zu Beginn einer Geschichte einen Moment, in dem die Held*in etwas sehr Sympathisches tut und dadurch die Herzen der Leser*innen erobert. Die Bezeichnung dieses Moments als „Save the cat“ wird dem Drehbuchautoren und Dozenten Blake Snyder zugeschrieben, dessen Ratgeber zum Drehbuchschreiben diesen Titel trägt: Save the Cat! – The Last Book on Screenwriting You’ll Ever Need (2005). Der Begriff soll durch den Film „Alien“ inspiriert worden sein, in dem die Hauptfigur Ellen Ripley eine Katze namens Jones rettet.

Schauplatz
Schauplatz im engeren Sinn bezeichnet den Ort, an dem eine Szene stattfindet. Im weiteren Sinn kann auch die Welt der Figuren gemeint sein, in der die gesamte Geschichte spielt.

Sequel

Auch: Fortsetzung
Führt die Handlung eines bereits publizierten Romans fort, oft ebenfalls in Romanform. Gegenstück zum Prequel.

Show don’t tell

Auch: Szenisches Erzählen
Erzähltechnik, mit der eine Geschichte lebendig und anschaulich erzählt wird. Zahlreiche Details machen es den Leser*innen möglich, sich das Geschilderte plastisch vorzustellen. Anders dagegen der Bewusstseinsstrom.

Sidekick
Nebenfigur, die der Hauptfigur als Gesprächspartner*in dient und oft im Kontrast zu ihr steht, weil schwächer, komischer oder ernsthafter als die Hauptfigur. Beispielsweise Don Quixote und Sancho Pansa oder Miss Marple und Mr. Stringer (nur in den Verfilmungen).

Spin-off
Auch: Ableger
Ein ausgegliederter Teil eines Romans oder einer Reihe. Meist wird dabei eine Nebenfigur einer Reihe zur Hauptfigur eines Romans oder einer neuen Reihe.

Twist
Bringt eine überraschende Wende für die Geschichte. Von Drehbuchautor und Dozent Syd Field bei der Weiterentwicklung des Dreiakters zum erweiterten Dreiakter auch Plot Point genannt.


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Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.
  1. Seifert Marlit Antworten

    Liebe Anette,
    vielen Dank, sehr interessant, aufschlussreich und komprimiert.

    Viele Grüße von der Mosel
    Marlit

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