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Ein Buch schreiben: So fängt man an

Will man ein Buch schreiben, so findet man schnell eine erste Idee. Doch was passiert dann? Wie geht es weiter?

(Teil 2 von 3)

Ein Buch schreiben - so findet man den Anfang

Möchte man ein Buch schreiben, braucht man natürlich zuerst eine richtig gute Idee. Ideen findet man überall: in Gesprächen, in Zeitungsberichten, an beeindruckenden Orten, durch Gegenstände, über Personen – und, und, und. Natürlich entstehen Ideen auch beim klassischen Brainstorming oder mit Kreativitätstechniken. Hat man gleich mehrere gute Ideen, umso besser. Zu Beginn arbeitet man am besten mit der einfachsten Idee weiter, die etwas komplizierteren notiert man sich für später.

Wann ist eine Idee für ein Buch wirklich gut?
Meist ist man sich nicht gleich sicher, ob es wirklich eine gute Idee ist. Will man ein Buch schreiben, sammelt man zu Beginn am besten ganz unkritisch. Dann, mit ein bisschen Abstand, sollte man die Ideen sortieren: die blöden Ideen schmeißt man raus und mit den guten Ideen arbeitet man weiter. Blöde Ideen – das sind Geschichten, die einen selber nicht interessieren. Gute Ideen – das sind Geschichten, die mich nicht mehr loslassen. Über die ich immer wieder nachdenke, die über Wochen mein Interesse wachhalten. Mit den guten Ideen sollte man dann ein wenig jonglieren: Wie würde die Geschichte aussehen? Was ist der Kern der Geschichte? Wer ist die Hauptfigur? Was passiert am Anfang und wie geht es dann weiter?

Dann sollte man weiter aussortieren: Was nicht wirklich nach einer spannenden Geschichte klingt, notiert man sich, vielleicht kann man es später noch gebrauchen. Mit den anderen Ideen jongliere ich weiter – solange, bis am Ende eine richtig gute Idee übrigbleibt. Richtig gut heißt: Die Idee fasziniert mich, sie nimmt immer mehr Gestalt an und ich habe eine Menge Einfälle, wie eine spannende Geschichte daraus entsteht.

Doch das reicht noch nicht aus, schließlich will man ein gutes Buch schreiben. Zuvor braucht es noch ein paar weitere Entwicklungsschritte. Auch da sollte man möglichst spielerisch vorgehen: Verschiedene Entwicklungen „ausprobieren“, so wie man beim Einkaufen verschiedene Jacken anprobiert oder sich verschiedene Smartphones ansieht. Am Anfang kann man wild rumprobieren, sich die verrücktesten Dinge ausdenken. In dieser Phase sollte man sammeln, sammeln, sammeln – rund um die Geschichte. Die menschliche Kreativität ist sehr sprunghaft und in diesem Stadium ist das auch kein Problem. Am besten sammelt man alles, was einem nützlich erscheint. Dabei sollte man sich unbedingt Notizen machen, denn selbst wenn man das Gefühl hat, das ist die beste Idee, die man je hatte – zwei Tage später kann man sich schon nicht mehr daran erinnern.

Wann ist der richtige Moment für mehr Struktur?
Auf diese Weise kann man die verschiedensten Möglichkeiten ausprobieren, wie die Geschichte laufen könnte. Auch hier ist der beste Wegweiser das eigene Gefühl: Wie gut gefällt mir selber die Geschichte? Will man ein Buch schreiben, braucht man am Ende ein bis zwei Jahre dafür. Man bleibt nur dran, wenn man selber von der eigenen Geschichte überzeugt ist und sich immer wieder dafür begeistern kann.

Irgendwann verliert man vor lauter Ideen die Orientierung und kriegt den Kern der Geschichte kaum noch zu fassen. Spätestens dann ist der richtige Moment gekommen, ein bisschen Ordnung zu schaffen. Man sollte in das Sammelsurium Struktur reinbringen und überprüfen, wie gut die Überlegungen bisher waren. Manche werden sich fragen: Muss ich das unbedingt vorher machen, bevor ich anfange mit meinem Projekt „Buch schreiben“? Nein, muss man nicht: Mehr dazu habe ich in meinem Blogbeitrag „Plotten oder nicht Plotten“ geschrieben. Aber man spart sich eine Menge Arbeit, wenn man schon früh Struktur reinbringt.

Das heißt konkret: Ich überlege mir für meine Geschichte eine Zusammenfassung in einem Satz. Diese Zusammenfassung sollte den Kern der Geschichte enthalten, das, worauf es mir wirklich ankommt. Dann überlege ich mir drei weitere Sätze: Einen Satz zum Anfang der Geschichte, einen Satz zum Höhepunkt und einen Satz zum Ende der Geschichte. Dann habe ich vier Planungssätze für mein Projekt „Buch schreiben“. Im nächsten Schritt sorge ich dafür, dass mein geplantes Buch einen guten Spannungsbogen hat und interessante Figuren darin vorkommen. Wie man die vier Planungssätze entwickelt, einen guten Spannungsbogen hinkriegt und was interessante Figuren ausmacht – das kann man nachlesen in meinem Blogbeitrag „Ein Buch schreiben – die 10 besten Tipps“.

Ein Buch schreiben mit dem Dreiakter

Die Grundstruktur für Geschichten ist der Dreiakter: Anfang – Mitte – Schluss. Der Dreiakters hilft, schon früh Struktur in die Ereignisse zu bringen.



Ein Buch schreiben – endlich kann es losgehen
Im nächsten Schritt sollte man die Planungssätze weiterentwickeln zu einem spannenden Plot. Das funktioniert ganz gut mit der Schneeflockenmethode (hier nachzulesen: das ist die Schneeflockenmethode): Bevor ich anfange das Buch zu schreiben, entwickle ich die drei Planungssätze weiter und arbeite sie immer detaillierter aus. Am Ende habe ich eine Liste mit dem chronologischen Ablauf der Ereignisse in meiner Geschichte. Außerdem lege ich für jede Hauptfigur ein Figurenblatt an: Darauf notiere ich mir alles Wichtige zu meiner Figur wie Alter, Größe, Haarfarbe, herausragende Eigenschaften, sehnlichster Wunsch und noch vieles mehr.

Der Plot: Die Glut des Bösen von Anette Huesmann

Meinen Krimi „Die Glut des Bösen“, der 2012 im Aufbau Verlag erschien, habe ich vorher durchgeplottet – hier einen Ausschnitt der Tabelle mit allen Szenen, die ich nach der Schneeflocken-Methode vorher entwickelt hatte.



Am Ende hat man eine richtig gute Idee, vier Planungssätze, einen spannenden Plot (festgehalten in meiner chronologischen Liste mit den Ereignissen) und interessante Figuren (festgehalten auf den Figurenblättern). Dann ist es fast geschafft und ich kann anfangen, mit dem Buch Schreiben. Doch zuvor sollte man sich viele Gedanken machen über den richtigen Einstieg: Wo fange ich an zu erzählen?

Den richtigen Einstieg für das Buch finden
Ein guter Anfang für ein Buch ist der Moment, in dem für meine Hauptfigur das größte Abenteuer ihres Lebens beginnt. Denn ich brauche einen „emotionalen Angelhaken“, mit dem ich die LeserInnen in mein Buch reinziehe. Ein emotionaler Angelhaken ist beispielsweise eine Situation, die für meine Hauptfigur schwierig ist oder in der sie eine wichtige Entscheidung treffen muss oder in der sich etwas Wichtiges ereignet. Also eine Situation, die Emotionen weckt – zunächst bei der Hauptfigur und dann natürlich auch bei den LeserInnen. Es lohnt sich, lange darüber nachzudenken und eine sehr bewusste Entscheidung zu treffen. Denn ist der Einstieg für mein Buch nicht gut gewählt, dann kann die Geschichte noch so gut sein – viele LeserInnen werden schon auf den ersten Seiten austeigen und das Buch wieder zur Seite legen.

Habe ich die richtige Szene für den Einstieg in mein Buch gefunden, dann kann es losgehen mit dem Schreiben. Dann schildere ich gleich zu Beginn meines Buchs den Moment, in dem für meine Hauptfigur die schwierigste Phase ihres Lebens beginnt.


Ein Buch schreiben

1. Teil: Wie schreibt man ein Buch – die 10 wichtigsten Tipps
2. Teil: Ein Buch schreiben – so fängt man an
3. Teil: Ein Buch veröffentlichen – so findet man einen Verlag

Sie möchten mehr davon? In meinen Schreibkursen zeige ich, wie man spannende Bücher schreibt – egal ob Liebesgeschichte oder Krimi, Chick-Lit oder Kinderbuch. Hier gibt es eine Übersicht über meine Schreibkurse: Der Basiskurs „Romane schreiben“ und die Vertiefungskurse „Intensivkurs Plotten“ und „Intensivkurs Figuren“. In der Romanwerkstatt geht es dann ganz konkret um Romanprojekte und wie man sein Buch veröffentlicht.

Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.
  1. Nick Meister Antworten

    Sehr geehrte Frau Dr. Huesmann,

    Zuerst möchte ich mich bei Ihnen für den Artikel bedanken. Er ist informativ, und regt zum Nachdenken an.

    Als Kind habe ich gerne meine eigenen Geschichten geschrieben. Diese waren zwar mehr oder weniger gute Kopien von anderen Geschichten, jedoch schrieb ich diese hemmungslos nieder. Ich dachte nicht sonderlich darüber nach, und selbst heute, wenn ich sie wieder einmal durchlese, finde ich sie irgendwie ansprechen (stehts in dem Wissen, ein 10-jähriges Kind hat es geschrieben).
    Heute plagt mich oft das Problem, dass ich eine Idee habe, diese beginne zu schreiben, und irgendwann zu dem Schluss komme, dass es sich nur um absoluten Müll handelt, den keiner lesen will. Jahre später sehe ich dann einen Film, der irgendwie auf ein meiner Geschichten aufbaut. Manchmal scheint es sogar, als hätte jemand meine alten Manuskripte durch die Autokorrektur laufen lassen, und dann veröffentlicht.
    Haben Sie vielleicht einen Rat? Wie kann man die Kraft und den Mut aufbringen, seine Geschichte weiter zu verfolgen, ohne das Gefühl zu haben, man würde seine Zeit mit Müll verschwenden, und so eine geniale Geschichte verpassen, die dann, wie es bisher eben war, doch nicht kommt?
    Ich möchte noch anmerken, dass ich mir keine Illusionen mache, was einen Bestseller aus meiner Feder betrifft, aber ein solides Buch, das man seinen Freunden und Verwandten ungeniert empfehlen kann, sollte schon machbar sein.

    Mit freundlichen Grüssen
    Nick

    • Eric Antworten

      Hi Nick,

      Auch wenn dein Kommentar schon einige Monate her ist, versuche ich es trotzdem einmal mit dem obligatorischen „Mir geht es genauso“, in der Hoffnung das dich dieser Kommentar doch erreicht.

      Wäre interessant zu hören, ob du diese Blockade mittlerweile umgegangen bist, oder immer noch in dem Dilemma steckst.

      Würde mich freuen von dir zu hören.

      Mit freundlichen Grüßen
      Eric (ericmbooks@gmail.com)

  2. Marvin schneider Antworten

    Sehr geehrte Frau Dr. Huesmann,

    mir fällt es schwer, einen Namen für meine Hauptfigur zu finden, bzw. ich finde die Namen nicht passend. Können Sie mir bitte einen Rat geben?

    Viele Grüße
    Marvin

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Herr Schneider,

      achten Sie in Ihrer Umgebung auf Namen, da finden Sie vielleicht einen, der gut zu Ihrer Figur passt. Zum Beispiel finden sich in einem Filmabspann jede Menge Namen. Doch ich würde einen Namen nicht so nehmen, wie er dort steht (Vorname – Nachname), sondern ich würde von einem Namen den Vornamen und von einem anderen Namen den Nachnamen nehmen.

      Viel Spaß bei der Namensfindung
      Anette Huesmann

  3. Kathrin Witt Antworten

    Sehr geehrte Frau Dr. Huesmann,

    vielen Dank für diese tolle Kurzanleitung zum Beginn eines Werkes.
    Einiges davon habe ich schon intuitiv so getan, wie Sie es beschreiben, jedoch hänge ich fest und wäre Ihnen für einen kleinen Ratschlag sehr dankbar:

    Ich habe etwa 2010 mit dem aktiven Schreiben aufgehört, weil mir gefühlt alle Ideen abhanden gekommen sind und ich mich soweit in meinem Perfektionismus verstrickt habe, dass ich am Ende keinen einzigen Satz mehr ausformulieren konnte.
    Seit einiger Zeit scheint meine Kreativität wieder zu mir zurück gekehrt zu sein und mich fliegen die Ideen wieder wie früher förmlich an.
    Allerdings fühle ich mich gehemmt, auch nur einen ersten Satz zu schreiben und bin ratlos, wie ich wieder einen Anfang schaffen kann.
    Haben Sie vielleicht einen Tipp für mich? (Mit einer Schreibübung wie „Gedanken fließen lassen und mitschreiben“ – sinngemäß – habe ich es versucht, aber die Schwierigkeit liegt für mich nicht darin, fließende Gedanken einzufangen, sondern explizit wieder Etwas zu einer Idee auszuformulieren.)

    Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und verbleibe
    mit herzlichen Grüßen,
    Kathrin Witt

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Frau Witt,

      ein gutes Manuskript entsteht durch die Überarbeitung und gute Ideen entstehen durch die Weiterentwicklung einer oft recht einfachen Grundidee.

      Das bedeutet: Schreibt man die ersten Sätze oder Seiten, dann dient das in erster Linie dazu, einen ersten, vollkommen unzulänglichen Rohentwurf zu schreiben. Richtig gut wird der Entwurf erst durch das mehrfache Überarbeiten. Das ist die übliche Arbeitsweise der meisten AutorInnen. Daran sollte man immer denken, wenn man anfängt zu schreiben: Beim ersten Entwurf kommt es noch nicht darauf an. Der darf Fehler haben, sprachlich mies sein, nur eine vage Ahnung davon geben, wie es später mal werden soll. Erst durch die Überarbeitung wird es gut.

      Das ist ähnlich wie beim Schnitzen: Keine Künstlerin würde versuchen, gleich mit den ersten Handgriffen die perfekte Skulptur zu schaffen. Es braucht Zeit, bis die ersten Schichten abgetragen sind. Nur durch das Weiterarbeiten wird eine Skulptur daraus.

      Viel Freude beim Neueinstieg!
      Anette Huesmann

  4. Andreas Antworten

    Hallo Frau Huesmann,

    ein sehr interessanter Artikel, da ich die Frage nach der Struktur immer interessant finde. Es gelingt Ihnen gut, das Gleichgewicht zwischen Ideenfindung und Ordnung herzustellen. Allerdings frage ich mich, ob die Struktur wirklich an erster Stelle stehen muss? Zu viel Fokus auf die Handlung kann es doch erschweren, eine passende Perspektive und Erzählstimme zu entwickeln vielleicht?
    Ihre Meinung interessiert mich.
    Schöne Grüße
    Andreas

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Herr Schuster,
      ich denke, das kommt sehr auf den Typ an – manche können auf diese Weise gut arbeiten, für andere ist Struktur zu so einem frühen Zeitpunkt das Ende der Kreativität (darüber habe ich auch hier geschrieben: Plotten? Oder nicht plotten?). Manche brauchen für ihren Schreibprozess viel Struktur, andere weniger.

      Ich selber habe beim Schreiben meiner Bücher verschiedene Arbeitsweisen ausprobiert und bin am Ende bei der geblieben, die für mich am besten „funktioniert“ hat. Ich denke, das ist eines der wichtigsten Dinge, die man als (angehende) Autorin tun sollte: Herausfinden, wie man am besten arbeiten kann.

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