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Kinderbuch schreiben

Wie schreibt man ein Kinderbuch – die zehn wichtigsten Tipps, um wundervolle Geschichten für Kinder zu schreiben.

 

1. Alter der Zielgruppe

Die wichtigste Überlegung steht meist zu Beginn: An welche Altersgruppe richtet sich das Buch? Denn davon hängt alles weitere ab: Wie komplex die Sprache sein darf, wie lang der Text sein sollte und wie viele Bilder man braucht. Je älter die Kinder, desto anspruchsvoller dürfen die Formulierungen sein, desto umfangreicher die Texte und desto weniger Bilder sind notwendig. Und umgekehrt natürlich.
Üblicherweise unterscheiden Buchhandlungen und Verlage Bücher für folgende Altersgruppen:
 

  • 0 – 2 Jahre: Bilderbücher
  • 3 – 5 Jahre: Bilderbücher und Vorlesebücher
  • 6 – 7 Jahre: Vorlesebücher und Erstlesebücher
  • 8 – 12 Jahre: Kinderromane
  • ab 12 Jahren: Jugendromane

 
 

2. Die Sprache

Bilderbücher für Kinder bis zum Alter von 5 Jahren haben meist eine einfache Struktur: Die Texte sind kurz und die Sätze einfach. Reime, Wiederholungen, Lautmalereien und Worterfindungen kommen dabei gut an. Vorlesebücher für Kinder ab 6 Jahren enthalten schon umfangreichere Geschichten und die Formulierungen dürfen etwas schwieriger sein. Sobald die Kinder selber lesen, muss sich die Sprache am Wissen und den Fähigkeiten der Zielgruppe orientieren. Erstlesebücher sollten deshalb kurz und sprachlich einfach gehalten sein: kurze Wörter, kurze Sätze, einfache Satzstruktur. Romane für Kinder ab 8 Jahren sind sprachlich schon anspruchsvoller, doch auch hier verzichten die AutorInnen meist noch auf schwierige Wörter und umständliche Formulierungen. Die Sprache in Jugendromanen unterscheidet sich kaum noch von der für Erwachsene.
 
 

3. Umfang

Bilderbücher für die Kleinsten enthalten oft nur wenige Worte oder Sätze. Bilderbücher für 3- bis 5-Jährige haben meist 12 Doppelseiten und können bis zu 10.000 Zeichen inkl. Leerzeichen pro Buch umfassen. Vorlesebücher haben meist zwischen 30 und 80 Normseiten Text. Kinderromane sind schon etwas länger: 100 bis 150 Normseiten sind nicht selten, auch dickere Bücher finden Anklang. Jugendbücher haben einen ähnlichen Umfang wie Bücher für Erwachsene.
 
 

4. Die Hauptfigur

Ist die Hauptfigur der Geschichte ein Kind, dann sollte es ein oder zwei Jahre älter sein als die Zielgruppe. Denn Kinder lesen gern Geschichten, in denen ältere Kinder vorkommen. Doch Geschichten mit jüngeren Kindern sind was für Babys.
 
 

5. Themen

Thematisch orientieren sich Kinderbücher an den Bedürfnissen der Zielgruppe. Für kleinere Kinder sind Alltagserfahrungen, Ängste oder die Familie wichtige Themen, für größere Kinder außerdem Freundschaften und Schule. Auch Abenteuergeschichten, Detektivgeschichten und Geheimbünde sind bei den Älteren sehr beliebt. Jugendbücher lassen kaum ein Thema aus, ähnlich wie Bücher für Erwachsene. Besonders häufig sind Themen, die den Jugendlichen unter den Nägeln brennen: der Freundeskreis, Erwachsen werden und die Liebe.
 
 

6. Phantastische Welten

Kinder lassen sich gern in unbekannte Welten entführen. Deshalb liegen neben Alltagsgeschichten auch phantasievolle Erzählungen und besondere Figuren hoch im Kurs: sprechende Tiere, Phantasiewesen, beseelte Gegenstände, Kinder mit übernatürlichen Fähigkeiten und vieles mehr. Je überraschender, desto besser.
 
 

7. Erzählstruktur

In Bilderbüchern für die Kleinsten steht oft eine besondere Figur im Mittelpunkt, die wir über mehrere Stationen auf ihrem Weg begleiten. Beispielsweise stellt die Figur zu Beginn eine Frage und wir erleben mit, wie sie die Antwort darauf sucht und natürlich auch findet.
 
Kinderromane handeln oft von einer Figur oder einer Figurengruppe: zum Beispiel von einer Familie, mehreren Freunden oder den Kindern einer Siedlung. Jedes Kapitel erzählt von dieser Figur oder der Figurengruppe eine kleine in sich geschlossene Episode.
Je älter die Zielgruppe, desto eher sind die Bücher aufgebaut wie Jugendbücher: Sie erzählen fortlaufend eine Geschichte über mehrere Kapitel.
 
Viele Kinder- und Jugendromane wie beispielsweise „Harry Potter und der Stein der Weisen“ haben eine Mischung aus beidem: Das Buch erzählt eine große zusammenhängende Geschichte und jedes Kapitel enthält eine in sich abgeschlossene Episode.
 
 

8. Illustrationen

Je jünger die Kinder, desto mehr Bilder finden sich in den Büchern und desto weniger Text. Bei den Erstlesebüchern nehmen die Bilder noch sehr viel Raum ein, je älter die Kinder, desto mehr treten die Bilder in den Hintergrund und die Texte werden wichtiger. In Kinderromanen ab 8 Jahren finden sich noch viele Bilder, bei Büchern für über Zwölfjährige kaum noch.
 
 

9. IllustratorInnen

Wer sein Buch einem Verlag anbieten möchte, braucht sich um Illustrationen nicht zu kümmern. Denn Verlage sorgen selber für Bilder und regeln auch die Bezahlung der IllustratorInnen. Deshalb bewirbt man sich bei einem Verlag in aller Regel nur mit dem Text.
 
Wer sein Buch selber herausgeben möchte, sollte sich um professionelle Illustrationen bemühen. Mit dem Suchbegriff „Illustrationen Kinderbuch“ finden sich zahlreiche Internetseiten von IllustratorInnen mit Arbeitsproben. So lässt sich schnell herausfinden, ob die IllustratorInnen schon Erfahrung mit Kinderbüchern haben und ob ihr Stil zum geplanten Buch passt. Ein Bild kostet zwischen 30 und 150 Euro, je nach Ausführung und individuellem Vertrag.
 
 

10. Einen Verlag finden

Ist das Manuskript fertig, so kann man sich bei Kinderbuchverlagen bewerben. Doch vorher sollte man auf deren Internetseite nachsehen, ob das eigene Buch beim Wunschverlag ins Programm passt. Auf den Websites ist außerdem nachzulesen, ob und wie ein Verlag Manuskripte angeboten haben möchte. Üblicherweise bewirbt man sich mit einem Exposee und einer Leseprobe: Ein Exposee umfasst maximal drei Seiten Text und enthält die komplette Geschichte in Kurzform. Eine Leseprobe sollte etwa 15 bis 20 Normseiten lang sein und einen guten Einblick in die Geschichte geben.


Mehr davon? In meinem Zweitagesworkshop „Kinderbücher schreiben“ vermittle ich das wichtigste Basiswissen, um zauberhafte Kinderbücher zu schreiben.

Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.
  1. Janett Antworten

    Hallo! Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag. Eine Frage hätte ich noch: Was meinen Sie mit Normseite? 1.600-1.800 Zeichen inkl. LZ? Vielen Dank für die Antwort.

    Viele Grüße,
    Janett

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Janett,

      genau, eine Normseite hat 30 Zeile mit jeweils 60 Anschlägen. Da in einem Roman die Zeilen nicht immer vollgeschrieben sind, erhält man auf diese Weise zwischen 1.600 und 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen pro Seite.

      Viele Grüße
      Anette Huesmann

  2. Janina Antworten

    Hallo,
    vielen Dank für diesen Beitrag, sehr schön zu lesen, schön übersichtlich. Nur der Punkt für die Illustrationen stößt mir sauer auf.
    Ich bin selbst Illustratorin und würde mir wünschen, dass hier diffiziler auf die Preise eingegangen würde:
    Zunächst einmal ist zwischen den eigentlichen Zeichnungen / Bildern und den Nutzungsrechten zu unterscheiden. Ein(e) IllustratorIn, die eine Illustration ohne Briefing zu den Nutzungsrechten rausgibt und darüber nicht verhandelt, ist schlicht unseriös.
    Für 30€ (ohne Nutzungsrechte) kann man tatsächlich bereits eine schnelle schwarz-weiß Mini-Vignette bekommen. Allerdings ohne Korrekturdurchläufe und eher als „Angebot“. Für beispielweise ein Bilderbuch mit 24 Seiten (oder 12 Doppelseiten), voll illustriert, sollte man schon mit MINDESTENS 150 € pro Bild, wieder ohne Nutzungsrechte, rechnen. Dazu muss dann natürlich noch der Stil berücksichtigt werden. Möchte man eine schöne Aquarellillustration? Jedes Bild kostet, weil hochwertiges Material, auch nochmal extra. Sind Korrekturen gewünscht, an dem fertigen Bild, dann kostet das richtig.
    Für das Cover eines Jugendbuches fallen im Übrigen ca. 550-900€ an.
    Diese Werte sind auch nicht aus der Luft gegriffen sondern orientieren sich an dem AGD Tarifvertrag.
    Für eine nette Vignette sollte man eher ca. 90€ rechnen.

    Liebe Grüße
    Janina

  3. Almo Antworten

    Danke für den hilfreichen Beitrag. Wundere mich nur über die Kostenangabe eines Bildes (Illustration), die ist sehr niedrig angesetzt. Zumindest ein professioneller Illustrator macht für 30 € gerade mal eine Vorab-Skizze. Und 150 € dürfte wohl kaum die Obergrenze sein. ;-)

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      @Almo
      Danke für den Hinweis. Für dreißig Euro bekommt man natürlich nur ganz kleine Zeichnungen, wie man sie in Kinderromanen findet. Dort stehen sie gelegentlich am Rand, damit der Text etwas aufgelockert wird. Für 150 Euro sind die Zeichnungen schon individueller und aufwendiger, und klar, teurer geht immer ;-)

  4. Sylvia Hanna Antworten

    Toller und sehr hilfreicher Beitrag.
    Vielen Dank und lieben Gruß
    S. Hanna

  5. Anjulie Antworten

    Das sind tolle Tipps! Ohne Umschweife einfach mal auf den Punkt gebracht 👏🏻 Danke dafür! Wenn es i. O. ist, würde ich den Beitrag auch gerne bald bei mir verlinken 😊 Liebe Grüße

  6. Elisa Antworten

    Herzlichen Dank für diesen wundervollen Beitrag

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