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Exposé schreiben für einen Roman

Ist ein Roman endlich fertiggestellt, dann beginnt die schwierige Phase der Vermarktung: Ich muss mein Buch anbieten – entweder den Agenturen oder direkt den Verlagen.

Welches die bessere Strategie ist, das ist nachzulesen in meinem Blogbeitrag: Buch veröffentlichen. Egal ob ich Agenturen oder Verlage kontaktieren möchte – üblicherweise brauche ich dafür folgende Unterlagen:

  • Anschreiben (heute meist in Form einer E-Mail)
  • Exposé
  • Autorenvita
  • Liste bisheriger Veröffentlichungen
  • Leseprobe

Anschreiben

Ein Anschreiben sollte möglichst persönlich sein und nicht wie eine Massenaussendung daherkommen. Ein oder zwei Sätze zeigen, warum ich meinen Roman gerade dieser Agentur oder diesem Verlag anbiete. Außerdem sollte darin stehen, was ich von der Agentur oder dem Verlag möchte: Ich beschreibe kurz das Romanprojekt, das ich der Agentur zur Vermittlung bzw. dem Verlag für die Veröffentlichung anbiete. Das kann man sich ähnlich vorstellen wie bei einer Bewerbung für einen Arbeitsplatz: Das Anschreiben sollte persönlich sein und das Anliegen nennen, ohne die restlichen Unterlagen vorwegzunehmen.

Exposé

Das Exposé eines Romans enthält die wichtigsten Daten zum Manuskript und zur eigenen Person, außerdem eine kurze Zusammenfassung sowie eine komplette Inhaltsangabe des Manuskripts. Optional kann eine Figurenbeschreibung hinzukommen. Das alles sollte nicht mehr als zwei bis drei Seiten umfassen.

Blau-weiß-totHier ein Beispiel für ein Roman-Exposé – mein Krimi „Blau-weiß-tot“, der 2015 im Emons Verlag erschienen ist (einfach auf das Cover klicken).
 
 
 
 

Der Inhalt eines Roman-Exposés im Einzelnen

1. Die wichtigsten Daten

  • Genre
  • Zielgruppe (wenn sie sich beschreiben lässt, zum Beispiel bei Kinder- und Jugendbüchern die Altersgruppe, für die sich das Buch eignet)
  • Umfang des Manuskripts – entweder in Normseiten oder in Zeichenzahlen (inkl. Leerzeichen)
  • Wenn die Geschichte nicht in der aktuellen Zeit spielt oder eine längere Zeitspanne umfasst, dann sollte man den Zeitpunkt nennen oder den Zeitraum, in dem sich die Geschichte abspielt
  • Schauplatz (wenn er wesentlich ist für die Geschichte)
  • AutorIn: Name, Anschrift, Mailadresse, Telefonnummer

2. Die Kurzbeschreibung („Klappentext“)
Dann folgt die Kurzbeschreibung der Geschichte, das kann man sich vorstellen wie eine Art Klappentext: In fünf bis zehn Sätzen wird die Geschichte angerissen. Die Kurzbeschreibung soll das Interesse der vielbeschäftigten Menschen in der Agentur oder im Verlag wecken, damit diese sich die Zeit nehmen, den Rest zu lesen. Die Kurzbeschreibung schafft einen Leseanreiz – ähnlich wie der Klappentext im Buch oder auf der Buchrückseite. Der Text sollte flüssig zu lesen sein und ein paar Stichworte nennen, die neugierig machen, ohne zu viel zu verraten.

3. Optional: die Figurenbeschreibung
Dann folgt die Beschreibung der Figuren: Die wichtigsten Figuren werden genannt, meist drei bis fünf Figuren. Jede wird mit Namen und Alter vorgestellt und mit zwei oder drei Sätzen charakterisiert.
Viele Verlage oder Agenturen gehen davon aus, dass eine Figurenbeschreibung nicht notwendig ist bzw. nicht notwendig sein sollte, da die Figuren durch die Inhaltsangabe charakterisiert werden. Dennoch möchten manche Agenturen und Verlage eine kurze Zusammenstellung der wichtigsten Figuren haben.
Bewirbt man sich bei einer Agentur, die Wert auf eine Figurenschreibung legt, führt kein Weg daran vorbei. Ansonsten kann man selbst entscheiden, ob eine Figurenbeschreibung nützlich sein könnte oder nicht. Sie ist kein zwingender Bestandteil eines Roman-Exposés.

4. Die Inhaltsangabe
Dann folgt das schwerste Stück Arbeit: Die Inhaltsangabe des kompletten Manuskripts. Sie sollte nicht länger als eine Seite oder maximal anderthalb Seiten umfassen. In einer Inhaltsangabe darf der Schluss nicht fehlen, denn gerade für die Beurteilung einer Geschichte ist der Schluss wichtig.

Für mich ist die Inhaltsangabe das Schwierigste beim Schreiben eines Exposés. Um einen Roman knapp zusammenzufassen, muss man eine Menge weglassen. Die ganze Geschichte wird darin erzählt, die Handlung sollte in sich schlüssig und logisch dargestellt sein. Der Text muss sprachlich gut und spannend zu lesen sein.

Die Inhaltsangabe ist der wichtigste Teil des Exposés, das Aushängeschild für meine Geschichte. Nur wenn die Inhaltsangabe überzeugen kann, hat mein Manuskript eine echte Chance.

Autorenvita

Manche Verlage sehen die Autorenvita als Teil des Exposés, andere zählen sie gesondert auf. Wie auch immer – die Autorenvita gehört zwingend zu den Bewerbungsunterlagen. Denn selbstverständlich wollen die Verantwortlichen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Auch dieser Text sollte kurz sein: Üblicherweise besteht er nur aus fünf bis zehn Sätzen.

Um ein Vorbild zu haben, kann man sich verschiedene Romane ansehen – in fast jedem Buch findet sich eine Autorenvita. Auch auf amazon.de kann man sie tausendfach nachlesen. Am besten sieht man sich etliche an und wählt sich eine gut gelungene als Vorbild – und versucht dann sein Glück am eigenen Text.

Über sich selber zu schreiben, ist immer eine harte Übung: Nicht zu selbstverliebt, nicht zu bescheiden, möglichst interessant und zum eigenen Werk passend. Auch eine Autorenvita soll vor allem Interesse am Roman wecken.

Bisherige Veröffentlichungen

Eine Liste der bisherigen Veröffentlichungen ist ebenfalls ein Teil der Unterlagen. Hat man noch keine aufzuweisen, entfällt der Punkt. In einem Roman-Exposé sollte man vor allem belletristische Werke auflisten. Dazu gehören heutzutage natürlich auch selbst verlegte Bücher.

Leseprobe

Agenturen und Verlage möchten eine Leseprobe haben, die üblicherweise 15 bis 30 Normseiten umfasst. Eine Leseprobe muss einwandfrei sein: in Normseiten angelegt, ohne Rechtschreib- oder Kommafehler, keine stilistischen Unreinheiten, formatiert wie ein Buchmanuskript in einer gut leserlichen Schrift.

Die meisten Agenturen und Verlage möchten den Einstieg des Romans als Leseprobe. Denn der Einstieg ist mit das Schwierigste: Ich muss es schaffen, ganz schnell Interesse für meine Geschichte und meine Figuren zu wecken. Außerdem muss ich ein paar Informationen unterbringen, damit meine LeserInnen der Geschichte folgen können. Doch die Informationen sollten nicht einfach in die Handlung geschoben sein, dort wirken sie deplaziert und behindern den Lesefluss. Sie müssen mit der Handlung gut verwoben sein, damit die LeserInnen sie als Teil der Geschichte wahrnehmen. Hat man diese Aufgabe gut bewältigt, so der Rückschluss, kann auch der Rest des Manuskripts nicht so mies sein.

VOR dem Absenden: Recherche

Hat man sich eine Agentur oder einen Verlag zur Kontaktaufnahme herausgesucht, dann lautet die oberste Pflicht: die Internetseite besuchen. Welchen Schwerpunkt hat die Agentur oder der Verlag? Es macht keinen Sinn, Agenturen, die auf Sachbücher spezialisiert sind, ein Kinderbuch anzubieten.
Bei einem Verlag sehe ich mir an, welche Bücher dort bereits erschienen sind. Würde mein Roman dazu passen?

Bei einer Agentur sehe ich mir an, welche AutorInnen sie vertritt. Mit welchen Verlagen arbeitet die Agentur zusammen? Meist findet sich auf der Internetseite kein Verzeichnis der Verlage. Doch aus bisherigen Veröffentlichungen bzw. den Werken der AutorInnen, die von der Agentur vertreten werden, kann man schließen, mit welchen Verlagen eine Agentur oft zusammenarbeitet.

Meist findet sich auf den Internetseiten von Agenturen und Verlagen eine Unterseite, die Auskunft gibt, wie potenzielle AutorInnen ihr Manuskript anbieten sollten. Manchmal ist es auf der Kontaktseite nachzulesen, manchmal unter „Manuskripte“ oder „Angebote“:

  • Auf dem Postweg oder per E-Mail (meist ist eine spezielle Mailadresse genannt)
  • Länge der Leseprobe
  • Exposé
  • Autorenvita
  • Bisherige Veröffentlichungen

Roman-Exposé komplett

Einige legen Wert darauf, dass im Exposé die wichtigsten Figuren kurz beschrieben werden. Andere möchten wissen, welches Alleinstellungsmerkmal ein Manuskript hat. Wieder andere möchten wissen, welche Verlage und Agenturen man bisher schon angeschrieben hat. Da die Branche klein ist („man kennt sich“), sollte man hier ehrlich sein – Lügen fallen einem über kurz oder lang auf die Füße, das lohnt sich nicht.

Bis auf das Anschreiben sollten alle Unterlagen eine Fußzeile haben mit dem Namen der Autorin bzw. des Autors, mit dem Titel des Romans und mit der Mailadresse. Denn natürlich kann es sein, dass beim Prüfen der Unterlagen das Anschreiben oder das erste Blatt des Exposés verloren gehen – dann können die Verantwortlichen trotzdem herausfinden, wen sie kontaktieren müssen.

VIEL ERFOLG :-)

Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.
  1. Sofie Gay Antworten

    Vielen Dank für den hilfreichen und sehr informativen Artikel!
    Eine Frage zu den Daten:
    Wenn ich unter einem Pseudonym schreibe, nenne ich dieses bei den Angaben zur Autorin? Wenn ja, wie? Ich würde es so machen:
    XXX (realer Name)
    alias YYY (Pseudonym)
    Straße
    Stadt

    Herzliche Grüße,
    Sofie

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Sofie,

      ja, würde ich auch so machen.

      Viel Erfolg!
      Anette Huesmann

  2. Peschel, Olaf Antworten

    Die Rohfassung meines Romans ist im Oktober fertig, die Endfassung (nach eigenem Lektorat) Weihnachten. Dann möchte ich mich um die Veröffentlichung kümmern.
    Dazu sind die Tipps für Anschreiben und Exposé sehr hilfreich, vielen Dank!

    Mit den besten Grüßen
    Olaf Peschel

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