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Ein starker Auftritt

Bei der Figurenentwicklung für einen Roman kommt es nicht nur darauf an, dreidimensionale Personen zu schaffen. Schon der erste Auftritt meiner Hauptfigur ist für das Interesse der Leserinnen und Leser entscheidend.

Im wahren Leben brauchen wir gerade mal Sekundenbruchteile, um uns ein Bild von anderen Menschen zu machen. Beim ersten Kontakt verlassen wir uns ganz auf unsere Intuition: Schnell ist uns klar, ob wir unser Gegenüber mögen oder nicht, ob wir ihn oder sie für einen Schwächling halten oder einen richtig tollen Menschen. Das ist Alltag für uns alle.

Figuren entwickeln: Aus Details entsteht ein Bild.
(Foto: ©fotomek / fotolia.de)

Begegnet uns beim Lesen eine Figur, ist es nicht anders: Der erste Eindruck entscheidet. Finden wir sie langweilig, legen wir das Buch beiseite. Wenn nicht, lesen wir weiter. Natürlich kann es sein, dass wir am Ende unsere Meinung ändern. Aber wie im wahren Leben auch, muss dafür eine Menge passieren.

Das heißt für uns Schreibenden: Unterschätze nie den ersten Auftritt deiner Figur! Besonders, wenn es sich um die Hauptfigur deines Romans handelt.

Eine Figur betritt die Bühne

In Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ lernen wir die Hauptfigur Jean-Baptiste Grenouille gleich bei seiner Geburt kennen. Als LeserIn wissen wir zu dem Zeitpunkt bereits, dass seine Mutter schon vier Kinder geboren hat, allesamt Totgeburten oder Halbtotgeburten. Als nun ihr fünftes Kind das Licht der Welt erblickt, da „fängt, wider Erwarten, die Geburt unter dem Schlachttisch zu schreien an.“ Und wenige Zeilen später erfahren wir von diesem Kind, das inzwischen einer Amme übergeben wurde: „Es sei zu gierig, hieß es, sauge für zwei, entziehe den anderen Stillkindern die Milch und damit ihnen, den Ammen, den Lebensunterhalt, da rentables Stillen bei einem einzigen Säugling unmöglich sei.“ Spätestens jetzt ist uns klar: Das ist ein verdammt zäher kleiner Bursche, der wirklich leben will und sich alles nimmt, was er kriegen kann. Sympathisch wird er uns dadurch nicht, zumindest ich mochte diese Hauptfigur nie, von der ersten bis zur letzten Zeile nicht. Aber ich war definitiv an seinem Leben und an seinem Werdegang interessiert.

Sympathie wird überbewertet

Warum ist das so? Das hat weniger mit Sympathie und mehr mit Neugier zu tun. Vor einigen Jahren besuchte ich einen Drehbuch-Workshop von Laurie H. Hutzler. Sie berät Fernsehsender, RegisseurInnen und DrehbuchautorInnen bei der Entwicklung von Filmen und Serien. In ihrem Workshop ging es um Figurenentwicklung und Laurie sagte: „Ich halte Sympathie für überbewertet.“

Ich denke, sie hat recht. Es geht nicht darum, dass wir die Hauptfigur mögen. Viel wichtiger ist, dass unser Interesse geweckt wird. Dann ist es egal, ob uns diese Person sympathisch ist oder nicht – wir wollen wissen, was aus ihr wird und verfolgen gespannt den weiteren Fortgang der Geschichte.

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Als ich meine ersten Bücher schrieb, habe ich eine Menge Fehler gemacht, so dass kein Verlag sie haben wollte. Erst meinen vierten Roman konnte ich beim Aufbau Verlag unterbringen. Heute weiß ich, was man tun muss, damit gleich das erste Buch ein veröffentlichungsreifer Roman wird.

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Von der Idee zum Roman

Kampf um Aufmerksamkeit

Meist entscheiden schon wenige Zeilen darüber, ob eine Leserin das Buch ins Regal zurückstellt oder weiterliest. Springt der erste Funken über, bekommt unser Buch noch ein paar Seiten die Chance, das Interesse der LeserInnen an unserer Geschichte und unseren Figuren zu wecken. Es lohnt sich also darüber nachzudenken, wie wir unsere Hauptfigur ins Rennen schicken im Kampf um Aufmerksamkeit.

Übrigens gilt besonders hier das alte Prinzip: Show, don’t tell. Das heißt: Wir erzählen nicht einfach, was passiert. Wir schaffen Bilder in den Köpfen unserer LeserInnen und diese Bilder erzählen unsere Geschichte. Deshalb sollten wir unsere Figur nicht nur beschreiben. Viel wichtiger ist, wie unsere Figur handelt.

Noch einmal zurück zu Patrick Süskind, zum entscheidenden Moment, als seine Hauptfigur die Bühne betritt: „Da fängt, wider Erwarten, die Geburt unter dem Schlachttisch zu schreien an.“ Der Säugling tut etwas Unerwartetes: Er schreit. Wie schwach wäre es gewesen, wenn der Autor einfach geschrieben hätte: Wider Erwarten überlebte der Säugling. Die Handlung charakterisiert den Jungen: Er schreit. Er schreit um sein Leben.

Faszinierende Figuren entwickeln

Wir haben unseren Job als AutorIn richtig gut gemacht, wenn unsere LeserInnen mit unserer Figur mitfiebern, wenn sie sich identifizieren. Den ersten Grundstein dafür haben wir gelegt, wenn wir unserer Figur einen starken Auftritt gönnen. Wenn die LeserInnen schon bei der ersten Begegnung spüren, dass unsere Hauptfigur etwas Besonderes ist. Dass es sich lohnt, weiterzulesen.

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