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Thriller und Krimi – das ist der Unterschied

Thriller und Krimis lesen die Deutschen am liebsten, so das Ergebnis der Studie Büchermonitor Deutschland aus dem Herbst 2017. Doch was unterscheidet eigentlich Thriller und Krimis? Wann spricht man von einem Krimi und wann von einem Thriller?

Spannung ist Spannung ist Spannung

„Spannung“ – das steht in vielen Buchhandlungen an den Regalen mit Thrillern und Krimis. Und natürlich erwarten LeserInnen bei der Lektüre dieser Bücher spannende Unterhaltung. Aber nicht nur Thriller und Krimis leben von der Spannung. Das erwarten wir auch von vielen anderen Genres – sei es Science-Fiction, Fantasy oder Horror. Selbst Liebesgeschichten brauchen ein gewisses Maß an Spannung. Deshalb beschreibt „Spannung“ die beiden Genres Thriller und Krimi nur unzureichend. Um Unterschiede und Gemeinsamkeiten besser zu erkennen, hier zunächst eine kurze Einordnung.

Ein typischer Kriminalroman

Im Mittelpunkt eines prototypischen Kriminalromans (abgekürzt „Krimi“) steht ein Verbrechen: ein Mord, eine Entführung, ein Raub oder Ähnliches. Im Zusammenhang mit diesem Verbrechen gibt es in den meisten Krimis ein Rätsel: Wer war es? Warum geschah das Verbrechen? Wie geschah das Verbrechen? Wie kann man die Tat einer Person nachweisen? Wird die Tat gerächt, gesühnt oder bestraft? Und vieles mehr. Manchmal besteht das Rätsel nur aus einer dieser Fragen, meist sind es mehrere.

In den typischen Romanen dieses Genres gibt es eine Figur, die ermittelt. Das heißt, die Figur versucht, das Rätsel zu lösen und damit das Verbrechen aufzuklären. Am Ende soll die Person, die das Verbrechen begangen hat, dafür bestraft werden. Meist ist die ermittelnde Figur auch die Hauptfigur des Krimis.

LeserInnen erwarten von einem typischen Krimi, dass im Laufe der Geschichte das Rätsel gelöst und das Verbrechen aufgeklärt wird. Dabei möchten sie mitverfolgen, was die Ermittlungen zutage fördern und welche Schlüsse die ermittelnde Figur daraus zieht.

Traditionelle, prototypische Krimis sind beispielsweise die Geschichten von Agatha Christie, Georges Simenon oder Elisabeth George.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Krimis, die nicht prototypisch aufgebaut sind, aber dennoch als Kriminalroman bezeichnet werden. Auch im Mittelpunkt dieser Romane stehen Verbrechen, doch viele der oben geschilderten Merkmale fehlen. Je weiter entfernt der Inhalt des Romans von der oben geschilderten Charakteristik, desto untypischer der Krimi. Zu den untypischen Kriminalromanen gehören beispielsweise „Das Parfum“ von Patrik Süskind oder „Tannöd“ von Andrea Maria Schenkel.

Ein typischer Thriller

Das englische Wort „thrill“, zu deutsch „Nervenkitzel“, hat diesem Genre den Namen gegeben. Auch Krimis brauchen Spannung, doch in Thrillern erreicht die Spannung ein außerordentliches Maß. Von Thrillern wird erwartet, dass LeserInnen von Anfang bis Ende an jedem Buchstaben der Geschichte kleben und atemlos Seite um Seite lesen, wenn es sein muss, die ganze Nacht – ein echter „Pageturner“, wie das englische Wort es so schön beschreibt.

Erreicht wird der Nervenkitzel meist durch eine Bedrohung der Hauptfigur: Sie muss nicht nur fürchten, dass sie ihr Leben verliert. Ihr droht darüber hinaus, dass sie vor ihrem Ableben massive psychische oder physische Schmerzen erleidet. Und nicht nur sie: Meist werden noch weitere Menschen bedroht: die Familie der Hauptfigur, ihr nahestehende Personen oder die BewohnerInnen eines Ortes, eines Landes oder der ganzen Welt.

Die Hauptfigur kämpft allein oder gemeinsam mit anderen gegen die Bedrohung und versucht, diese abzuwenden, ihr zu entkommen oder die angedrohten Schrecken zu mildern. Die Bedrohung ist schon früh in der Geschichte erkennbar und nimmt im Laufe der Geschichte dramatisch zu.

Es gibt etliche Thriller-Subgenres, bei denen die Bedrohung nicht von einem Verbrechen ausgeht. „Der Schwarm“ beispielsweise von Frank Schätzing ist ein Katastrophen-Thriller. In diesem Subgenre speist sich die Spannung aus einer Naturkatastrophe. Thriller-Subgenres, in denen die Bedrohung nicht von einem Verbrechen ausgeht, haben eher wenig Gemeinsamkeiten mit Krimis.

Überschneidungen zwischen den Genres Krimi und Thriller finden sich vor allem bei Thriller-Subgenres, in deren Mittelpunkt ein Verbrechen steht. Hier speist sich die Spannung aus der Bedrohung, die von diesem Verbrechen ausgeht.

Schnittmenge: Krimi und Thriller

Bei einem prototypischen Agatha-Christie-Krimi geschieht zu Beginn der Geschichte ein Mord, die Leiche wird gefunden und der Rest der Handlung dreht sich um die Aufklärung dieses Mordes. Die Spannung speist sich hier aus dem Rätsel und den verschiedenen Lösungsmöglichkeiten des Rätsels.

Der Spannungsaufbau verläuft anders, wenn im Mittelpunkt der Geschichte ein Serienmord steht: Zu Beginn des Romans geschieht ein Mord und es gibt Anzeichen, dass weitere Morde folgen werden. Die ermittelnden Hauptfiguren werden mit der Bedrohung konfrontiert, dass weitere Menschen sterben werden. Und natürlich versuchen sie, diese Morde zu verhindern.

Ist die Hauptfigur des Romans eine typische ermittelnde Hauptfigur – zum Beispiel eine Kommissarin – dann ist sie meist nicht persönlich in das Verbrechen involviert. In diesem Fall enthält der Roman nur wenig Thriller-Elemente: es drohen weitere Morde, die verhindert werden sollen.

Wird jedoch die Hauptfigur vom Serienmörder bedroht, muss die Figur um ihr eigenes Leben fürchten. Nicht selten richtet sich die Drohung (auch) gegen enge Angehörige der Hauptfigur: Kinder, PartnerInnen, enge Verwandte. In diesem Fall kommen weitere Thriller-Elemente hinzu.

Typische Thriller sind auch Geschichten, in denen ein Verbrechen angedroht wird. Das Verbrechen geschieht zwar nicht zu Beginn der Geschichte, doch die Hauptfigur muss fürchten, dass in Kürze ein Verbrechen geschehen wird. Meist muss sie versuchen, das zu verhindern. Auch in diesem Fall finden sich in der Geschichte etliche typische Thriller-Elemente.

So unterscheide ich Krimi und Thriller

Die Beschreibung zeigt schon, dass es eine ganze Reihe von Büchern gibt, die beiden Genres zugerechnet werden könnten. Oft entscheidet die Vermarktungsstrategie eines Selfpublishers oder eines Verlags, welches Genre auf dem Cover steht. Müsste ich mich entscheiden, ob eines meiner Bücher als Krimi oder als Thriller bezeichnet werden sollte, dann würde ich von folgender Überlegung ausgehen:

Krimi
In einem Kriminalroman gibt es eine ermittelnde Hauptfigur, die in aller Regel die Kontrolle behält: Auch wenn die Ermittlungen zunächst ohne Ergebnis bleiben, die Hauptfigur falschen Fährten folgt oder ratlos ist – früher oder später führen ihre Ermittlungen zum Ziel. Auch wenn es sich um einen Serienmörder handelt, für mich bleibt die Geschichte ein Krimi, solange es ermittelnde Hauptfiguren gibt, die trotz weiterer Morde die Spur nicht aus dem Auge verlieren und durch ihre Arbeit die Situation wieder unter Kontrolle bringen können.

Thriller
Von einem echten Thriller erwarte ich, dass früher oder später die Bedrohung vollständig die Kontrolle übernimmt. Dann reagiert die Hauptfigur nur noch auf die Bedrohung von außen, sie hat jegliche Kontrolle verloren und kämpft verzweifelt um Leben oder Tod – entweder um das eigene Leben, oder um das Leben ihr nahestehender Personen oder um das Leben vieler anderer.

Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.

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