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Was verdient man mit einem Buch?

Was verdienen Autor*innen eigentlich mit einem Buch? Diese Frage wird oft gestellt und natürlich muss die Antwort lauten: Es kommt darauf an. Denn das Honorar hängt davon ab, ob es sich um ein Sachbuch, einen Roman oder ein Kinderbuch handelt. Und es kommt darauf an, wie man das Buch veröffentlicht, ob mit einem kleinen Verlag, einem großen Verlag oder im Selfpublishing. Und es kommt darauf an, wie viele Bücher verkauft werden. Dennoch gibt es eine Antwort auf diese Frage, denn es gibt durchaus „übliche“ Honorare für Autorinnen und Autoren.

Honorare für Romane (Taschenbuch)

In aller Regel erhält eine Autor*in für einen Roman, der als Taschenbuch herauskommt, 5 % des Nettoladenpreises. Auf dem Preisschild eines Buches ist der Bruttoverkaufspreis zu sehen. Der wird fällig, wenn das Buch über die Ladentheke geht. Zieht man davon die in Deutschland für ein Buch üblichen 7 % Mehrwertsteuer ab, so erhält man den Nettoladenpreis. Das heißt konkret: Wird ein Taschenbuch im Laden mit 9,99 € verkauft, liegt der Nettoladenpreis bei 9,33 €. Von jedem verkauften Exemplar erhält die Autor*in 5 % Honorar – in diesem Fall also 46 Cent.

Damit ist jedoch noch nicht geklärt, wie viel die Autor*in letztlich verdient. Denn im Verlagsvertrag ist nur die prozentuale Beteiligung genannt. Erst wenn eine Autor*in weiß, wie viele Exemplare von ihrem Buch verkauft wurden, kennt sie ihr Honorar. Solange das Buch im Buchhandel erhältlich ist, flattert der Autor*in ein- bis zweimal pro Jahr eine Abrechnung ins Haus mit den Verkaufszahlen für das vorhergehende Jahr und dem entsprechenden Honorar. Bei Vertragsunterzeichnung wissen also weder Verlag noch Autor*in, wie viele Exemplare verkauft werden und wie viel Honorar dafür fällig wird.

Doch auch hier gibt es Durchschnittszahlen, die einen ersten Eindruck geben. Werden vom neuen Buch einer eher unbekannten Autor*in 1.000 Exemplare verkauft, so ist das nicht toll, aber auch nicht ganz mies. Werden davon 3.000 Stück verkauft, so kann man ganz zufrieden sein. Werden 5.000 Stück verkauft, so ist das Buch ein Erfolg. Verkaufen sich davon mehr als 10.000 Stück, so ist es ein großer Erfolg und womöglich fällt dann im Zusammenhang mit diesem Buch schon mal das Wort „Bestseller“.

Bei einem Achtungserfolg von 3.000 verkauften Exemplaren liegt das Honorar für die Autor*in also bei 1.380 €. Bei einem erfolgreich verkauften Buch mit 5.000 Stück sind es 2.300 € und bei einem Beinahe-Besteller mit 10.000 verkauften Exemplaren sind es 4.600 €.

Wird ein Buch zu einem viel beachteten Bestseller, dann gehen davon schon mal mehrere 10.000 oder gar mehrere 100.000 Exemplare über die Ladentheke und das Honorar liegt entsprechend höher.

Stundenlohn für’s Schreiben

Ein Honorar von 4.600 € ist nur bedingt aussagekräftig, wenn man nicht gegenrechnet, wie viel Zeit auf das Schreiben des Buches verwendet wurde. Natürlich ist das sehr individuell – und trotzdem, auch hier gibt es Durchschnittswerte, die zumindest erahnen lassen, wie die Stundenlöhne von Buchautor*innen so aussehen.

Für eine Beispielrechnung gehe ich davon aus, dass eine Autor*in vier Stunden braucht man, um eine Normseite Text zu erstellen. Vier Stunden deshalb, weil ich nicht nur das Schreiben berücksichtige, sondern auch Planung, Recherche, Schreiben und Überarbeiten. Selbstverständlich ist das nur ein theoretischer Wert. Manche schreiben 300 Romanseiten in einem Monat, andere brauchen dafür zehn Jahre. Der angesetzte Wert beruht auf meinen eigenen Erfahrungen und den Zeitangaben, die ich von Kolleg*innen oder bekannten Schriftsteller*innen kenne.

Ein typischer Roman hat etwa 300 Normseiten. Bei vier Stunden pro Seite stecken etwa 1.200 Stunden Arbeitszeit drin. Bei einem Gewinn von 4.600 € kommt man auf knapp 4 € Stundenlohn. Brutto, versteht sich. Davon müssen natürlich wie bei allen anderen Berufen Steuern und Versicherungen bezahlt werden. Also liegt das Honorar deutlich unter dem Mindestlohn.

Doch man sollte nicht vergessen, dass die oben genannte Zahl von 4.600 € für nur einen Titel gilt. Stetig schreibende Autor*innen haben oft mehrere Bücher am Laufen. Mehr als ein Buch pro Jahr schaffen die wenigsten. Also braucht man schon zehn einigermaßen gut laufende Bücher in zehn Jahren, um auf ein Honorar von 50.000 € zu kommen. Das wiederum verteilt sich auf mehrere Jahre – also immer noch nicht genug, um davon leben zu können.

Honorare für Hardcover, Sachbuch und Kinderbücher

Die oben genannten Honorare werden üblicherweise für Taschenbücher gezahlt. Für Bücher, die als Hardcover erscheinen, gibt es schon mal 8 bis 10 % vom Nettoladenpreis. Auch für Sachbücher liegen Honorare nicht selten bei 7 bis 10 % vom Nettoladenpreis. Besonders bei Sachbüchern wird deutlich, wie sehr der Verkaufserfolg von der Größe der Zielgruppe abhängt. Von einem spannenden Thriller lassen sich leichter 100.000 Stück verkaufen als von einem Ratgeber für Testfahrer*innen.

Auch bei Kinderbüchern ist die Zielgruppe deutlich kleiner als bei einem Krimi. Kinderbücher werden meist für bestimmte Altersgruppen angeboten. Nicht selten ist ein Bilderbuch für 3- bis 5-Jährige geschrieben. Da braucht es schon mehrere Mega-Bestseller, um auf 100.000 verkaufte Exemplare zu kommen. Dabei sind die Honorare für Kinderbücher ähnlich wie bei anderen Büchern: 5 % für Taschenbücher und etwas mehr für Hardcover.

Honorare für E-Books

Bei E-Books fallen einige der Herstellungskosten weg. Sie müssen beispielsweise nicht gedruckt oder per LKW durch die Lande gefahren werden. Entsprechend anders sehen die Kalkulationen der Verlage aus. Einen Teil der eingesparten Kosten geben die Verlage an die Leser*innen der E-Books weiter: Der Verkaufspreis eines E-Books liegt üblicherweise unter dem für die gedruckte Ausgabe. Ein anderer Teil der gesparten Kosten geht an die Autor*innen: Die Honorare für E-Books liegen oft zwischen 15 und 25 % vom Nettoabgabepreis der Verlage.

Klingt gut – doch dabei darf man nicht vergessen, dass je nach Zielgruppe die Zahl der verkauften E-Books deutlich unter der Anzahl der verkauften Printbücher liegt. Nicht selten verkaufen die Verlage von den elektronischen Versionen nur einen Bruchteil dessen, was in gedruckter Form über die Ladentheke geht.

Aber auch da gibt es Ausnahmen. Einige Buchtitel erscheinen nur als E-Book und erreichen hier eine sehr große Verkaufszahl. Nicht selten sind das schnell zu lesende Romane für eine sehr junge Zielgruppe. Nachschub für diese Zielgruppe liefern nicht nur einige Verlage mit ihren Ablegern, die sich ganz auf E-Books konzentriert haben, sondern auch viele Selfpublisher*innen.

Honorar-Staffelung für erfolgversprechende Bücher

Glaubt der Verlag an den Verkaufserfolg eines Buches, so bieten sie der Autor*in eine Staffelung des Honorars an. Das heißt, mit der Zahl der verkauften Exemplare steigt der prozentuale Anteil für die Autor*in. Die konkrete Staffelung wird dann im Verlagsvertrag genau beziffert – hier ein Beispiel:

  • 5 % bis 20.000 verkaufte Exemplare
  • 6 % bis 50.000 verkaufte Exemplare
  • 7 % bei mehr als 50.001 verkauften Exemplaren

 
Viele erfolgreiche Autor*innen erhalten solche oder ähnliche Staffelungen, wie man nicht zuletzt aus dem Rechtsstreit des Autorenduos Volker Klüpfel und Michael Kobr weiß.

Der Vorschuss für Bücher

Üblicherweise bezahlen Verlage Vorschüsse. Meist wird der Vorschuss über mehrere Etappen ausbezahlt, beispielsweise

  • 25 % bei Abschluss des Vertrags
  • 25 % bei Ablieferung des Manuskripts
  • 50 % bei Erscheinen des Buches

 
Der Vorschuss ist ein echter Vorschuss: Der prozentuale Anteil aus dem Verkauf des Buches wird gegengerechnet. Das heißt, die 5 % – ige Beteiligung für die Autor*in am Verkauf des Buches kassiert der Verlag, bis er den bezahlten Vorschuss wieder drin hat. Erst danach bekommt die Autor*in einen weiteren Anteil am Verkauf.

Üblicherweise muss eine Autor*in den Vorschuss nicht zurückgeben, auch wenn das Buch nicht so gut läuft wie erhofft. Verkauft der Verlag weniger als erwartet, zahlt er also am Ende drauf. Der Vorschuss ist wie eine Wette auf den Verkaufserfolg des Buches. Entsprechend sind die Vorschüsse der Verlage: Rechnet sich ein Verlag aus, dass er mit dem Manuskript einen großen kommerziellen Erfolg landen kann, liegen die Vorschüsse deutlich höher.

Kleinere Verlage bieten unbekannten Autor*innen ein paar 1.000 Euro als Vorschuss, meist liegt der Betrag unter 5.000 €. Mittlere oder große Verlage bezahlen schon mal 4.000 bis 7.000 €. Verspricht sich ein Verlag von einem Buch einen großen Erfolg, kann der Vorschuss eine mittlere fünfstellige Zahl betragen. Nur sehr erfolgreiche Autor*innen können sich noch mehr erhoffen.

Der Anteil für die Agent*in

Seit einigen Jahren wird es immer üblicher, dass sich Autor*innen von Literaturagenturen vertreten lassen. Wenn es gut läuft, dann baut eine Agentur „ihre“ Autor*in auf, diskutiert mir ihr neue Projekte und sorgt dafür, dass sie gute Verträge mit namhaften Verlagen unterzeichnen kann.

Da Agenturen gut vernetzt sind und persönliche Kontakte zu den Verlagen haben, ist ihre Chance deutlich besser, ein Manuskript unterzubringen. Außerdem kennen sie den Markt gut genug, um zu wissen, wann sie bessere Konditionen aushandeln können. Als Gegenleistung erhalten sie zwischen 15 und 20 % von allem, was eine Autor*in mit ihrem Buch verdient.

Beispiel Vorschuss: Bekommt eine Autor*in 5.000 Euro Vorschuss für ein Manuskript, so geht davon 750 € an die Agentur (bei 15 % Beteiligung) und der Rest an die Autor*in. Auch von der prozentualen Beteiligung am Verkauf des Buches geht der entsprechende Anteil an die Agentur.

Was zahlen Kleinstverlage?

Die oben genannten Honorare werden üblichweise von großen, mittleren und kleinen Verlagen bezahlt. Kleine Verlage, damit meine ich Verlage mit einer Zahl von 10 Angestellten und mehr. Und natürlich gibt es noch sehr viele Verlage, die deutlich kleiner sind, die Kleinstverlage. Viele von ihnen haben eine Nische gefunden, in der sie gut existieren können. Oft sind das sehr kleine Nischen, egal ob es Regionalverlage sind, die nur in und für eine bestimmte Region veröffentlichen, oder Verlage, die sich auf sehr enge Themengebiete spezialisiert haben. Die Kalkulation für Kleinstverlage ist oft knapper. Sie veröffentlichen pro Jahr nur eine geringe Anzahl von Büchern und damit steigt ihr Risiko, dass sich eines oder mehrere der Bücher nicht so gut verkaufen wie erwartet und sie damit Minus machen.

Entsprechend liegen die Honorare der Kleinstverlage oft unter den Honoraren der anderen. Auch die Vorschüsse sind niedriger: Viele können keinen Vorschuss bezahlen oder nur ein paar hundert Euro.

Aber vielleicht gleicht der Verlag das mit vermehrtem Engagement für seine Bücher aus oder mit einer persönlicheren Betreuung. Da man sich mit Büchern ohnehin keine goldene Nase verdient, ist die persönliche Ansprache für viele Autor*innen ein wichtiges Argument.

Was verdient man mit Selfpublishing?

Mit selbstpublizierten Büchern ist es wie mit den Verlagsbüchern: je erfolgreicher, desto mehr. Bringt man ein gedrucktes Buch auf eigene Faust heraus, so hängt der Verdienst oft am Umfang des Buches. Denn die Druckkosten tragen erheblich zu den Herstellungskosten bei und je dicker ein Buch, desto teurer die Herstellung. Da ein Hardcover in der Herstellung oft zu teuer ist, entscheiden sich die meisten Selfpublisher*innen für ein Taschenbuch. Doch nur wenige Menschen sind bereit, mehr als 10 oder 12 Euro für ein Taschenbuch einer eher unbekannten Autor*in zu bezahlen. Mit einem sehr dünnen Buch kann man vielleicht 1 bis 2 Euro pro Exemplar verdienen, wenn man im üblichen Preisbereich bleiben möchte. Bei dicken Büchern sinkt der Verdient schnell auf 60 oder 70 Cent oder weniger.

Schwierig ist auch die Kalkulation für Bilderbücher. Denn die Druckkosten für farbig gedruckte Buchseiten liegen deutlich über dem Preis für schwarz-weiß gedruckte Seiten. Entscheidet man sich außerdem für ein Hardcover, muss man einen sehr hohen Verkaufspreis ansetzen, um noch etwas zu verdienen. Doch erfahrungsgemäß ist es als unbekannte Autor*in schwer, so hochpreisige Bücher zu verkaufen.

Das Problem hat man bei E-Books nicht. Doch hier wiederum tobt ein Preiskampf. Im Gegensatz zu den Verlagen bringen viele Selfpublisher*innen E-Books für 3,99 € und weniger heraus. Da sinkt der Verdienst pro verkauftem Exemplar schnell auf 1 € und weniger.

Die Verkaufszahlen für selbst publizierte Bücher liegen oft niedriger als bei den Verlagsbüchern. Man kann sich glücklich schätzen, wenn man 1.000 Exemplare verkauft. Nur wenige Selfpublisher*innen bringen es auf deutlich bessere Verkaufszahlen.

Dabei sollte man berücksichtigen, dass man beim Selfpublishing weitaus mehr machen muss, als nur Schreiben. Habe ich einen Verlag im Boot, muss ich mich um nichts kümmern. Gebe ich mein Buch selber heraus, kann mir niemand reinreden – aber ich muss auch alles selber machen: Lektorat, Buchcover, Buchsatz, Marketing. Entweder ich mausere mich zur Spezialistin rund ums Buch und kann alles herausragend gut oder ich muss Expert*innen anheuern – und hoffen, dass die Ausgaben nicht die Einnahmen überschreiten. Ich muss also eine ganze Menge investieren (entweder Zeit, um es selber zu lernen, oder Geld, um jemand zu beauftragen), um herauszufinden, ob sich das Ganze rechnet.

Die besten und aktuellsten Zahlen zum Verdienst von Selfpublisher*innen hat Matthias Matting gesammelt von der selfpublisherbibel.de. Laut seiner aktuellen Umfrage zum Selfpublishing verdienen die Hälfte aller Teilnehmer*innen seiner Umfrage weniger als 30 € monatlich und nur etwa 10 Prozent bringen es auf 2.000 € im Monat und mehr. Hier nachzulesen: Die Verdienstmöglichkeiten im Selfpublishing.

Und wie ist das mit den Bestsellern?

Wann spricht man eigentlich von Bestsellern? Wie viele Bücher müssen da verkauft worden sein? Die Frage wird oft gestellt und ist schwer zu beantworten – denn auch hier gilt: Es kommt darauf an. Die üblichen Bestseller-Listen in den Magazinen geben nur eine Momentaufnahme ab. Denn sie messen die verkauften Exemplare pro Woche. Das Buch, das in der einen Woche am häufigsten verkauft wurde, landet auf Platz 1 der Bestsellerlisten. Je nachdem, wie viele Bücher in dieser Woche verkauft wurden – ob z.B. die Verkaufszahlen in der Woche vor Weihnachten oder in der Woche nach Weihnachten berücksichtigt werden – können das 50.000 oder 10.000 Exemplare sein. Hält sich ein Buch über viele Wochen in den Bestsellerlisten, so kann man davon ausgehen, dass eine sechsstellige Verkaufszahl erreicht wurde.

Außerdem gibt es viele Bücher, die nie in den Bestsellerlisten auftauchen, weil sie nie einen Spitzenplatz erreichen – und von denen ebenfalls eine sechsstellige Zahl abgesetzt wurde. Diese Bücher erreichen so hohe Verkaufszahlen, weil sie sich über einen längeren Zeitraum immer wieder gut verkaufen – die sogenannten Longseller.

Normvertrag für Autorinnen und Autoren

Viele Verlage orientieren sich mit ihren Konditionen am Normvertrag für den Abschluss von Verlagsverträgen. Dieser soll beiden Seiten helfen, einen fairen Vertrag abzuschließen, bei dem niemand über den Tisch gezogen wird. Die heutige Fassung beruht auf einer Version, die schon vor Jahrzehnten zwischen Autorenverbänden und Vertretern der Verlage ausgehandelt wurde. Die ursprüngliche Version wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert, da sich der Buchmarkt wie viele andere Branchen stetig verändert.

Dieser Mustervertrag beschreibt vor allem die Rechte und Pflichten der Unterzeichnenden. Konkrete Honorare werden nicht genannt, jeder Verlag trägt die eigenen Zahlen ein. Bekommt man als Autor*in einen Verlagsvertrag vorgelegt, so lohnt es sich, diesen Punkt für Punkt mit dem Normvertrag abzugleichen. Besonders interessant sind natürlich die Stellen, an denen der Verlag von der Vorlage abgewichen ist.

Der Mustervertrag zeigt außerdem, mit welchen Begriffen ich als Autor*in auf der sicheren Seite bin. Das macht sich zum Beispiel bei der Beschreibung des Honorars und des Vorschusses bemerkbar. Es ist ein Unterschied, ob ich „5 % vom Nettoladenpreis“ oder „5 % vom Nettoerlös“ bekomme. Der Nettoladenpreis ist eine klar definierte Größe: Verkaufspreis minus 7 % Mehrwertsteuer. Bei einem Taschenbuch für 9,99 € sind das 0,46 €. Der Nettoerlös dagegen wird errechnet: Der Verlag setzt eine bestimmte Marge für Vertrieb, Druck, Marketing usw. an und zieht das vom Verkaufspreis ab. Bei einem Taschenbuch für 9,99 € kann der Nettoerlös schon mal bei rund 5 Euro liegen. Bekomme ich 5 % vom Nettoerlös, sind das in diesem Fall 0,25 €. Problem Nr. 1: Der Nettoerlös ist niedriger als der Nettoladenpreis. Problem Nr. 2: Welchen Nettoerlös der Verlag für mein Buch ansetzt, erfahre ich erst nach dem Verkauf des Buches.

Beim Vorschuss wiederum sollte man darauf achten, dass es sich um einen „nicht rückzahlbaren“ Vorschuss handelt. Sonst kann es passieren, dass der Verlag zu Beginn einen üppigen Vorschuss bezahlt – und drei Jahre später einen Teil davon zurückfordert, weil das Buch nicht so gut gelaufen ist wie erwartet.

Kann man vom Schreiben leben?

Sehr erfolgreiche Autor*innen bekommen höhere Vorschüsse und höhere Beteiligungen am Verkauf ihrer Bücher als der Rest der schreibenden Zunft. Doch das sind wie gesagt die Ausnahmen: Je unbekannter eine Autor*in, desto weniger Verhandlungsspielraum hat sie beim Honorar.

Sehr bekannte und erfolgreiche Autor*innen verdienen viel Geld durch das Schreiben. Dazu trägt nicht nur der Verkauf der Bücher bei, oft kommen noch Lesungen hinzu, Auslandslizenzen, Filmrechte und/oder Merchandising-Produkte. Unterm Strich kommt genug Geld zusammen, dass sie vom Schreiben leben können.

Doch das schaffen nur sehr wenige. Laut Mario Andreotti können nur rund 2 % aller Autorinnen und Autoren in Deutschland vom Verkauf ihrer Bücher leben (Mario Andreotti: Die Struktur der modernen Literatur. 5. Auflage, UTB 2014, S. 115). Auch an anderen Stellen liest oder hört man ähnliche Zahlen, mal sollen es 1 % sein, mal 3 %, doch letztlich es bleibt dabei: Nur die wenigsten können vom Schreiben leben. Die meisten Autor*innen, deren Bücher veröffentlicht werden, verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit einem anderen Job.

Ausdauer zahlt sich aus

Für viele ist das keine gute Nachricht. Doch um seinen eigenen Weg als irgendwann (vielleicht) erfolgreiche Autor*in gezielt verfolgen zu können, braucht es eine realistische Einschätzung.

Erfolgreich wird man am Ende vor allem dann, wenn man zu Beginn aus ganzen Herzen das tut, was man gerne macht: Schreiben. Möchte man später veröffentlichen, empfiehlt es sich bereits in diesem Stadium, das Handwerk zu lernen. Das erhöht entschieden die Chance, später Leser*innen für die eigenen Bücher zu finden.

Erst dann sollte man sich die Frage stellen: Wie bringt mein Buch möglichst viel Geld ein? Viele träumen davon, gleich mit dem ersten Buch auf Bestseller-Listen zu landen und richtig viel Geld zu verdienen. Das kommt tatsächlich vor – doch es ist eher die Ausnahme als die Regel. Sieht man sich die Entwicklung bekannter Autor*innen an, so stellt man schnell fest: Erfolg haben vor allem diejenigen, die dran bleiben. Die nicht nach dem ersten Buch aufgeben. Die noch ein Buch schreiben und noch eins und noch eins.

Das Erfolgsgeheimnis: Zum einen wird man im Laufe des Schreibens besser. Es reicht nicht, sich mit den theoretischen Grundlagen des Schreibens zu beschäftigen. Man muss vor allem viel Schreiben: üben, üben, üben. Dann wird man im Laufe der Zeit besser. Auf diesem Weg gelingt es oft am schnellsten, seinen eigenen Stil zu entwickeln und neue, überraschend gute Werke zu schaffen.

Zum anderen sind Menschen Gewohnheitstiere. Klar, Leser*innen möchten immer wieder Neues kennenlernen. Doch viele schätzen es sehr, wenn sie von ihrer Lieblings-Autor*in immer weitere Bücher zu lesen bekommen. Beim ersten Buch ist die Fangemeinde einer Autor*in vielleicht noch überschaubar, aber im Laufe der Zeit wächst sie allmählich. Kommen beim dritten Buch neue Leser*innen hinzu, so kaufen diese sich gerne auch das erste und zweite Buch. Und die Leser*innen der ersten Stunde bleiben dran und lesen auch die neuen Titel. Hat man auf diese Weise mehrere Bücher am Start, die gut laufen, so steigt die Chance, dass nach einigen Jahren das Honorar zu einer stattlichen Summe heranwächst, mit der man ernsthaft rechnen kann.


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Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.
  1. Ulla Antworten

    Hallo Anette!
    Die Infos zu den Verdienstmöglichkeiten für Autoren bei Verlagen ist sehr interessant.
    Der Verdienst beim SP kommt aber meiner Meinung nach ein wenig schlecht weg. Selbst wenn über einen Distributor veröffentlicht wird, bekommt der Autor für ein e-book von 3,99 € je nach Shop bis zu 1,43 €.
    Natürlich muss man sich der Autor um einiges kümmern und für Lektorat usw. in Vorlage gehen. Allerdings sind heute bei e-books verkaufte 1000 Exemplare nicht sooo unwahrscheinlich.
    Viele Grüße
    Ulla

  2. Dagmar Macedo Antworten

    Liebe Anette,
    danke für diesen informativen, verständlichen und einfach sehr guten Artikel!
    Liebe Grüße
    Dagmar

  3. C.-M. Rosenberg Antworten

    Vielen Dank für den Artikel.
    Ich habe einen sehr guten Überblick erhalten.

  4. Meike Licht Antworten

    Liebe Anette!
    Vielen Dank für diesen wie immer hervorragend geschriebenen und super recherchierten Text. So viele interessante und nützliche Infos!

  5. Bubba Antworten

    Sehr informativ, danke!

  6. Maria Al-Mana Antworten

    Liebe Anette,
    wow!! Was für ein toller Beitrag! Alle wichtigen Punkte auf einen Blick! So etwas habe ich mir immer gewünscht. Und ich frage jetzt NICHT nach der Zeit, die dich die Recherche zu diesem kostenlosen Text gekostet hat …
    Darum ein umso dickeres DANKESCHÖN dafür!

    Herzlichen Gruß
    Maria

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