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Seriöse Literaturagentur finden – die wichtigsten Tipps

Sucht man einen Verlag für das eigene Buch, kommt man an Literaturagenturen kaum vorbei. Bei meiner Umfrage zu Literaturagenturen im Jahr 2018 hat sich herausgestellt, dass große Publikumsverlage fast nur noch Manuskripte veröffentlichen, die von Agenturen vermittelt werden. Sie verlassen sich auf die Expertise von Agent*innen, die auf den Buchmarkt spezialisiert sind. Doch wie findet man als unerfahrene Autor*in eine seriöse Literaturagentur?

Zum ersten Mal auf Verlagssuche

Für angehende Autor*innen gibt es nur eine Möglichkeit, das erste eigene Buch bei einem Verlag unterzubringen: Man muss das Manuskript einem Verlag oder einer Agentur anbieten, auch wenn bisher noch kein Kontakt bestand. Es sei denn, man wird von einem Verlag angesprochen oder kennt jemanden aus der Buchbranche. Doch diesen Glücksfall erleben nur wenige. Den meisten bleibt nichts anderes übrig, als Verlage oder Agenturen aus einem Verzeichnis herauszusuchen und anzuschreiben.

Einen Roman bietet man üblicherweise erst an, wenn das Manuskript fertig ist. Dann erstellt man ein Anschreiben und ein Exposé und ergänzt eine Leseprobe (mehr dazu findet sich in meinem Blogartikel Exposé schreiben für einen Roman). Anders dagegen bei Sachbüchern. Diese bietet man üblicherweise schon vor dem Schreiben an: mit einem Exposé, einer Gliederung und einem Probekapitel (mehr dazu findet sich in meinem Blogartikel Sachbuch schreiben). Beide Formen der Kontaktaufnahme werden in der Branche als „unverlangt eingesandte Manuskripte“ bezeichnet, obwohl man nicht das gesamte Manuskript schickt, sondern nur eine Leseprobe bzw. ein Probekapitel.

Die Zahl unverlangt eingesandter Manuskripte nimmt zu

Das Buchgeschäft ist in den vergangenen Jahren härter geworden. Manche Verlage mussten bereits schließen, andere kämpfen ums Überleben. Bücher konkurrieren mit Filmen, Internetseiten, Social-Media-Plattformen und Computerspielen. Dennoch erscheinen jedes Jahr aufs Neue 70.000 bis 80.000 Bücher. Darunter finden sich Romane mit hohen Auflagen, aber auch Klein- und Kleinstauflagen sowie zahlreiche Sachbücher und Übersetzungen ausländischer Bestseller.

Nur wenige Debütromane deutscher Autor*innen erreichen ein großes Publikum. Verlage gehen ein Risiko ein, wenn sie das erste Buch einer unbekannten Autor*in herausbringen. Niemand weiß, ob das Debüt die Kosten für Herstellung und Produktion wieder einspielt. Dennoch sind Verlage daran interessiert, neue Autor*innen aufzubauen.

Doch die Zahl der unverlangt eingesandten Manuskripte hat zugenommen. Verlage und Agenturen berichten, dass sie Zuschriften erhalten in Höhe einer mittleren vierstelligen Zahl – pro Jahr, versteht sich. Deshalb lagern gerade große Publikumsverlage das Sichten der Manuskripte inzwischen aus. Sie verlassen sich auf die Expertise von Literaturagenturen. Das Honorar für diese Dienstleistung bezahlen die Autor*innen: Üblicherweise bekommt die Agentur, die das Manuskript vermittelt hat, eine Erfolgsprovision. Diese liegt meist zwischen 15 und 20 %. Die Provision wird von jedem Betrag abgezogen, den eine Autor*in mit den Büchern verdient, die bei der Agentur unter Vertrag sind. Da Agenturen erst dann Geld bekommen, wenn ein Buch erfolgreich vermittelt wurde, verschwenden sie keine Zeit mit halbguten Projekten. Verlage können sich darauf verlassen, dass Agent*innen ihnen nur herausragende Manuskripte anbieten. So entwickelt sich die Zusammenarbeit über Jahre, man kennt sich und vertraut einander.

Großer Verlag oder kleiner Verlag?

Autor*innen, die bisher noch kein Buch veröffentlicht haben, wenden sich deshalb üblicherweise nicht direkt an einen Verlag. Denn da stehen die Chancen nicht besonders gut, aus dem riesigen Stapel unverlangt eingesandter Manuskripte gefischt zu werden. Sie bieten ihr Manuskript lieber einer Literaturagentur an. Auch hier stehen die Chancen nicht zum besten, da Agenturen ebenso wie Verlage mit Angeboten überschüttet werden. Trotzdem hat man mit einer Literaturagentur an der Seite die beste Möglichkeit, bei einem großen Verlag unterzukommen.

Anders sieht es aus bei kleinen Verlagen. Viele von ihnen sichten die unverlangt eingesandten Manuskripte noch selber. Denn Agenturen fordern in aller Regeln gute Konditionen, damit ihr Anteil am Honorar die Kosten deckt und trotzdem noch genügend für die Autor*innen übrig bleibt. Deshalb verhandeln kleinere Verlage lieber selber mit neuen Autor*innen, dann bleibt mehr für beide Seiten übrig. Weitere Informationen dazu finden sich in meinem Artikel Große Verlage setzen vor allem auf Literaturagenturen.

Wie findet man Literaturagenturen?

Doch gerade als Neuling stellt man sich die Frage: An welche Agentur kann ich mich wenden? Welche Agenturen gibt es überhaupt? Welche sind seriös? Und welchen sollte man das eigene Manuskript besser nicht anvertrauen?
Begibt man sich auf die Suche nach Literaturagenturen, so findet man verschiedene Verzeichnisse, sowohl online als auch offline. Gute Erfahrungen habe ich gemacht mit folgenden Quellen:

Im Handbuch für Autorinnen und Autoren aus dem Uschtrin Verlag finden sich neben zahlreichen Adressen auch viele weitere Informationen. Beispielsweise wird das Für und Wider von Literaturagenturen diskutiert, man erfährt, was man von einer Agentur erwarten kann und welche Unterlagen man vorlegen sollte.

Die Autorin Petra Schier listet auf ihrer Website Literaturagenturen für Belletristik, Sachbücher sowie Kinder- und Jugendbücher. Für jede Agentur findet sich eine kurze Beschreibung inklusive Arbeitsschwerpunkte.

Auf den Seiten des Deutschen Schriftstellerforums findet sich eine Tabelle mit Literaturagenturen, die einen schnellen Überblick ermöglicht.

Das zeichnet seriöse Literaturagenturen aus

Seriöse Literaturagenturen präsentieren sich mit einer Internetseite, die mehr über die Agentur und ihre Arbeit verrät: Wer sind die Agent*innen, welche Autor*innen vertreten sie, welche Titel sind vor kurzem herausgekommen bei welchen Verlagen? Die Liste der bisher vermittelten Buchtitel zeigt außerdem, mit welchen Verlagen die Agentur in der Vergangenheit schon erfolgreich zusammengearbeitet hat.

Natürlich gibt es auch seriöse Agenturen, die keine Website besitzen. Doch dann ist eine Einschätzung zur Größe der Agentur und zu ihrer Arbeitsweise nicht möglich. Da stellt sich die Frage, ob man von einer Agentur unter Vertrag genommen werden möchte, die sich nach außen als „Black Box“ präsentiert und keine Informationen über sich preisgeben mag.

Die Konditionen vor Vermittlung eines Manuskripts geben weitere Hinweise zur Seriosität einer Literaturagentur. Eine seriöse Agentur verlangt vorab kein Geld. Agenturen verdienen erst dann, wenn ihre Autor*innen ein Honorar überwiesen bekommen. Deshalb treten seriöse Agenturen in Vorleistung: Sie nehmen weder Geld für das Sichten der Manuskripte, noch für ein Lektorat der Leseprobe, noch für das Überarbeiten des Exposés. Diese Arbeiten werden erst nach Vermittlung des Manuskripts durch die Erfolgsprovision entlohnt. Das ist mit ein Grund, warum Agent*innen die eingesandten Unterlagen sehr genau prüfen. Stecken sie ihre Arbeit in ein Manuskript, das sie später nicht an einen Verlag vermitteln können, hat sich die Arbeitszeit nicht gerechnet. Deshalb ist diese Vorgehensweise am erfolgversprechendsten für Agentur, Verlag und Autor*in.

Mehr dazu, wie man sich bei Agenturen bewirbt und welche Unterlagen man braucht, findet man gleich hier auf meinem Blog: Wie man ein Buch veröffentlicht und wie man ein Exposé schreibt.


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Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.
  1. Cordula Natusch Antworten

    Hallo, Annette,
    vielen Dank für die Übersicht. Vor allem den Abschnitt darüber, wie man eine seriöse Agentur findet, finde ich sehr wichtig. Leider gibt es auch hier schwarze Schafe, die die Arglosigkeit von Autorinnen und Autoren ausnutzen.
    Beste Grüße
    Cordula

  2. Matthias Wittmaack Antworten

    Guten Tag Frau Dr. Huesmann,
    ich habe lange suchen müssen um an Informationen zu kommen, bezüglich schreiben eines Buches und vermarkten. Es ist beruhigend zu wissen, dass Sie Ihr Wissen zu Verfügung stellen. So hat man(n) das gefühl, nicht im Regen zu stehen. Vielen Dank dafür.
    Ich habe ein Buch über meine Kindheit in Hamburg / Sternschanze geschrieben, bin ein hamburger Butje. Dazu bin ich gekommen, weil ich einzelne Gesichten immer mal wieder in einer Hamburg- Gruppe bei Facebook veröffentlich habe.Da ich mehrfach gebeten wurde, ein Buch zu schreiben, kam ich dem nach.
    ” Anne Eck steiht nen Jung ohne Tüddelband!” Mal sehen ob es klappt. Ihnen die herzlichsten Grüße und vielen Dank für die Hilfen!
    Matthias Wittmaack

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