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Romane schreiben: Die 10 häufigsten Anfängerfehler

In Beratungen und Workshops habe ich schon viele Roman-Ideen und Roman-Manuskripte begutachtet. Interessanterweise sind es nur eine Handvoll Fehler, die sich immer wieder finden – und die am Ende dazu führen können, dass ein Manuskript komplett überarbeitet werden muss.


Die 10 häufigsten Anfängerfehler beim Schreiben eines Romans

1. Zehn Geschichten in einer
2. Über das eigene Leben schreiben
3. Sie wollen alles ganz anders machen
4. Auf Unterricht verzichten
5. Eine Veröffentlichung vernachlässigen
6. Nicht ins Schreiben kommen (Schreibblockade)
7. Der falsche Textaufbau
8. Zu viele Informationen
9. Zu früh abgeschlossen
10. Das Lektorat soll es richten


Die 10 häufigsten Anfängerfehler beim Schreiben eines Romans

1. Zehn Geschichten in einer

Der häufigste Fehler: Anfänger*innen neigen dazu, in einem Roman mehrere Geschichten auf einmal zu erzählen. Das ist, als ob man Harry Potter, Das Parfum und Romeo und Julia in eine Geschichte packt. Das kann nicht funktionieren. Ein guter Roman entsteht durch das Weglassen. Deshalb mein wichtigster Tipp: Fragen Sie sich in der Planungsphase, was der Kern Ihrer Geschichte ist. Was ist Ihnen an dieser Geschichte am wichtigsten? Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche und lassen Sie alles andere weg.

2. Über das eigene Leben schreiben

In jeder Geschichte steckt auch etwas von der Autorin / vom Autor. Doch die eigenen Erfahrungen sollten sich der Geschichte unterordnen. Es ist schon schwer genug, einen Roman zu schreiben. Noch schwerer ist es, einen autobiografischen Roman zu schreiben (Warum das so ist – das ist hier nachzulesen: Eine Biografie schreiben oder einen Roman?). Deshalb mein Tipp: Lassen Sie in Ihrem Erstlingswerk den autobiografischen Bezug weg. Schreiben Sie eine rein fiktionale Geschichte, das macht den Einstieg ins Schreiben leichter. Später, wenn Sie bereits mehrere Bücher veröffentlicht haben, ist es noch früh genug, einen autobiografischen Roman in Angriff zu nehmen.

3. Sie wollen alles ganz anders machen

Sie wollen nicht das schreiben, was alle schreiben? Sie wollen etwas ganz anderes schreiben? Endlich mal was schreiben, was so noch niemand geschrieben hat? Deshalb beschäftigen Sie sich nicht mit dem Handwerk und den Erwartungen der Leser*innen, denn dann würden Sie doch wieder nur das schreiben, was alle schreiben?
Ein kleines Beispiel aus der Musik. Denn Schreiben, Musik und Malerei ist gemeinsam, dass sie nicht nur ein Handwerk sind, sondern auch eine Kunst. Was würden Sie von einem Menschen halten, der Ihnen erzählt, dass er kein Instrument gelernt hat? Dass er keine Noten lesen kann und sich nie mit Musiktheorie beschäftigt hat? Doch nun möchte er die Musik revolutionieren und etwas ganz Eigenes komponieren, etwas, was es so noch nie gegeben hat?
Für einzigartige Genies mag das der richtige Ansatz sein. Sie sind kein einzigartiges Genie? Dann würde ich Ihnen empfehlen, sich zunächst mit dem Handwerk zu beschäftigen. Das hilft ungemein, um ein lesenswertes Buch zu schreiben.

4. Auf Unterricht verzichten

Zu Beginn setzen sich die meisten einfach hin und schreiben drauflos. Das bringt schon mal erste wertvolle Erfahrungen. Doch das autodidaktische Lernen kostet Zeit. Viel Zeit. Das ist wie beim Klavierspielen: Man kann sich das Klavierspielen selber beibringen. Oder man nimmt Klavierunterricht. Beide Wege führen zum Ziel. Doch mit Unterstützung und dem richtigen Input kommt man schneller voran. Deshalb mein Tipp: Holen Sie sich Input, auf welchem Weg auch immer. Lesen Sie Ratgeber, schauen Sie Videos, besuchen Sie Seminare (zum Beispiel meinen Selbstlernkurs Romane schreiben). Dann kommen Sie deutlich schneller voran beim Schreiben Ihres ersten Romans.

5. Eine Veröffentlichung vernachlässigen

Sie schreiben nur für sich? Sie wollen nicht unbedingt veröffentlichen? Wenn es dann doch klappt mit einem Verlag, dann wäre es natürlich schön? Das höre ich sehr häufig in meinen Beratungen. Doch die Erfahrung zeigt: Wenn das fertige Manuskript endlich auf dem Tisch liegt, ist die Enttäuschung groß, wenn außer den engsten Angehörigen niemand das Buch lesen mag. Natürlich weiß man zu Beginn nicht, ob es am Ende mit einer Veröffentlichung klappt. Aber wenn Sie sich diesen Weg offenhalten wollen, dann sollten Sie sich rechtzeitig ein paar Fragen stellen: Literatur oder Mainstream? Welches Genre soll es werden? Wer ist meine Zielgruppe? Je besser das Manuskript zu den Lesegewohnheiten und Erwartungen der Menschen passt, desto größer die Chance, am Ende Leser*innen zu finden.



6. Nicht ins Schreiben kommen (Schreibblockade)

Viele Anfänger*innen wollen von Anfang an alles richtig machen: Sie belegen Kurse, lernen das Handwerk, entscheiden sich für ein bestimmtes Genre und entwickeln einen spannenden Plot mit interessanten Figuren. Wenn es dann endlich losgehen soll mit dem Schreiben – dann geht nichts mehr. Das berühmte weiße Blatt (heute wohl eher der Bildschirm) will sich einfach nicht mit einzigartigen Schilderungen, witzigen Dialogen und spannenden Szenen füllen. Schreibblockade.
Das Problem: Zu Beginn möchten Anfänger*innen oft zu schnell zu viel. Jeder Satz soll von Anfang an sitzen und die eigenen hohen Erwartungen erfüllen. Aber so funktioniert das nicht beim Schreiben. Eines der berühmtesten Zitate stammt von Ernest Hemingway: Die erste Fassung ist immer Mist.
Wir müssen beim Schreiben lernen, das Unperfekte zuzulassen. Kein Mensch schreibt aus dem Stand perfekte Sätze. Wir müssen uns erlauben, eine allererste Rohfassung zu schreiben, die ziemlich schlecht ist. Nur wenn wir eine erste, mäßige Rohfassung haben, können wir daran arbeiten und diese allmählich besser machen. Der beste Weg zu einem guten Manuskript: Schreiben Sie eine erste, schlechte Fassung. Überarbeiten Sie die Rohfassung so lange, bis ein richtig guter Text daraus geworden ist.

7. Der falsche Textaufbau

Ein Roman besteht aus Text. Sehr viel Text. Den die Menschen mit Vergnügen lesen sollen. Das gelingt nur, wenn der Text einen guten Aufbau hat. Ein Mainstream-Roman besteht üblicherweise aus Beschreibungen (Landschaft, Innenräume o.ä.), aus Gedanken / Überlegungen / Gefühlen einer Figur (also die Innensicht), aus Dialogen und Handlung. Dabei macht die richtige Mischung den perfekten Text. Das heißt, ein Roman sollte nicht aus seitenlangen Beschreibungen, endloser Nabelschau der Figur oder überflüssigen Dialogen bestehen. Beschreibungen, Innensicht, Dialoge und Handlung sollten sich abwechseln und eine gute Mischung ergeben.

8. Zu viele Informationen

Sie schreiben einen Krimi über die weltweite Bedrohung durch Computerviren? Sie haben viel recherchiert und eine Menge interessanter Dinge herausgefunden? Und das soll natürlich alles ins Buch? Tun Sie‘s nicht. Ein Roman ist keine Ansammlung von Fakten. Dazu gibt es Sachbücher. Sie sollten sich mit Ihrem Wissen zurückhalten und bei jedem einzelnen Detail fragen, ob es wirklich der Geschichte nützt. Ob es die Handlung vorantreibt. Ob es wesentlich ist für die Figuren. Schmeißen Sie alles raus, was nicht einen bestimmten Zweck erfüllt. Und wenn Sie schon detailliertes Wissen einfließen lassen, dann sollten Sie sich die Mühe machen, das gut in die Handlung einzubauen. Kein Mensch will in einem Krimi eine zweiseitige Abhandlung über Computerviren lesen.

9. Zu früh abgeschlossen

Endlich geschafft? Und nun raus damit an die Verlage? Doch vorher sollten Sie sich die Zeit nehmen, alles sorgfältig zu kontrollieren. Ist der Text mehrfach überarbeitet? Ist er weitgehend fehlerfrei: keine Rechtschreibfehler, keine Zeichensetzungsfehler? Ist er spannend zu lesen? Stimmt die Formatierung?
Gerade als Anfänger*in neigt man dazu, einen Text zu früh rauszuhauen. Weil man ja schon ewig am Schreiben ist. Doch zu Beginn entsteht eine erste Rohfassung und dann fängt die Arbeit erst richtig an. Die meisten Autor*innen stecken deutlich mehr Zeit ins Überarbeiten des Textes als in das Schreiben der ersten Fassung. Denn erst durch das Überarbeiten wird ein Text wirklich gut.

10. Das Lektorat soll es richten

Sie schreiben eine erste Rohfassung und den Rest erledigt die Lektorin? Vergessen Sie’s. In diesem Fall müsste die Lektorin ein ganz neues Buch schreiben – und dann wäre es ihr eigener Text. Ein Lektorat dient dazu, aus einem perfekten Text das letzte Quäntchen Schönheit herauszuholen. Das Polieren des Diamanten sozusagen. Bei einem Rohdiamanten fängt die Lektorin gar nicht erst an. Sie braucht einen perfekt geschliffenen Diamanten, damit sie anfangen kann zu polieren.

 

 

Mehr davon? Weiteres Lesefutter rund um das Schreiben von Romanen finden Sie hier: Ein Buch schreiben und veröffentlichen – so geht’s.

Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.

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