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Buch schreiben – die zehn wichtigsten Tipps für erfolgreiche Bücher

Ein Buch schreiben: Das kann man lernen! Mit zehn einfachen Tipps zeigen ich Ihnen, worauf es beim Schreiben von spannenden Büchern wirklich ankommt.
 
 

1. Was für ein Buch möchten Sie schreiben?

Je klarer Ihre Vorstellung von dem Buch, das Sie schreiben möchten, desto leichter wird es. Deshalb sollten Sie sich schon frühzeitig Gedanken darüber machen, was es werden soll: ein Roman, eine Biografie, ein Jugendbuch, ein Kinderbuch oder ein Sachbuch?

Wenn man sich nicht entscheiden mag, was für ein Buch man schreiben möchte, dann macht man es sich unnötig schwer. Es ist schon schwer genug, einen guten Roman zu schreiben. Es ist noch schwerer, einen guten Mix aus Roman und Sachbuch hinzukriegen oder einen guten Mix aus Biografie und Kinderbuch. Außerdem macht eine Mischung es schwerer, Leser*innen zu finden. Das ist ähnlich wie in einem Restaurant. Will man eine ganz neue Mischung aus Hauptspeise und Dessert anbieten, ist es schon schwer genug, ein schmackhaftes neues Gericht zu kreieren. Aber wohin damit auf der Speisekarte? Zu den Desserts? Oder zu den Hauptspeisen? Noch schwerer wird es, Menschen davon zu überzeugen, für eine ganz neue und unerwartet andere Kreation Geld zu bezahlen.

Ein ganz bestimmtes Buch schreiben

Ähnlich ist es mit Büchern: Was man nicht klar zuordnen kann, ist schwer unterzubringen und schwer zu verkaufen. Natürlich ist ein Mix möglich und es finden sich Mischungen aller Art auf dem Buchmarkt. Aber als Anfänger*in gleich mit dem Schwersten anzufangen, was es beim Schreiben von Büchern überhaupt gibt – das sollten Sie sich gut überlegen.

Eine kleine Entscheidungshilfe:

  • Ein Roman ist eine rein fiktionale Geschichte.
  • Eine Biografie beschreibt wahrheitsgemäß das Leben eines Menschen.
  • Ein Jugendbuch richtet sich an eine Zielgruppe zwischen 12 und 18. Je enger die Zielgruppe, desto besser. Denn 13-Jährige interessieren sich für andere Themen als 18-Jährige.
  • Ein Kinderbuch richtet sich an eine Zielgruppe zwischen 3 und 11 Jahren. Auch hier gilt: Je enger die Zielgruppe, desto besser. Ein vierjähriges Kind interessiert sich für andere Bücher als ein zehnjähriges Kind.
  • Sachbücher präsentieren klar abgegrenzte Themen gut und spannend aufbereitet.

 
Mein wichtigster Tipp: Entscheiden Sie sich. Das macht den Einstieg ins Schreiben leichter. Nach dem 10. Bestseller ist immer noch Zeit für Experimente.

In diesem Blogbeitrag geht es nun weiter mit dem Roman. Wenn Sie eine andere Art Buch schreiben möchten, dann finden Sie hier auf meinem Blog weitere Informationen zu:

Kinderbuch
Sachbuch
Biografie

Und wie gesagt: Wenn Sie einen Roman schreiben möchten, dann sind Sie hier genau richtig.
 
 

2. Mainstream oder Literatur?

Soll Ihr Roman ein literarisches Werk werden oder eher Mainstream? Zur Klärung ist oft der Blick auf den eigenen Lesestapel hilfreich: Was lesen Sie gern? Es macht keinen Sinn, einen literarischen Roman in Angriff zu nehmen, wenn Sie selber keine literarischen Werke lesen. Ähnlich ist es mit den Büchern des Mainstream. Wer schon immer gern Krimis gelesen hat, bringt die beste Voraussetzung mit, einen guten Krimi zu schreiben.

Literarische Romane
Literarische Romane sind innovativ: Sie bringen neue Erkenntnisse für die Leser*innen, sind auf ganz neue Arten erzählt, experimentieren mit gewohnten Erzählmustern. Bei literarischen Romanen sind Experimente gewünscht und gewollt. Manche literarischen Werke stellen alles bisher Gewohnte auf den Kopf, wie der Roman „Wovon wir träumten“, von Julie Otsuka. Andere wiederum sind unauffällig anders, sie entsprechen den üblichen Erzähltraditionen und geben ganz nebenei neue Einblicke, beispielsweise der Roman „Unterleuten“ von Juli Zeh.

Doch egal, ob das Neue im Vordergrund steht oder ganz unauffällig daherkommt – natürlich muss die Qualität stimmen. Um das hinzukriegen, sollte man zunächst das Handwerk lernen. Das Experimentieren kommt dann im Anschluss. Das ist ähnlich wie in der Malerei oder in der Musik. Möchte ich als Jazz-Musikerin frei improvisieren, dann sollte ich zunächst das Handwerk lernen: Noten, ein Instrument, Jazz. Erst dann widme ich mich der freien Improvisation. Beginne ich als Anfängerin gleich mit der Improvisation, ohne zuvor ein Instrument zu lernen, könnte es schwer werden mit der Qualität. Ähnlich ist es beim Schreiben.

Romane des Mainstream
Romane des Mainstream sind nicht experimentell geschrieben. Bei ihnen stehen neue, ungewöhnliche Geschichten im Vordergrund. Nicht der Schreibstil ist innovativ und auch nicht die Erzählweise. Die Geschichten sind innovativ. Das heißt: Diese Bücher erzählen außergewöhnliche Geschichten auf ganz traditionelle Art. Oder sie machen aus traditionellen Stoffen neue, ungewöhnliche Geschichten, die traditionell erzählt sind, beispielsweise „Harry Potter“ von J.K. Rowling. Natürlich muss auch hier die Qualität stimmen. Bevor man sich außergewöhnliche Geschichten ausdenkt, lernt man also zunächst das Handwerk des Schreibens: Plotten, Figurenentwicklung, Schreibstil – das volle Programm.

Wer noch mehr lesen möchte zum Unterschied zwischen Literatur und Mainstream, der wird hier auf meinem Blog fündig:

Was unterscheidet Literatur und Mainstream?
 
 

3. Eine richtig gute Idee

Ganz egal, ob Sie einen literarischen Roman oder einen Mainstream-Roman schreiben möchten: Die wichtigste Voraussetzung ist eine richtig gute Idee. Durchschnittliche Ideen gibt es wie Sand am Meer: Das sind Geschichten, bei denen man gleich zu Anfang denkt – ah, so was Ähnliches habe ich schon mal gelesen. Natürlich ist es schwer, sich etwas auszudenken, was es so oder so ähnlich nicht schon irgendwann mal gegeben hat. Die Herausforderung ist, eine durchschnittliche Idee so weiterzuentwickeln, dass daraus eine richtig gute Idee wird. Eine Möglichkeit: Man nimmt an der eher durchschnittlichen Grundidee eine Veränderung vor, die dafür sorgt, dass etwas wirklich Neues entsteht.

So wird aus einer durchschnittlichen Idee eine außergewöhnliche Geschichte
Ein Beispiel: „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green. Die Grundidee: Zwei Jugendliche lernen sich kennen, verlieben sich und erleben die ersten Wochen und Monate ihrer neuen Liebe. Ok, das gab es schon hunderttausendfach. Das Außergewöhnliche an diesem Roman: Die beiden lernen sich in einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Jugendliche kennen. Beide sind an Krebs erkrankt und wissen nicht, wie es mit ihnen und ihrer Erkrankung in den nächsten Monaten oder Jahren weitergeht. Unter dieser Voraussetzung ist die Liebesgeschichte ganz neu und ungewöhnlich, denn die Hauptfigur kämpft mit der Frage, ob sie es dem anderen zumuten kann, dass sie vielleicht in absehbarer Zeit stirbt. Ob es fair ist, in dieser Situation eine Beziehung einzugehen.
Und so wird durch die Tatsache, dass beide an Krebs erkrankt sind, aus der scheinbar so banalen Liebesgeschichte zwischen zwei Jugendlichen eine ganz neue, andere, herausfordernde und ungewöhnliche Geschichte. Aus der banalen Grundidee „Zwei Jugendliche verlieben sich“ wurde die außergewöhnliche Grundidee „Zwei krebskranke Jugendliche verlieben sich“. Und daraus entstand diese außergewöhnliche Geschichte.

Die Herausforderung ist also nicht, sich etwas ganz Neues auszudenken. Das ist kaum machbar. Geschichten sind so alt wie die Menschheit und was könnte man da erzählen, was nicht viele andere schon erzählt haben. Die Herausforderung ist, den „bekannten“ Zutaten für einen Liebesroman, einen Krimi oder einen Thriller eine neue, ungewohnte Zutat hinzuzufügen. Damit die Geschichte einen neuen, anderen, spannenden Dreh bekommt.

Gute Geschichten beruhen auf außergewöhnlichen Ideen
Ein weiteres Beispiel: Ein Mann und eine Frau lernen sich kennen, verlieben sich, habe eine Beziehung und trennen sich wieder. So einfach, so banal: „Agnes“ von Peter Stamm. Das Außergewöhnliche an dieser Geschichte: Am Ende scheint die Frau einfach zu verschwinden. Es bleibt offen, ob es sie und damit auch diese Beziehung jemals gegeben hat. Eine einfache Idee, schnörkellos geschrieben, ungewöhnlicher Schluss. Auch das hat gut funktioniert.

Die Geschichte muss zum Genre passen
Bei der Entwicklung guter Ideen gibt es noch eine weitere Herausforderung zu meistern. Bei literarischen Werken muss die Idee genug Input liefern für einen innovativen Roman. Sei es, dass der Schreibstil innovativ ist oder die Art des Erzählens oder der Blick auf die Gesellschaft.

Bei einem Mainstream-Roman muss die Geschichte nicht nur außergewöhnlich sein, sie muss auch zum Genre passen. Denn von Mainstream-Romanen wird erwartet, dass sie einem bestimmten Genre zugerechnet werden können wie beispielsweise Krimi, Liebesroman oder Science Fiction. Das ist eine besondere Herausforderung: Die Geschichte muss sich im üblichen Rahmen eines bestimmten Genres bewegen und trotzdem außergewöhnlich sein – wie kann das gehen? Was kann man sich noch ausdenken, was es z.B. als Liebesroman oder Krimi oder Thriller nicht schon gegeben hat? Gute Beispiele sind „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green, „Die Falle“ von Melanie Raabe und „Zerrissen“ von Juan Gómez-Jurado. Alle drei Geschichten bewegen sich innerhalb ihres Genres im Rahmen des Üblichen und sind doch außergewöhnlich.

Wer mehr über Genres erfahren möchte, kann hier weiterlesen: Buchgenres – macht das Sinn oder kann das weg?
 
 

4. Der Planungssatz

Steht die außergewöhnliche Grundidee für das Buch, dann sollten Sie die Handlung der Geschichte in einem Satz zusammenfassen. Diese Zusammenfassung wird auch Planungssatz oder Logline genannt. Der Planungssatz ist der rote Faden für die Geschichte, das heißt, von Anfang bis Ende sollten alle Ereignisse im Buch diesen Planungssatz mit Leben füllen.

Der Planungssatz hilft, die wichtigsten Geschehnisse trotz vieler kreativer Einfälle nicht aus dem Auge zu verlieren. Doch er sollte nicht nur eine Zusammenfassung der Geschichte sein, er sollte auch den Hauptkonflikt enthalten. Es finden sich in jedem Buch eine Menge Konflikte, doch nur der Hauptkonflikt gibt den rote Faden vor.

Ein gutes Beispiel ist der Roman „Das Parfum“ von Patrick Süskind. So könnte die Geschichte in einem Satz lauten:

Ein Mann ohne Eigengeruch und mit genialem Geruchssinn will sich aus dem Geruch junger Frauen ein Parfum machen, das ihn liebenswerter macht.

Der Satz fasst zwar das Buch zusammen, doch der Hauptkonflikt fehlt. Mit anderen Worten: Wo ist in dieser Geschichte das Problem, das heißt, wo ist der Konflikt? Das, was das Buch erst so richtig spannend macht? Hier die Zusammenfassung in einem Satz inklusive Hauptkonflikt:

Ein Mann ohne Eigengeruch und mit genialem Geruchssinn ermordet junge Frauen und macht aus ihnen ein Parfum, das ihn liebenswerter machen soll.

In der zweiten Version ist klar, woraus sich in diesem Buch die Spannung ergibt, wo das größte Konfliktpotenzial liegt: Die Hauptfigur des Romans ist ein Mörder. Damit ist klar, dass er eine Menge Ärger am Hals hat. Im Buch ordnen sich alle Ereignisse und Szenen diesem Hauptkonflikt unter – das ist der rote Faden der Geschichte.

Noch bevor Sie anfangen Ihr Buch zu schreiben, sollten Sie den Planungssatz formulieren. Natürlich können es für diese erste Planung auch mal zwei oder drei Sätze sein. Doch die Zusammenfassung sollte so einfach wie möglich werden. Ist die Logline zu kompliziert, dann wird vielleicht auch die Geschichte zu kompliziert. Geübte Autor*innen kriegen das in den Griff, doch mit weniger Übung könnte das schwierig werden.

 
 



5. Der Plot

Will man ein spannendes Buch schreiben, so entwickelt man aus dem Planungssatz einen spannenden Plot. Der Plot ist der Handlungsverlauf eines Romans, der sich aus allen Ereignissen einer Geschichte ergibt. Das wichtigste Grundprinzip eines spannenden Plots: Kausalität. Das heißt, alle Ereignisse eines Plots sollten kausal zusammenhängen. In einer guten Geschichte passiert nichts, was sich nicht aus dem Vorhergehenden ergibt.

Einzige Ausnahme: der Einstieg. Das erste Ereignis in einem Buch kann rein zufällig sein. Doch es sorgt dafür, dass alle darauffolgenden Ereignisse ins Rollen kommen – deshalb wird es auch auslösendes Ereignis genannt. Das auslösende Ereignis steht zu Beginn einer Geschichte und setzt alles Darauffolgende in Gang. Das ist ganz ähnlich wie beim Dominoeffekt: Der erste Stein fällt und reißt alle nachfolgenden Steine mit. Für einen guten Unterhaltungsroman ist die Kausalität des Plots die wichtigste Basis.

In der Planungsphase sollte man sich die wichtigsten Ereignisse und Wendepunkte des Plots zurechtlegen. Der Planungssatz gibt vor, welche Ereignisse zur Geschichte gehören und welche nicht. Ist der Handlungsverlauf soweit klar, dann sollte er einen guten Spannungsbogen kriegen: Der Plot braucht eine innere Dramatik. Diese entsteht dadurch, dass sich die Ereignisse allmählich zuspitzen.

Um einen guten Spannungsbogen für sein Buch hinzukriegen, kann man mit Dramenmodellen arbeiten. Das einfachste Dramenmodell ist der Dreiakter, der auf Aristoteles zurückgeht. Bis heute wird der Dreiakter für die Dramatisierung von Drehbüchern und Romanen eingesetzt.

Erster Akt
Zu Beginn steht ein auslösendes Ereignis und die ersten sich allmählich steigernden Ereignisse.

Zweiter Akt
Die Ereignisse spitzen sich immer weiter zu – bis sie schließlich in einem Höhepunkt gipfeln, der meist eine dramatische Wende für den Handlungsverlauf mit sich bringt.

Dritter Akt
Im letzten Akt folgt eine Kette von besonders dramatischen Ereignissen und dann der Schluss. Der Schluss muss die logische Folge der vorhergehenden Geschehnisse sein. Je weniger Zufall im Spiel ist, desto mehr Drama.

Um einen spannenden Plot zu entwickeln formuliert man am besten vier Sätze:

Erster Satz: Zusammenfassung der Geschichte inklusive Hauptkonflikt.
Zweiter Satz: Auslösendes Ereignis und erster Akt.
Dritter Satz: Zweiter Akt mit Höhepunkt (= Wendepunkt).
Vierter Satz: Dritter Akt mit finalem Kampf (Show-Down) und Schluss.

Um ein spannendes Buch zu schreiben, nutzt man am besten Dramenmodelle wie den Dreiakter


Und hier der Dreiakter im Bild: Das auslösende Ereignis bringt die ganze Geschichte in Gang. Danach sollten sich die Ereignisse allmählich zuspitzen und auf einen Höhepunkt zusteuern, der eine dramatische Wende bringt. Danach spitzen sich die Ereignisse weiter zu, dann folgt meist ein finaler Kampf (Show-Down) und der Schluss.


 
 

6. Die Figuren

Spannende Bücher brauchen interessante Figuren. Um das hinzukriegen, entwickelt man die Hauptfiguren für sein Buch dreidimensional. Das heißt, die Figuren brauchen ein prägnantes Äußeres (1. Dimension), sie haben ein psychologisches Profil (2. Dimension) und ein soziales Profil (3. Dimension).

Interessante Figuren sollten außerdem etwas Außergewöhnliches haben. Etwas, das sie aus der Masse hervorhebt: ein außergewöhnliches Hobby oder außerordentliche Charakterzüge oder eine außergewöhnliche Lebensgeschichte oder etwas anderes Einzigartiges.

Am leichtesten gelingen spannende Figuren, wenn man ihnen einen ungewöhnlichen Wunsch mitgibt und den starken Willen, sich diesen Wunsch zu erfüllen – gegen alle Hindernisse. Viele AutorInnen schreiben Bücher, die 300 Seiten und mehr haben. Dann muss man das Interesse am Schicksal der Figur über viele Seiten aufrechterhalten. Verfolgt die Hauptfigur unbeirrt ein bestimmtes Ziel, so bleiben die LeserInnen bis zum Schluss dran um herauszufinden, ob die Figur es am Ende schafft.
 
 

7. Show don’t tell

Das Prinzip „Show don’t tell“ gilt derzeit als eine der wichtigsten Empfehlungen beim Bücherschreiben überhaupt. Dieses Prinzip unterscheidet zwei Arten von Erzählweisen: narrativ und szenisch. Beim narrativen Erzählen werden die Geschehnisse beschrieben.

Beim szenischen Erzählen werden die Ereignisse „gezeigt“ durch Dialoge und Handlungen. Wir schildern bildhaft, was wir vor unserem inneren Auge sehen, damit die Geschehnisse lebendiger werden. Das szenische Schreiben gelingt, wenn wir alle fünf Sinne ansprechen: Wir beschreiben, was die Figuren in der Geschichte hören, was sie sehen, riechen, schmecken und fühlen. Das Ziel ist, dass bei den LeserInnen eine bildhafte Vorstellung von dem Geschehen entsteht.

Klassische Beispiele für die narrative Erzählweise sind Märchen wie Hänsel und Gretel. Hier ein Beispiel, wie sich der Unterschied bemerkbar macht.

So klingt es narrativ:

Hänsel und Gretel verirrten sich im Wald. Dort war es dunkel und kalt, und sie fürchteten sich sehr.

So klingt es szenisch:

Gretel zitterte und ihr blasses Gesicht hob sich von den nachtschwarzen Baumstämmen ab.
„Ich bin müde“, flüsterte sie.
Hänsel wischte sich mit dem Handrücken die Nase.
„Wir müssen weiter“, drängte er.

(Das Beispiel verdanke ich meiner Kollegin Simone Harland und dem Autorenforum Montségur.)

Wesentlicher Bestandteil des szenischen Erzählens sind Dialoge. Aber es kommen noch viele weitere Elemente hinzu, insbesondere bildhafte Schilderungen von Schauplätzen, Figuren und Handlungen.
 
 

8. Die Dialoge

Man könnte meinen, das Wichtigste am Dialog ist, was gesprochen wird. Doch das Gegenteil ist der Fall: Dialoge leben vor allem von dem, was nicht ausgesprochen wird. Der häufigste Anfängerfehler: Die Figuren reden zu viel.

Zurück zu unserem Beispiel von Hänsel und Gretel.

Hier wird zu viel geredet:

Gretel zitterte und ihr blasses Gesicht hob sich von den nachtschwarzen Baumstämmen ab.
„Es ist so kalt hier und wir wissen doch gar nicht, wo wir sind. Außerdem bin ich müde“, flüsterte sie.
Hänsel wischte sich mit dem Handrücken die Nase.
„Bald ist es Mitternacht und wenn wir nicht schnell den Weg nach Hause finden, müssen wir im Wald übernachten. Dort sind wir den wilden Tieren ausgeliefert. Wir haben keine Zeit, wir müssen weiter“, drängte er.

Und so klingt die wortkarge Version:

Gretel zitterte und ihr blasses Gesicht hob sich von den nachtschwarzen Baumstämmen ab.
„Ich bin müde“, flüsterte sie.
Hänsel wischte sich mit dem Handrücken die Nase.
„Wir müssen weiter“, drängte er.

Spannende Dialoge entstehen erst durch Überarbeitung. Steckt man mitten im Schreibprozess, dann schreibt man Dialoge am besten so, wie einem die Worte gerade in den Sinn kommen. Diese erste Version sollte man später überarbeiten: Damit es unterhaltsamer und spannender wird, hilft es oft, die Sätze in direkter Rede soweit zu kürzen, dass sie gerade noch verständlich sind. Den LeserInnen reichen meist schon wenige Worte, um einer Geschichte folgen zu können. Alles, was darüber hinausgeht, wird oft als langweilig empfunden.

Natürlich gibt es richtig gute Bücher mit wortreichen Dialogen. Aber es braucht eine Menge Erfahrung, um ausführliche Dialoge zu schreiben, die nicht langweilen. Deshalb ist es zu Beginn einfacher, Dialoge knapp zu halten.
 
 

9. Das Gefühl

In der Musikszene ist es längst bekannt und wir ZuschauerInnen wissen es spätestens seit „The Voice of Germany“: Beim Singen geht ohne Gefühl nichts. Und beim Malen und Schreiben ist es nicht anders: Nur wenn man sein eigenes, echtes Gefühl in ein kreatives Werk hineingibt, wird es richtig gut. Warum das so ist? Weil wir Menschen sehr feine Antennen für die Gefühle anderer haben. Weil wir merken, ob ein Lied, ein Bild oder eine Geschichte menschliche Gefühle transportiert. Drückt ein kreatives Werk echte Gefühle aus, reagieren wir mit eigenen Gefühlen darauf – wir sind berührt und das Werk hinterlässt einen tiefen Eindruck bei uns.

Doch wie kommen meine Gefühle in das Buch, das ich schreibe? Wenn ich eine Szene schreiben will, dann tauche ich in die Geschehnisse ein, ganz tief, bis ich das fühle, was die Personen in meiner Szene empfinden – das, was ich gerade beschreiben möchte. Erst dann schreibe ich das Ganze auf – aus meinen eigenen, echten Gefühlen heraus.
 
 

10. Ein guter Schreibstil

Die schwierigste Frage zum Schluss: Was macht einen guten Schreibstil aus? Und wie komme ich dahin?
Da hilft nur eines: Ausprobieren. Viel schreiben. Herausfinden, womit man sich wohlfühlt. Zu Beginn kann man sich an dem orientieren, was man selber gerne liest. Eine gute Übung ist es, wenn man seinen eigenen Text immer wieder aufs Neue schreibt in unterschiedlichen Schreibstilen: mal als Comic, mal wie Kafka, mal wie Rowling und mal wie ein Heftroman. So kann man die Unterschiede besser erkennen und lernt, die Sprache bewusst einzusetzen.

Vorsicht ist geboten mit Metaphern und Adjektiven. Viele tolle Bücher sind gespickt davon, doch andere werden dadurch unleserlich. Denn Metaphern und Adjektive sind wie das Salz in der Suppe: Mit Bedacht eingesetzt sind sie wundervoll, aber eine kleine Prise zu viel reicht schon, um das Ganze ungenießbar zu machen.
 
 


Dr. Anette Huesmann ist Autorin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Sprachwissenschaftlerin. Sie leitet Workshops zum Kreativen Schreiben, schreibt Bücher und berät (angehende) AutorInnen. Hier finden Sie die aktuellen Schreibkurse und hier erfahren Sie mehr über ihr Beratungsangebot.
  1. Saskia Bessler Antworten

    Hallo
    Vorab danki für die Tipps die haben mir schon weitergeholfen.
    Ich möchte seit längerem ein Buch schreiben und bin auch schon dabei Ideen Handlingen Geschehnisse und weiteres aufzuschreiben ich hab an sich viele Ideen und frage mich jetzt nur wie ich die Lücken füllen kann also ich hab halt für den Anfang fürs Ende und die Mitte Ideen und diese schmal aufgeschrieben nur das zusammenknüpfen ist schwieriger.
    Auserden ist es schlimm das ich schon ein Namen für das Buch habe und selbst selbst ein selbst gemaltes Cover entworfen habe? Ich hoffe das sie mir vielleicht 1-2 Tipps geben können und ich sie jetzt nicht um ihre Zeit bringe.

    • Saskia Bessler Antworten

      Dazu kommt auch noch das ich nicht möchte das so viel Klischeehaftes passiert da es ja auch nicht ein Buch wie jedes andere werden soll. Das ist eines der Dinge überdies ich mir auch Gedanken mache.

      • Die Schreibtrainerin

        Hallo Frau Bessler,

        Klischees vermeidet man, indem man sie bricht. Man sollte sich also überlegen, was ein Klischee sein könnte und es dann bewusst anders machen.

        Viel Erfolg!
        Anette Huesmann

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Frau Bessler,

      die Lücken können Sie mit weiteren Ideen füllen – da muss man sich dann immer etwas Neues ausdenken. Sie sollten Ihrem Projekt auf jeden Fall einen Titel (=Namen) geben, aber auf keinen Fall ein Cover. Das Gestalten des Covers sollte man den Profis überlassen, also ausgebildeten Grafiker*innen.

      Viel Erfolg!
      Anette Huesmann

  2. Isabel Antworten

    Guten Morgen Frau Huselmann,
    vielen Dank für die vielen guten und hilfreichen Tipps! Ich habe ein eher ungewöhnliches Problem, das mir in den anderen Kommentaren nicht begegnet ist und hoffe, dass Sie mir trotzdem helfen können: Ich schreibe unheimlich gerne, Gedichte, kurze Geschichten und Szenen. Für ein ganzes Buch fehlt mir aber schlicht die Idee zur Handlung. Die brauche ich aber ja, um sie hinterher auch ausformulieren und spannend aufschreiben zu können.
    Bin ich einfach nicht geeignet, ein Buch zu schreiben? Gibt es Tipps, um auf erste Ideen zu kommen?
    Vielen Dank für Ihre Hilfe,
    Isabel

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Isabel,

      es gibt nur einen Weg, um herauszufinden, ob Sie dafür geeignet sind, ein Buch zu schreiben: Sie probieren es aus. Da es sehr viel Spaß macht, ein Buch zu schreiben, lohnt sich auf jeden Fall ein Versuch. Wie man erste und vor allem gute Ideen findet, das können Sie hier in meinem Blogbeitrag nachlesen: Wie man gute Romanideen findet.

      Viel Freude wünsche ich Ihnen bei der Ideensuche!
      Anette Huesmann

    • Andrea Naskov-Hochwarter Antworten

      Hallo,
      Seit einiger Zeit habe ich das Verlangen meine Geschichte auf Papier zu bringen. Es handelt hauptsächlich von meinem Leben und von der Beziehung zu meinen Eltern. Hier spielt auch das Leben bzw. Ein Lebensabachnitt meines Vaters eine wichtige Rolle. Ich habe aber Angst vor der Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Wenn ich aus meiner Perspektive schreibe, weiss man ja dass es sich um meinen Vater handelt. Auch wenn ich den Namen ändere. Wie kann ich hier vorgehen? Ihn fragen ist ausgeschlossen.

      • Die Schreibtrainerin

        Hallo Frau Naskov-Hochwarter,

        da sollten Sie am besten vorher eine Anwältin / einen Anwalt fragen, die / der auf Persönlichkeitsrecht oder Medienrecht spezialisiert ist. Es gibt einige, die sich genau mit diesen Fällen befassen, denn das ist nicht nur bei Büchern, sondern auch bei Filmen ein wichtiges Thema.

        Alles Gute wünsche ich Ihnen
        Anette Huesmann

  3. Sarah Wallenberger Antworten

    Vielen Dank für die guten Tipps. Ich hege seit langem den Traum einen Roman zu schreiben und habe auch unzählige Ideen in meinem Kopf. Nur finde ich kaum Zeit, mich hinzusetzen und einfach anzufangen. Haben Sie Tipps, wie ich es schaffe, trotz Studium, Prüfungsstress und vielem anderen, an einem Roman zu arbeiten? Ist es überhaupt möglich, so ganz „nebenbei“ ein Buch zu schreiben?

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Frau Wallenberger,

      die meisten Romane werden „nebenbei“ geschrieben – denn die meisten Autor*innen schreiben nicht hauptberuflich, sondern nebenberuflich. Um das hinzukriegen, funktionieren am besten feste Schreibzeiten. Das heißt, Sie wählen die Stunden, die gut in Ihren persönlichen Alltag passen: immer Freitagabend von 18.00 bis 22.00 Uhr oder jeden Morgen von 7.00 bis 8.00 Uhr oder immer Samstagvormittag und Sonntagvormittag. Sie sollten ein bestimmtes Zeitfenster als feste Schreibzeit wählen und so oft wie möglich die Schreibzeit einhalten – egal ob Sie müde sind, keine Lust haben oder lieber schlafen möchten. Haben Sie mehrere Schreibzeiten pro Woche, dann kommen Sie schneller voran, haben Sie nur eine Schreibzeit pro Woche, geht es langsamer voran. Aber in jedem Fall kommen Sie voran. Übrigens haben auch viele große Schriftsteller*innen so gearbeitet und trotz Arbeit „nebenbei“ Romane geschrieben.

      Viel Erfolg wünsche ich Ihnen
      Anette Huesmann

  4. Sarah Mars Antworten

    Ach so, noch etwas: Kann ich meine Kapitel/ Geschichte aich an mehrere Verlage gleichzeitig schicken und dann gucken, wer absagt und zusagt (wie man das auch immer macht) und anschließend eintscheiden, welchen Verlag mein Buch verkaufen darf?
    Und man schickt ja nur das Manuskript zum Verlag, und wenn der das Manuskript annimmt, wie entsteht daraus ein Buch mit Cover, Klapptext und Co.? Muss man Geld dafür bezahlen? Wenn ja, wie teuer ist so etwas? Muss ich den Klapptext selber entwerfen? Und das Cover auch?
    Ich hoffe, sie haben Geduld für diese vielen Fragen! Entschuldige und liebe Grüße, Sarah ;)

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Frau Mars,

      auch dazu finden Sie die Antworten in meinem Blogbeitrag „Buch veröffentlichen„.

      Ich drücke Ihnen die Daumen
      Anette Huesmann

      • Vivien

        Hallo, ich habe folgende Frage.
        Sie haben gesagt keines der Ereignisse darf zu viel sein. Was ist nun aber wenn man am Anfang ein Ereignis beschreibt zu dem die darauffolgenden Geschichte hin führt? Dieses Ereignis führt ja kein anderes Ereignis ein ist das dann schlecht?

      • Die Schreibtrainerin

        Hallo Vivien,

        nein, das passt auch gut. Denn das am Anfang geschilderte Ergebnis gehört ja in diesem Fall zwingend zur Geschichte dazu, weil es das Ende der Geschichte ist – und nur am Anfang kurz als Vorgeschmack auf das, was noch kommt, geschildert.

        Viel Erfolg
        Anette Huesmann

  5. Sarah Mars Antworten

    Guten Tag Frau Huesmann,
    erst einmal vielen Dank für ihren Beitrag!
    Da sie selbst Autorin sind- wie hat das angefangen, dass sie irgendwann Erfolg hatten? Wie schickt man fertige Bücher zu einem Verlag? Und zu welchem? Und schickt man die komplette, fertige Geschichte oder nur wenige Kapitel? Wenn alle Verläge die Geschichte nicht annehmen.- kann man dann auch alleine, sprich ohne Verlag ein Buch herausbringen? Wenn ja, wie? Und wird es dann trotzdem in die Buchhandlungen kommen? Ich möchte mein erstes Buch schreiben und habe dort fast alles fertig- es wird quasi ein Tier- Roman. Ich habe viel im Internet geguckt, aber dem darf man auch nicht alles glauben :). Deswegen dachte ich mir, dass Rat von einer Autorin doch bessser sei. Ich bin selbst unter 16 Jahre alt und könnte Tipps gut gebrauchen.
    Danke schonmal im Voraus und Entschuldigung für die vielen Fragen!

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Frau Mars,

      Sie können alles hier auf meinem Blog nachlesen, in meinem Beitrag „Buch veröffentlichen„.

      Viel Erfolg wünsche ich Ihnen!
      Anette Huesmann

  6. Vitali Lutz Antworten

    Eine sehr gute Zusammenfassung, um ein spannendes Buch zu schreiben.

    Es fehlt der Teil mit der Schreibroutine. Jemand, der ein Buch schreiben will, muss unbedingt eine Schreibroutine entwickeln – im Idealfall schreibt man täglich mindestens eine Seite für sein Buch. Das ist deshalb wichtig, weil diejenigen, die unregelmäßig schreiben, irgendwann das Schreiben ganz aufgeben – dieses Problem haben vor allem Einsteiger-Autoren.

  7. Maria Antworten

    Liebe Frau Huesmann,
    Auch von mir erstmal danke für diese guten Tipps. Sie haben mir damit wirklich sehr geholfen.
    Trotzdem habe ich noch etliche Probleme meine Buchidee umzusetzen. Das ist mein erstes Buch und ich hatte Anfangs das Problem, dass ich direkt losgeschrieben habe. Aber ich hatte ständig Schreibblockaden und hatte immer viele Stellen, an denen ich noch kein „großes Ereignis“ beschreiben wollte, aber auch nicht wusste, was ich ansonsten schreiben sollte. Ich weiß nicht, ob das an meiner mangelnden Planung lag, obwohl ich die Geschichte eigentlich komplett im Kopf hatte. Jetzt habe ich mich mit ihrer und einigen anderen Websites besser informiert.
    Aber ich habe nun immernoch das Problem, dass ich keine „Lückenfüller“ finden kann, die nichts extrem Wichtiges beinhalten, aber die Handlung auch nicht zum Stocken bringen.
    Sollte man vor dem Schreiben erst die einzelnen Punkte des ganzen Buches planen oder gibt es dafür eine andere Lösung?
    Vielleicht können sie mir weiter helfen?
    Danke schonmal im Voraus
    Mit freundlichen Grüßen
    Maria

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Liebe Maria,

      viele planen vor dem Schreiben jede Szene der Geschichte – das ist eine Möglichkeit, wie man schon frühzeitig einen Überblick über die ganze Geschichte bekommt. Andere planen eine Geschichte während sie bereits daran schreiben, auf diese Weise sind sie mit der Planung immer zwei oder Schritte weiter als mit dem Schreiben. Doch egal, welche der beiden Methoden man wählt, eine Geschichte sollte niemals Lückenfüller enthalten. Vielleicht ist Ihre Buchidee ja keine Buchidee, sondern die Idee für eine tolle Kurzgeschichte? Es gibt Geschichten, die füllen keine 300 Seiten. Deshalb sind sie nicht schlechter, sondern einfach nur kürzer.

      Viel Freude am Schreiben wünsche ich Ihnen
      Anette Huesmann

  8. Martina Antworten

    Liebe Frau Huesmann,
    erstmal Danke für diesen Blog und die vielen Tipps, die mir sehr gut weitergeholfen haben.
    Ich bin 43 Jahre alt und versuche gefühlt zum 1000 Mal ein Buch/Roman zu schreiben. :)
    Mein Problem besteht darin, daß ich immer nur den ersten Kapitel aufschreibe und diesen anschließend immer wieder versuche zu verbessern, weshalb ich nie weiter komme.
    Erst sind es nur einzelne Sätze, die ich umformulliere, dann ganze Abschnitte, bis ich den ganzen Kapitel streiche und wieder von vorne Anfange.
    Selbst wenn ich der Meinung bin, daß endlich alles „sitzt“, finde ich beim durchlesen immer noch irgendetwas, was mir nicht gefällt, und fange wieder an zu „verbessern“.
    Wenn ich mir das Aufgeschriebene nicht durchlese, sondern einfach nur weiterschreibe, befürchte ich, daß ich später versehentlich Details einbinde, die mit denen am Anfang nicht übereinstimmen.
    Wie kann ich das Problem lösen?

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Martina,

      Sie können sich das ähnlich vorstellen, als wenn Sie sich vorgenommen hätten, einen Kuchen zu backen. Im ersten Arbeitsschritt sieben Sie das Mehl. Doch Sie sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden und werfen das gesiebte Mehl weg. Dann beginnen Sie erneut damit, das Mehl zu sieben – und werfen es im Anschluss wieder weg. Auf diese Weise wird es nie einen Kuchen geben. Das Bedauerliche ist, dass Sie auf diesem Weg auch nichts lernen. Denn Sie üben immer nur das Sieben des Mehls und können nie die folgenden Arbeitsschritte lernen und üben. In diesem Fall wäre mein Rat: Mit den Unzulänglichkeiten leben. Erst mal weitermachen mit dem nicht perfekt gesiebten Mehl. Den Kuchen fertig backen, sich daran freuen (auch wenn er noch nicht perfekt geraten ist) und dann einen neuen Kuchen backen. So kommen Sie allmählich voran, können dazu lernen, besser werden – bis eines Tages der perfekte Kuchen vor Ihnen steht.

      In diesem Sinne würde ich Ihnen raten: Nicht löschen, sondern weiterschreiben. Nur so kommen Sie voran und können allmählich besser werden. Und im Gegensatz zu einem Kuchen kann man bei einem Roman eine erste Fassung erstellen, die man dann immer weiter perfektionieren kann ;-)

      Viel Freude am Schreiben wünsche ich Ihnen
      Anette Huesmann

  9. Louisa Antworten

    Liebe Frau Huesmann,
    zuerst einmal vielen Dank, für ihren wirklich sehr hilfreichen und interessanten Blog.

    Ich bin schon seit einiger Zeit dabei, an dem Plot für mein Buch zu arbeiten. Die Handlung habe ich schon fertig aufgebaut. Unsicher bin ich mir allerdings noch, ob ich aus einer Perspektive (also der Perspektive der Hauptfigur) erzählen soll oder aus mehreren Perspektiven.

    Hätten sie vielleicht einen Tipp, wann das erzählen aus mehreren Perspektiven zuträglich ist, oder wann man es lieber bei einer Perspektive lassen sollte?

    Schon einmal danke im Voraus für ihre Antwort… : )

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Liebe Louisa,

      das hängt davon ab, was Sie in der Geschichte alles erzählen möchten. Wird eine Geschichte nur aus der Perspektive der Hauptfigur erzählt, dann können Sie nur Szenen schildern, bei denen die Hauptfigur anwesend ist. Denn es wird ja nur aus ihrer Sicht erzählt und damit ist man beschränkt auf die Dinge, die die Hauptfigur selber miterlebt. Alles andere muss sie dann erzählt bekommen oder irgendwie „erfahren“. In diesem Fall ist man auch auf die Innensicht der Hauptfigur beschränkt, kann also nur erzählen, wie die Hauptfigur das empfindet und was sie darüber denkt.

      Erzählt man dagegen eine Geschichte aus der Perspektive mehrerer Figuren, dann kann man mehr Facetten einer Geschichte erzählen. Man kann auch Szenen schildern, an denen die Hauptfigur nicht beteiligt ist. Und man kann die Sichtweise anderer Figuren schildern, wie es ihnen damit geht und was sie darüber denken. Manche Geschichten müssen multiperspektivisch erzählt werden, weil sie sonst nicht funktionieren.

      Viel Erfolg!
      Anette Huesmann

  10. Anonymous Antworten

    Hallo,
    ich würde meine Geschichte gerne schreiben lassen Haben Sie Tipps?
    Es geht um sexuelle Gewalt in der Kindheit, die Auswirkungen aufs Erwachsenenleben und darum zu verarbeiten.

    Herzliche Grüße
    Anonymous

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Anonymous,

      es gibt die Möglichkeit, eine Biografin bzw. einen Biografen damit zu beauftragen. Hier finden Sie Adressen:

      http://www.biographiezentrum.de.

      Viele Grüße
      Anette Huesmann

  11. Holger Theymann Antworten

    Sehr coole Tipps! Besonders „Show, don’t tell“ finde ich für gelungenes Storytelling enorm wichtig.

    Auch deine Ausführungen zur Struktur finde ich sehr gelungen! Am Plot knabbere ich immer wieder etwas.

    Als ich vor einiger Zeit – vermutlich hat das jeder schon mal erlebt – eine Schreibblockade hatte, habe ich mich mit der Frage beschäftigt, ob es nicht typische Plots gibt, die ich quasi als Vorlage verwenden könnte, um gedanklich selber wieder in Gang zu kommen.

    Daraus hat sich ein (wie ich finde) ebenfalls cooler Artikel über Geschichten schreiben nach Plot-Vorlagen entwickelt, den ich hier gerne mit beisteuere, in der Hoffnung, damit vielleicht jemandem helfen zu können, der auch gerade den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht :)

    Was ist dein Tipp bei Planlosigkeit beim Storydesign?

    Liebe Grüße und „Tolle Arbeit“!

    Holger Theymann

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Holger,

      danke dir für die Rückmeldung. Ich hatte mich schon vor einigen Jahren mit derselben Frage beschäftigt – und bin beim gleichen Werkzeug gelandet wie du: Die 20 Masterplots von Ronald B. Tobias – siehe mein Artikel „20 Masterplots – ein Lehrbuch für AutorInnen„.

      Masterplots sind eine gute Möglichkeit, der eigenen Geschichte mehr Tiefe zu geben.

      Viele Grüße
      Anette

  12. Josef Antworten

    Auch mich reizt es ein Buch zu schreiben. Ich habe einige Ideen wie die Geschichten beginnen. Nur ein Ende zu finden habe ich meist ein Problem, weswegen ich zögere. Gibt es hier Tipps :)

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Josef,

      wenn man anfängt mit dem Schreiben, ist es leichter, das Projekt zu einem guten Ende zu bringen, wenn man die Geschichte inklusive Ende in groben Zügen durchplant. Sonst ist das Risiko sehr groß, dass man mitten drin hängen bleibt, weil man sich in eine Sackgasse geschrieben hat. Wenn man auf der Suche nach einer guten Idee für das Ende ist (und so überhaupt keinen vernünftigen Einfall hat), hilft es oft, ganz spielerisch an die Sache dranzugehen. Zum Beispiel mit Tarotkarten, weil diese Abbildungen haben, die sich interpretieren lassen. Zieht man zum Beispiel den Tod, kann man sich fragen, was wäre, wenn die Hauptfigur am Ende stirbt – oder ihr Hund stirbt – oder die Nachbarin stirbt? Und so weiter. Auf diese Weise kann man sich ganz spielerisch ein paar Möglichkeiten erarbeiten. Die lässt man dann ein paar Tage / Wochen liegen und wenn man später mit neuen Augen draufkuckt, merkt man oft schnell, welche der vielen Möglichkeiten meine Phantasie am besten ankurbelt bzw. welche ich am spannendsten finde. Natürlich kann man auch jede andere Form der Ideenfindung nutzen, z.B. das Ende von Fernsehfilmen, den Polizeibericht oder Würfel mit Symbolen.

      Viel Spaß!
      Anette Huesmann

  13. Alicia Antworten

    Liebe Frau Huesmann,
    Ich bin 14 Jahre alt und habe bereits einen Roman angefangen, der rund 30.000 Wörter bis jetzt umfasst. Leider habe ich beim Lesen festgestellt, dass die Protagonistin sich an vielen Stellen sehr unterschiedlich verhält, viel zu viel passiert, das nichts mit dem Hauptplot zu tun hat und für den Leser einfach zu verwirrend geschrieben ist. Außerdem hat die Protagonistin so viele Probleme, die es zu lösen gibt, dass der Roman viele tausend Seiten lang werden müsste, um auch die Geschichten der Nebenfiguren zu behandeln und alle Probleme zu lösen. Da es mir nicht so erscheint, als könnte ich das durch Überarbeiten zu einem sinnvollen Roman machen, habe ich entschieden, das so zu lassen und dafür einen neuen Roman anzufangen mithilfe Ihrer Tipps. Dennoch habe ich Angst, dass mir dieselben Fehler unterlaufen werden und am Ende nichts mehr richtig Sinn ergibt. Hätten Sie Vorschläge für mich, wie ich meinen Roman übersichtlicher gestalten könnte und nicht während des Schreibens vom Thema abschweife, damit dieser Roman besser wird?
    Mit freundlichen Grüßen
    Alicia

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Liebe Alicia,

      Sie haben es schon selber gesagt, was Sie tun sollten: nicht abschweifen :-) Ich würde Ihnen empfehlen, schon bei der Planung darauf zu achten, dass Sie nur Szenen einplanen, die wirklich zur Geschichte gehören. Und beim Schreiben ist es noch wichtiger, nur Dinge zu erzählen, die wirklich dazu gehören. Wenn einem das beim Schreiben nicht gelingt, dann sollte man spätestens beim Überarbeiten darauf achten und dann alles streichen, was nicht wirklich dazu gehört. Auf diese Weise könnten Sie auch Ihren Romananfang überarbeiten und dann sehen, was noch geblieben ist.

      Viel Spaß beim Schreiben!
      Anette Huesmann

  14. Anna Antworten

    Hallo,
    Ich möchte nun schon sehr lange ein Buch schreiben. Ich sammle nur immer zu viele Ideen und kann mich nicht entscheiden was in die Geschichte passt und was ich eher weglassen sollte.
    Deshalb habe ich mich erst einmal an Kurzgeschichten ausprobiert um ein Gefühl dafür zu bekommen. Allerdings bin ich noch genauso Planlos wie davor.
    Meine Motivation hält sich dadurch in Grenzen, weil ich einfach nicht weiß wie ich weitermachen soll.
    Hätten Sie vielelicht einen Tipp für mich?
    LG Anna

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Anna,

      in der Tat, das ist eines der schwierigsten Dinge beim Schreiben. Theoretisch könnte man eine Menge schreiben, aber praktisch muss man sich entscheiden, was man weglässt und was man beschreibt. Erst, wenn man diese Entscheidungen für sein Projekt getroffen hat, kann man loslegen oder weiterschreiben. Um herauszufinden, was man schreibt und was nicht, ist der Hauptkonflikt in einem Satz das wichtigste Hilfsmittel. Diesen Satz muss man für seine Geschichte finden (ist oben beschrieben, wie man den findet). Dieser Satz gibt den roten Faden vor für die Geschichte: Die Ereignisse, die dazu dienen, diesen Satz mit Leben zu füllen, die schildert man, alles andere lässt man weg.

      Viel Erfolg!
      Anette Huesmann

  15. Sascha Antworten

    Hallo Frau Huesmann,

    zunächst großes Lob für ihren sehr lehrreichen Blog, dem ich viele nützliche Tipps entnehmen konnte!

    Mich würde mal interessieren, wie wichtig ein „Happy End“ für einen Roman ist… Ich schreibe autobiographisch über ein erlebtes Liebesdrama. Leider geht die Geschichte für den Protagonisten nicht gut aus. Könnte das enttäuschend für den Leser sein? Allerdings will ich nichts „hinzudichten“ und möglichst nahe an der Realität bleiben, da ich sonst befürchte, es könnte gestellt wirken.

    Und wäre es sinnvoll den Einstieg mit dem „dramatischen Ende“ zu beginnen und die Geschichte sozusagen als Rückblende aufzubauen um aufzuwickeln, wie es dazu kam?

    Ich bin nämlich derzeit noch mit dem Plot beschäftigt…
    Mich würde Ihre Meinung brennend interessieren!

    Vielen Dank im voraus und liebe Grüße,
    Sascha

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Sascha,

      je eher Mainstream, desto wichtiger ist ein Happy End – je eher literarisch, desto wichtiger ist ein tragischer Schluss.

      Da Ihre Geschichte autobiografisch angelegt ist, wird es wohl eher kein Mainstream sein. In diesem Fall wäre ein tragisches Ende eher förderlich.

      Viele Romane (und auch Filme) stellen das dramatische Ende an den Anfang und erzählen die eigentliche Geschichte in einer Rückblende. Hat aber den Nachteil, dass man bereits zu Beginn verrät, dass es kein Happy End geben wird. Würde ich nur machen, wenn es der Dramatik der Geschichte keinen Abbruch tut. Denn viele Geschichten leben davon, dass ich als Leserin eben nicht weiß, wie sie enden.

      Viel Erfolg!
      Anette Huesmann

  16. Rene Antworten

    Hallo Frau Huesmann,
    Ich bin 14 und versuche mich gerade an meinem ersten Buch jedoch fällt mir die Einleitung sehr schwer. Ich habe leider keinerlei Ahnung wie ich diese spannend gestalten soll. Das Buch soll von dem Amerikanischen Bandenkrieg handeln. Hätten sie eventuell einen guten Tipp?
    Viele Grüße
    Rene

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Rene,

      ich würde mich nicht zu lange mit dem Einstieg aufhalten. Der darf am Anfang ruhig holperig sein, schließlich muss man sich erst „warm schreiben“ und in die Geschichte reinkommen. Jetzt im Moment ist der Einstieg nur ein erster Entwurf. Am Ende, wenn das Buch fertig ist, kehrt man zum Einstieg zurück und schreibt ihn ein zweites Mal bzw. überarbeitet ihn. Dann ist man viel mehr in der Geschichte drin und kann ihn viel besser schreiben. Der Trick ist: Am Anfang den „schlechten“ Einstieg einfach stehen lassen, um voran zu kommen, und dann ganz am Ende den holperigen Einstieg überarbeiten, bis er richtig gut ist.

      Viel Erfolg!
      Anette Huesmann

  17. Isabella Antworten

    Ich versuche eine Fantasy Geschichte zu schreiben, aber ich bekomme es nicht hin, dass ein Ereignis nach dem anderen abläuft!

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Isabella,

      in meinem Video auf youtube habe ich beschrieben, wie man das macht:

      https://www.youtube.com/watch?v=zJvz6_WVgaQ

      Viel Erfolg!
      Anette Huesmann

    • Harald Antworten

      Hey cool. Ich will auch gerade naja Versuche gerade ein Fantasy Buch zu schreiben. Ich wünsche dir viel Erfolg und vielleicht finde ich dein fertiges Werk Mal im Laden.

  18. Gisela Krause Antworten

    Guten Tag Frau Huesmann
    mein Enkel hat mir empfohlen sich an sie zu wenden. Ich versuche ein Buch über Piraterie ähnliche Ereignisse im 19. Jahrhundert zu schreiben teilweise tauchen reale Personen (z. B. Queen Victoria) und teils auch Personen aus anderen Büchern/ Filmen ( z. B. Captain Jack Sparrow aus Fluch der Karibik) wie kann ich diese in meine Geschichte einfliesen lassen ohne die komplette Lebensgeschichte umzuschreiben bzw. Plagiat ohne Quellenangabe zu betreiben.

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Frau Krause,

      tauchen historische Personen des öffentlichen Lebens in einem Roman auf, so erwarten die LeserInnen, dass die Eckdaten stimmen. Sie sollten also deren Lebensgeschichte keineswegs umschreiben. An Figuren aus anderen Geschichten haben deren AutorInnen die Urheberrechte, Sie würde also deren Urheberrechte verletzen, wenn diese in Ihrer Geschichte auftauchen. Es gibt zwar die sogenannte Fanfiction, aber diese bewegt sich in einem rechtlichen Graubereich.

      Viele Grüße
      Anette Huesmann

  19. Max Simon Otto Antworten

    Hallo Frau Huesmann
    Ich habe eine ganze Reihe von ca. 10 Romanen verfasst. Beim letzten Lesen bevor ich es einem Verlag zusende sind mir erhebliche Logikfehler in meiner Geschichte aufgefallen wie kann ich diese im 2. Versuch überarbeiten. Ich habe es schon selber versucht, aber bin daran gescheitert das die ganze Handlung des Buches und die der nachfolgenden Bücher auf diesen einen Logikfehler basiert.

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Herr Otto,

      ich würde Ihnen empfehlen, sich eine Lektorin zu suchen. Viele bieten auch Coaching, Schreibberatung und Gutachten für Manuskripte. Dann haben Sie eine neutrale Person, die Sie darin unterstützt, die Logikfehler beim nächsten Überarbeitungsschritt rauszunehmen. Ein Verzeichnis professioneller LektorInnen finden Sie hier: http://www.lektoren.de.

      Viel Erfolg!
      Anette Huesmann

  20. Alex Antworten

    Liebe Frau Huesmann,

    in meiner Geschichte kommen immer wieder Dialoge vor, welche in Englisch geführt werden, da die Protagonisten unterschiedliche Nationalitäten haben.
    Mir fehlt eine elegante Lösung, diesen Fakt klar zu verdeutlichen ohne direkt vor oder während des Dialogs darauf hinzuweisen.

    Die entsprechenden Passagen auf Englisch zu verfassen kam mir bereits in den Sinn. Jedoch habe ich mich dagegen entschieden, da ich glaube, dass das früher oder später für den Leser zu anstrengend wird.

    Über einen kurzen Tipp würde ich mich sehr freuen.:)

    Viele Grüße
    Alex

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Alex,

      schwierig, in der Tat, vor allem, wenn es sich durch das ganze Buch zieht. In manchen Büchern wird es so gelöst, dass nur einmal erwähnt wird, dass jemand in der fremden Sprache spricht – und da die am Gespräch beteiligten Personen alles verstehen, ist der Dialog in Deutsch wiedergegeben. Lediglich ein Hinweis vor oder nach dem Dialog zeigt, dass Englisch gesprochen wird: Ihr Akzent verriet, dass sie aus Illinois stammte o.s.ä. Das würde ich nicht bei jedem Dialog wiederholen, aber vielleicht etliche Seiten später noch ein zweites Mal anklingen lassen, um es wieder ins Gedächtnis zu rufen.

      Viel Erfolg
      Anette Huesmann

  21. Hajo Heider Antworten

    Hallo
    Zuerst mein Lob für die knappe Sammlung, das Schreiben betreffend.
    Ihre Kurzfassung von „Parfüm“ hat mich auf einen Logikfehler im Plot des Romans gebracht. Grenouille möchte, mittels des Dufts von Mädchen, sich selbst in einen unwiderstehlichen Duft hüllen. Ich bezweifle, dass ein Mann, der nach Mädchen riecht, sympathisch ist. Er sucht auch nicht den sympathischen Duft an sich, sondern nur immer den Duft junger Frauen. – Wahrscheinlich wäre der Erfolg des Romans ausgeblieben, wenn sich Grenouille männlicher Körper zur Duftgewinnung bedient hätte. Ein Mann, der nach Frau riecht, ist für Frauen vermutlich wenig attraktiv, so wenig wie eine Frau, die nach Mann riecht, für einen Mann attraktiv ist oder umgekehrt..
    Gruß

    • Benjamin Bothur Antworten

      Auf den ersten Blick muss ich Ihnen Recht geben. Wenn ich spekulieren darf, vermute ich eher das Vorhandensein von Pheromonen, die Grenouille wahrgenommen hat. Durch seinen ausgeprägten Geruchssinn vermochte er diese im Schweiß der Menschen, insbesondere der Frauen, wahrzunehmen und bediente sich der verschiedenen Arten von Pheromonen, um am Ende das universale Pheromon zu erschaffen. Dass er als Mann auf Frauen fixiert zu sein scheint, unterstreicht das noch, da, zumindest im heterosexuellem Sinn, weibliche Pheromone eine größere Wirkung auf den Mann haben. Ich weiß nicht, ob Patrick Süskind irgendwelche Bezüge zur Biochemie hat, aber das Buch hätte durchaus von einem Biochemiker geschrieben worden sein können. Einem sehr einsamen.
      Gruß und einen guten Rutsch.

  22. P. Antworten

    Hallo Frau Huesmann,

    ich habe und fühle mich teilweise immer noch sehr verloren beim Schreiben.
    Ich lese sehr viele Detektivgeschichten und Bücher, die sich mit dem Wettstreit im Geiste befassen („Ich wusste, dass du dies tust, also tat ich das“). Deshalb habe ich unheimlich viel Spaß dabei mir eigene Kniffe, Strategien und Figuren, die sich gegenseitig ausspielen, auszudenken. Ich notiere mir alles, was mir einfällt und brenne immer darauf es in meiner Geschichte zu verwenden. Leider liegt mein Interesse somit weniger darin, das Drumherum aufzubauen. Weitere Charaktere entwickeln, damit die Geschichte nicht so karg ist, mir die Umgebung auszumalen und Übergänge von Szene A zu Szene B zu schaffen. Ich würde mich eher als analytischen Schreiber sehen, dem es dann am freundlichen Nachbarn von Nebenan, oder dem netten Kollegen von der Arbeit mangelt, weil diese für die Lösung des Falls nicht benötigt werden.
    Deshalb fühle ich mich etwas verloren beim Schreiben. Ich sehe diesen riesigen Berg an zusätzlichen Dingen, die ich brauche um meine Geschichte abzurunden und fühle mich so eingeschüchtert, dass ich kaum weiterschreiben kann.
    Ich werde versuchen, die Schneeflockenmethode zu verwenden, sie erscheint mir sehr Hilfreich und beruhigt meine innere Aufgeregtheit ein wenig – das hilft mir sehr. Aber haben Sie eventuell einen einfachen aber guten Tipp, wie ich meiner sehr konstruierten Geschichte mehr Leben einhauchen kann, sodass sie auch dem gemeinen Leser gefallen könnte und nicht nur dem reinen Puzzlefan?

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo P.,

      vielleicht sind Sie gerade dabei, eine völlig neue, außergewöhnliche Art eines Krimis zu entwickeln? Bevor Sie sich dazu zwingen, Dinge in den Krimi einzubauen, die Ihnen nicht frei aus der Feder fließen, würde ich Ihnen empfehlen, zunächst herauszufinden, wie Ihr ganz eigener Stil bei anderen ankommt. Sie könnten ein oder zwei Kapitel auf einer Plattform wie wattpad.com hochladen und mal sehen, wie es dort bei den LeserInnen ankommt. Oder ein paar TestleserInnen finden – das sollten natürlich Krimi-Fans sind. Erst wenn Sie merken, dass Ihr Stil wirklich zu kryptisch/knapp/hölzern rüberkommt, würde ich versuchen, daran zu arbeiten.

      Viel Erfolg!
      Anette Huesmann

  23. Nina Völkel Antworten

    Hallo,
    mein Name ist Nina und ich bin 15 Jahre alt. Mir geistert schon seit geraumer Zeit eine Idee im Kopf herum die ich sehr gerne in einen guten Roman umwandeln würde. Ich schreibe gerne und viel, aber ich habe noch nicht wirklich meinen Style gefunden. Außerdem ist meine größte Angst, dass ich die Charaktere nicht rund bekomme und die Geschichte zu chaotisch ist. Haben sie da vielleicht ein paar Tipps für mich?
    FG Nina

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Nina,

      meine wichtigsten Tipps finden Sie gleich hier auf dieser Seite. Außerdem gibt es Schreibratgeber, gerade für den Einstieg kann ich besonders empfehlen „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ von James N. Frey. Es braucht beim Schreiben wie auch bei anderen Fertigkeiten eine Weile, bis man besser wird – so, als ob man ein Musikinstrument lernt. Auch beim Schreiben muss man dann ganz viel üben, dann wird es allmählich besser.

      Viel Freude am Schreiben wünsche ich!
      Anette Huesmann

  24. Larissa Antworten

    Hallo Liebe Schreibtrainerin

    Ich heiße Larissa und bin 12 Jahre alt. Ich schreibe seit circa zwei Jahren an einem Buch aber ich komme im Moment gar nicht weiter. Ich finde keine Zeit um zu schreiben. Kürzlich erst habe ich angefangen meinen ersten Versuch auf den Laptop zu schreiben und zu verbessern. Mein Wunsch ist es das Buch herauszugeben in dem nächsten Jahr doch ich glaube ich bin mitten in einer Sackgasse. Immer wenn ich mich an den Laptop setze hält meine Konzentration nur eine bestimmte Zeit. Ich hoffe wirklich dass sie mir helfen können.
    Danke:-)

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Larissa,

      es ist ganz normal, dass man schnell müde wird. Schreiben ist wie ein Hochleistungssport, man muss sich sehr konzentrieren und braucht dafür viel Kraft und Energie. Und dann wird man auch schnell müde. Aber man gewöhnt sich allmählich daran: Es ist wie beim Joggen, am Anfang schafft man nur ein paar Minuten, mit ein bisschen Übung eine halbe Stunde und mit viel Übung eine Stunde. Aber nur wenigen gelingt es, mehrere Stunden am Stück zu joggen. Deshalb schreiben die meisten AutorInnen täglich – jeden Tag ein bisschen, dann kommt man gut voran.

      Viel Spaß beim Schreiben :-)
      Anette Huesmann

  25. Nikolas Antworten

    Na dann mache ich mich mal daran den Plot für meine Geschichte(n) zu überarbeiten. Ich finde die Tipps für die erste Übersicht hervorragend. Danke für diesen gelungenen Beitrag.
    Ich möchte das ganze in ein Comicskript umsetzen und werde wahrscheinlich die Helddnreise wählen…
    Was mich jetzt zusätzlich interessiert: Ist es möglich in einer Geschichte mehrere Dramatikmodelle zu verwenden? – Für zwei parallelverlaufende Handlungsstränge je einen eigenen sowieso, aber eben ein anderes Modell, oder wird das für den Leser zu unverständlich.

    Danke für ihre Zeit und liebe Grüße
    Schimmerklang

    • Die Schreibtrainerin Antworten

      Hallo Nikolas,

      das Ziel ist natürlich, dass die Leser*innen nicht merken, ob ein Dramenmodell verwendet wurde. Und ja, man kann zwei Dramenmodelle für dieselbe Geschichte verwenden. Denn der Dreiakter und die Heldenreise widersprechen sich nicht, im Gegenteil. Die Heldenreise kann man als abgewandelten Dreiakter sehen, mit weiteren Zwischenstationen. Wenn man gerade beginnt, eine Geschichte zu entwickeln, ist der Dreiakters sehr hilfreich, um die wichtigsten Wendepunkte festzulegen. Ist man mit der Planung weiter vorangeschritten und kennt seine Hauptfigur schon richtig gut, dann kann die Heldenreise dabei helfen, sich die Veränderung der Hauptfigur genauer anzusehen.

      Viel Erfolg!
      Anette Huesmann


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